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Remscheid
Zerrissen zwischen Wünschen und Ängsten

Remscheid. Aydin Isik bringt "Schuld und Sühne" von Dostojewski morgen auf die Bühne des Westdeutschen Tourneetheaters. Von Hagen Thiele

Das Beil liegt schon in seiner Hand. Dann kommen ihm Zweifel. Kann er wirklich den Mord an der Pfandleiherin begehen? Doch die anderen Stimmen in seinem Kopf sind lauter, zerren regelrecht an ihm. Welchen Wert hat die Pfandleiherin schon für die Gesellschaft?

Er versucht, sich noch einmal zu wehren, doch der Widerstand ist zwecklos. Wie im Wahn macht sich der mittellose Student Raskolnikow auf, um seine blutige Tat zu begehen.

Es sind eindringliche Szenen, mit denen das Freie Internationale Ensemble unter Leitung von Aydin Isik "Schuld und Sühne" von Fjodor M. Dostojewkskis am Mittwochabend auf die Bühne des Westdeutschen Tourneetheaters bringen wird. Das Werk, das zum Kanon der Weltliteratur zählt, handelt vom armen Studenten Raskolnikow, der in seinem Elend keinen anderen Ausweg sieht, als die Pfandleiherin Iwanowna zu töten. Doch die Schwester seines Opfers kehrt früher zurück und so muss er auch sie umbringen. Schließlich quält ihn nicht nur sein Gewissen, sondern auch die Polizei ist dem Studenten auf den Fersen.

Dostojewskis Werk ist sicherlich keine leichte Kost, wie auch Isik sagt. "Der Zuschauer wird das Theater vielleicht etwas nachdenklich verlassen", meint er.

Doch gerade das macht für den Regisseur, der aus der Buchvorlage in fast einem Jahr Arbeit eine Bühnenfassung entwickelte, den Reiz der Geschichte aus. Sie wirft die Frage auf, ab wann jemand schuldig ist. Welche Rolle spielen die Umstände?

Und gerade diese Umstände beleuchtet das Stück und bietet dem Zuschauer einen Einblick in das Elend des Studenten. Raskolnikows Welt ist freudlos und rau. Alkohol tröstet über die Armut hinweg, während die Bessergestellten voller Verachtung auf ihn und die anderen Mittellosen herabblicken. Doch so einfach macht es sich Isik nicht, die Motivation für den Mord darzustellen, sondern er entwirft eine komplexe Hauptfigur, die Felix Höfner mit ihrer inneren Zerrissenheit in beängstigender Intensität verkörpert.

Besonders gelungen sind die inneren Zwiegespräche, die Raskolnikow in seinen Gedanken abhält. In Form der restlichen Ensemblemitglieder bekommt der Zuschauer dieses Wirrwarr verschiedener Ideen, Wünsche, Hoffnungen und Ängste präsentiert, die einem die Ambivalenz der tragischen Hauptfigur erlebbar machen.

Für die Premiere am Mittwoch sind noch einzelne Karten erhältlich, weitere Termine sind für den 6. und 14. Mai geplant. Die Eintrittskarten kosten regulär 13 und ermäßigt neun Euro. Sie sind im Internet auf "http://www.remscheid-live.de/" erhältlich.

Quelle: RP
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