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Remscheid
Wunschballon - kaum Hoffnung auf Erfüllung

Remscheid: Wunschballon - kaum Hoffnung auf Erfüllung
Zum Abschied in der Kita ließ Andriana einen Ballon mit einer Botschaft ihres Vaters in die Lüfte steigen. Ein Sechsjähriger in Seebach fand sie. FOTO: Hertgen
Remscheid. Buaim Bajramaj schrieb eine Karte , auf der er seiner Tochter viel Glück wünschte. Der Ballon mit der Karte flog bis nach Thüringen. Aber der Roma-Familie aus dem Kosovo droht nun offenbar die Abschiebung. Von Stefanie Bona

Seit Jahren lässt die Städtische Kindertageseinrichtung Am Stadtpark einmal im Jahr Luftballons in den Himmel steigen. Immer wenn die künfigen Schulkinder verabschiedet werden, fliegt für jedes Kind ein Ballon in die Lüfte. Und immer hängt daran eine Karte mit einem guten Wunsch, den die Eltern ihren Kindern mit auf den Weg geben. "Noch nie hat es bisher auf irgendeinen Ballon eine Reaktion gegeben", erinnert sich Kita-Leiterin Katharina Wolf.

Umso gerührter ist sie von einem Brief, der sie aus dem thüringischen Seebach erreichte. Nils, Mitglied im Schützenverein Erbstromtal, hat den Ballon auf dem Schießplatz entdeckt. Ausführlich erzählt er in dem an die Kinder gerichteten Schreiben, wie er den gelben Luftballon gefunden hatte, ihn zunächst seinem sechsjährigen Sohn Jeremy - der auch in diesem Jahr in die Schule kommt - schenken wollte und dann die handgeschriebene Karte entdeckte.

Der Wunsch, den Nils später mit der Lesebrille auf der Nase gelesen hat, stammt von Buaim Bajramaj. Der Ballon seiner Tochter Andriana war es, der die weite Reise nach Thüringen antrat. Der Vater wünschte Andriana viel Glück und dass sie eine schöne Zeit hat. Doch ist diese Zeit in Deutschland, in denen die Familie sicher und unbehelligt leben kann, möglicherweise bald vorbei. Den Kosovaren droht die Abschiebung, die nur aufgeschoben wurde, weil Bajramajs Ehefrau Kumrie erkrankt ist. Sie ist ob der dramatischen Erlebnisse in ihrer Vergangenheit stark traumatisiert. Sorgen um die Zukunft quälen die vierfache Mutter. Der Kosovo gilt für die deutschen Behörden als sicher. Insofern haben von dort stammende Flüchtlinge mit ihren Asylanträgen kaum eine Chance auf Anerkennung.

Was Buaim Bajramay in recht passablem Deutsch zu erzählen hat, macht dennoch betroffen. Als Roma erfahren er und seine Familie nicht nur Ablehnung, sondern ganz konrete Bedrohung. Ihr Haus sei kaputt, die Armut greift um sich und ihre Kinder seien nicht gewollt. Zu den Geburten ist das Ehepaar jedes Mal nach Belgrad gefahren, weil es Angst hatte, dass man ihm den Sohn und die drei Töchter wegnahm.

"Damit war ich der Spion. Und sie haben uns gesagt, wir sollen aus dem Land verschwinden", erzählt er. Nach einem zweieinhalbjährigen Aufenthalt in Belgien wurden die Bajramajs dort abgeschoben und reisten nach Deutschland.

Hier möchte der 33-Jährige nur eines: "Ich möchte arbeiten - egal was. Und ich möchte meine Kinder integrieren." Für Katharina Wolf sind sie das längst. Die Eltern versäumten keinen Gesprächstermin, keinen Elternabend und kein Fest in der Einrichtung. "Das würden wir uns von anderen wünschen." Außerdem hätten die Kinder die deutsche Sprache ruckzuck gelernt.

Aus Sicht der Ämter ist die Situation im Kosovo sicher. "Für uns Roma nicht. Für uns ist dort Krieg", sagt Buaim Bajramay ernst und erwartet bei einer Rückkehr Isolation, Armut und Perspektivlosigkeit.

Quelle: RP
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