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Remscheid
Wortspielereien auf der Kabarett-Klaviatur

Remscheid. Der Kölner Kleinkünstler Martin Zingsheim springt in der Kloster-kirche in seinem Programm "Kopfkino" munter von Thema zu Thema. Den rund 150 Zuschauern gefällt das. Von Wolfgang Weitzdörfer

Als der Kölner Martin Zingsheim sein Programm "Kopfkino" vor etwa 150 Zuschauern in der Klosterkirche mit dem Hinweis darauf beginnt, dass er ein Headset trage, das verkabelt sei, aber das Kabel könne man nicht sehen, denn es sei ja "wireless" - da hält man noch kurz die Luft an und beginnt schon damit, sich innerlich auf einen Abend der flachen Situationskomik und der platten Kalauer einzustellen. Doch es bleibt eine Ausnahme, eine vielleicht wirklich nicht besonders gut gewählte.

Puh, nochmal Glück gehabt, schießt es einem im Anschluss durch den Kopf, denn der 31-Jährige grinst kurz verschmitzt und fährt fort: "Ob Sie der Abend jetzt intellektuell weiterbringt, weiß ich auch nicht." Das ist aber ohnehin ein hehres Ziel, auch das weiß der junge Kleinkünstler. Hat er sich doch vorgenommen, die ganze Kabarett-Klaviatur zu bespielen, von A wie Arbeitsmarkt bis Z wie Zuwanderung. Oder?

"Man sollte auf der Bühne nur von Dingen reden, bei denen man sich auskennt", schränkt er ein und fügt launig an: "Hm, aber ein ganzer Abend nur über gut trinkbare Rotweine für unter zwei Euro...?" Man merkt schnell: Dieser an und für sich so unauffällige Lausbub mit dem blonden Lockenkopf und der Schiebermütze hat es faustdick hinter den Ohren.

Allerdings ist das Themenfeld des Kölners wirklich fast schon zu groß, denn er beharkt munter praktisch alle Bereiche des täglichen Lebens, hüpft heiter von Assoziation zu Assoziation und liebt dabei vor allem eines: das Wortspiel. Besonders herrlich ist das etwa bei der verstolperten Wiedergabe des Wahlprogramms der Grünen in leichter Sprache - auch wenn er selbst das beinahe zum Einschlafen findet: "Ich sollte dieses literarische Narkotikum nur noch im Sitzen vortragen, sonst kippe ich auf der Bühne noch um." Mitnichten, Herr Zingsheim, Ihr hemmungsloses Schwadronieren in Dialekten und Wortspielereien ist ein einziger Genuss ohne die Gefahr eines vorzeitigen Einschlafens.

Irgendwann im Verlauf des Abends kommt einem dann ein anderer Kleinkünstler in den Sinn: der Erfinder des Kängurus, Marc-Uwe Kling. Denn nicht nur optisch scheint Kling ein Vorbild für Zingsheim gewesen zu sein. Auch seine Aufforderung, mehr subversive Ideen in die Tat umzusetzen, hat das Känguru mit seinen "Anti-Terroranschlägen" bereits vorgelebt. Allerdings ist Zingsheim eigenständig genug, um nicht des Abkupferns verdächtig zu werden.

Schön etwa, seine subversive Idee, eine E-Mail einfach mal mit dem Füller zu schreiben. Oder in die Bank zu gehen und ganz laut zu rufen: "Wie? Mein Konto ist voll??"

Wichtigstes Kriterium ist aber eh die Reaktion des Publikums: Das liebt Wortspielereien wie "Sedierungsgespräche zum Koalitionsvertrag" oder die Bezeichnung der zahllosen Online-Petitionen als "Sitzblockade 2.0".

Und die Zuhörer sparen t nicht mit dem insgesamt völlig berechtigten Applaus für den jungen Nachwuchs-Kabarettisten aus der Domstadt, dessen missglückter erster Kalauer am Ende schon längst wieder vergessen ist.

Quelle: RP
 
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