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Remscheid
WTT - bärenstark in der Finanzkrise

Remscheid: WTT - bärenstark in der Finanzkrise
Für diese Pistole braucht man keinen Waffenschein. Sie gehört genauso wie der kuschelige Bär zu den Requisiten eines Tschechowabends, den Claudia Sowa inszenierte. Seit fünf Jahren steht sie an der Spitze des WTT. FOTO: Nico Hertgen (Archiv)
Remscheid. Seit fünf Jahren leitet Claudia Sowa das Westdeutsche Tourneetheater. 20.000 Zuschauer kommen pro Saison. Von Christian Peiseler

Seit fünf Jahren führt Claudia Sowa als Intendantin das Westdeutsche Tourneetheater (WTT). Das Amt hat sie nach dem Tod von Wolfgang Eysold übernommen. Als Leiterin eines kleinen Privattheaters hängt gleich ein ganzer Bauchladen voller Aufgaben vor ihr. Sie führt Regie, steht als Schauspielerin auf der Bühne, konzipiert Bühnenbilder, ist Personalchefin und als Gesellschafterin verantwortlich für die Finanzen. Sie verbucht nicht nur die Eintrittsgelder, sie stellt auch die Förderanträge bei der Stadt und beim Land Nordrhein Westfalen. Ohne die gut 200.000 Euro aus Düsseldorf und die 100.000 Euro von der Stadt könnte das "theater im studio" an der Bismarckstraße nicht existieren. Die erspielten Einnahmen decken bei weitem nicht die Ausgaben. Das hat das WTT mit fast allen produzierenden Theatern in Deutschland gemein.

Mit 30.000 Euro weniger muss das Theater seit 2014 auskommen. Seinen Spielplan und sein Angebot hat es dennoch aufrechterhalten. Doch wie so häufig im Kulturbetrieb gehen die Sparmaßnahmen zu Lasten der Künstler. Das Ensemble besteht seither nur noch aus zwei festangestellten Schauspielern. Dafür arbeitet die Bühne mit vielen Freien, die Stückverträge erhalten. Ohne diese neue "Flexibilität" wären die Einsparungen nicht zu kompensieren gewesen. Welchen Zuspruch die Bühne in Remscheid bekommt, belegen die Besucherzahlen. 20.000 Gäste besuchen pro Spielzeit das WTT. Das Teo Otto Theater erreicht pro Saison um die 28.000 Besucher mit gut 120 Vorstellungen. 130 Veranstaltungen bietet das WTT. Dazu gehören Studiovorstellungen, Gastspiele und Kinovorführungen, Sonderveranstaltungen wie Benefizkonzerte, geschlossene Veranstaltungen und Workshops.

Ein Theater ist nie auf Rosen gebettet. Es gehört zu den Arbeitsplätzen, die ein hohes Maß an Selbstausbeutung verlangen. Ohne die leidenschaftliche Überzeugung, dass das WTT einen Bildungsauftrag für Remscheid zu erfüllen hat, könnte das Team nicht arbeiten, sagt Sowa. Die Intendantin hat die Zeichen des Wandels erkannt. "Wir müssen zu den Zuschauern gehen, die nicht zu uns kommen", sagt sie. Das erreicht das Theater durch Schulprojekte.

Schüler mit Theater zu erreichen, wird aber zunehmend schwieriger. Stücke, die Abiturstoff behandeln, sind überall nachgefragt. Doch bei diesen Produktionen sind dem WTT die Hände gebunden. Den "Prozess" von Kafka zum Beispiel konnte es nicht spielen. Die wäre zu teuer gewesen. Also boten sie einen Abend mit dem Titel "Kafkas Tiere"an. Eine wunderbare Ergänzung zum Schulstoff. Aber die Schulen sprangen nicht darauf an. Der Stundenplan, sagt Sowa, lasse ein Schauen nach rechts und links wohl kaum zu.

Quelle: RP
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