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Remscheid
Zank um Zukunfts-Zeugnis

Remscheid: Zank um Zukunfts-Zeugnis
Attraktiv oder eher nicht? Die Stadt im Abendlicht vom Hauptbahnhof betrachtet. BM-Foto: J. Moll FOTO: Moll Jürgen
Remscheid. Stellt die Prognos-Studie die Zukunfts-chancen der Stadt falsch dar? Eine entsprechende Kritik des OB weisen die Verfasser zurück. Die CDU hatte sie angeschrieben. Von Henning Röser

Schlechte Zeugnisse bekommt niemand gerne. Auch Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz (SPD) nicht. Doch anders als die meisten Schüler hat der OB die schlechte Note, mit der die Verfasser der renommierten Prognos-Studie die Zukunftsfähigkeit der Stadt benoteten, nicht nur murrend hingenommen. Hintergrund: Prognos stuft Remscheid im Deutschlandvergleich um 50 Plätze nach unten, die Stadt liegt nun auf Rang 325 von insgesamt 402 Städten und Kreisen.

Im BM-Interview im Sommer gab der OB den Gutachtern zwar in einigen Punkten Recht (hohe Arbeitslosigkeit), warf ihnen aber auch klare Fehler vor. So hätten sie vernachlässigt, dass Remscheid von der Bergischen Universität in Wuppertal profitiere. Ein Beispiel dafür sei die Forschungsgemeinschaft Werkzeuge (FGW) als in Remscheid ansässiges An-Institut. Zudem sei die große Rolle der Industriebetriebe bei der Bewertung der Wirtschaftskraft und der Zukunftsfähigkeit nicht ausreichend eingeflossen. Auch einen positiven Niederschlag der im Landesvergleich sehr niedrigen Kriminalitätsrate vermisst der OB. Er sieht sich in dieser Einschätzung auf einer Linie mit der Bergischen IHK.

Fast wortgleich fiel die Antwort des Oberbürgermeisters einige Wochen später auf eine Anfrage der CDU-Ratfraktion aus. Die wollte wissen, welche Schlüsse der Verwaltungschef aus dem schlechten Zeugnis ziehen will. Die Antworten des OB ließ die CDU auch den Prognos-Gutachtern zukommen.

In einem Antwortschreiben, das der BM vorliegt, legen die Gutachter jetzt noch einmal nach. So sei sowohl die niedrige Kriminalitätsrate als auch die Rolle der Industriebetriebe sehr wohl in das Gutachten eingeflossen. Dabei sei unter anderem festgestellt worden, dass die Investitionen im Vergleich zur Bruttowertschöpfung des verarbeitenden Gewerbes in Remscheid mit 5,7 Prozent deutlich niedriger ausfallen als im NRW-Durchschnitt (7,0). Im Bundesschnitt (8,0) schneide Remscheid sogar noch schlechter ab.

Die Gutachter stellen zudem die Frage, wie es sein kann, dass trotz vermeintlich starker Industrie in Remscheid das Wachstum im Bruttoinlandsprodukt mit 1,3 Prozent viel niedriger ausfalle als im selbst schon "schwachen" NRW (6,2).

Es folgen viele weitere Beispiele. Es gehe Prognos nicht um die Bewertung einer Verwaltung, sondern um "eine Einschätzung regionaler Standort- und Wirtschaftsbedingungen", heißt es abschließend. Der Bericht solle die Akteure vor Ort "aufrütteln".

Bei der CDU zumindest ist das gelungen. "Der Bericht ist neutral und zeigt konkrete Schwächen auf, die wir nun angehen müssen", sagt Parteichef Jens Nettekoven. "Ich möchte, dass Remscheid besser wird."

Quelle: RP
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