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Remscheid
WTT leuchtet in die Abgründe des Journalismus'

Remscheid. Marco lässt seine Egozentrik vom Publikum überprüfen. Mit einem Augenzwinkern und einem kessen Schmatzer mit der Oberlippe fragt der kahlköpfige junge Mann im seidenglänzenden, grauen Anzug ins Publikum: "Finden Sie mich sympathisch?" Und schiebt ein paar Sekunden später hinterher: "Sind sie sicher?". Als Zuschauer wehrt man sich, gleich das Klischee im Kopf zu bestätigen: "Was für ein aufgeblasener Idiot". Von Christian Peiseler

Die Strategie der Verunsicherung gehört zur Dramaturgie des Stücks "Seite eins", das am kommenden Samstag im Westdeutschen Tourneetheater Premiere hat. Der Monolog beschreibt die Denk- und Handlungsweisen eines Boulevardjournalisten. Sein Ziel ist es, die Geschichte über eine aufstrebende junge Sängerin auf die Titelseite zu bekommen - koste es, was es wolle. Vor zwei Jahren hat Johannes Kram dieses Stück geschrieben. Es beschreibt aber nach Auffassung von Regisseurin Claudia Sowa mehr als die Innenansicht einer Boulevardzeitung, deren Geschäftsmodell aus der systematischen Verletzung der Persönlichkeitsrechte besteht. Es soll zeigen, wie schnell sich die Fronten zwischen rechts und links, zwischen richtig und falsch auflösen - und keiner mehr genau weiß, was er sagen darf, kann und soll, ohne plötzlich in der falschen Ecke zu stehen. Für Sowa wäre es ein gelungener Abend, wenn die Zuschauer diskutierend das Theater verlassen. Schauspieler Eric Rentmeister will Schicht um Schicht die Denkstrukturen dieses Mannes freilegen, ohne seine Figur dabei zu denunzieren. Da er mit den Reaktionen des Publikums spielen kann, wird sein Spiel auch von spontanen Momenten getragen.

Sa. 23. Januar, 20 Uhr, Premiere, WTT. Bismarckstraße 138, Karten unter 02191 32285. Weitere Vorstellungen: 24. Januar, 18 Uhr, und 13. Februar, 20 Uhr.

Quelle: RP
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