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Remscheid
Zeugin des Messerangriffs auf der Allee: "Ich war wie gelähmt"

Remscheid. Entspannt über die Alleestraße bummeln - für Petra D. (Name von der Redaktion geändert) ist diese Vorstellung momentan sehr weit weg. "Ich meide diesen Bereich", sagt sie im BM-Gespräch. Der Grund: Gemeinsam mit ihrem neun Jahre alten Sohn wird sie am Vormittag des 15. November im Salon Augenzeuge der Messerattacke auf einen Friseur auf der Alleestraße, bei der der 47-Jährige lebensgefährlich verletzt wird. Wie sich später herausstellt, ist ein Familienstreit die Ursache. Von Henning Röser

Weil an diesem Tag schulfrei ist, entscheidet sich Petra D., mit ihrem Sohn zum Friseur auf der Alleestraße zu gehen. Während sie dabei zusieht, wie ihrem Kind die Haare geschnitten werden, bekommt sie mit, wie der spätere Täter den Salon betritt und mit anderen Männern spricht.

Sie versteht nichts, es ist eine der mehreren Sprachen, die im Salon gesprochen werden. Personal und Kundschaft sind international.

Dann werden die Stimmen lauter, es gibt einen Tumult, es folgt lautes Geschrei, Chaos bricht plötzlich aus. Den Bereich, in dem das stattfindet, kann Petra D. nicht gut einsehen, er liegt seitlich versetzt und etwas erhöht. Aber sie spürt die Gefahr. Instinktiv beugt sie sich über ihren Jungen, um ihn zu schützen.

Dann sieht sie das Opfer. "Er kam direkt auf mich zu, hielt sich die Hände vor den Bauch." Zwischen den Fingern des Mannes tropft Blut auf den Boden. Sie kann nicht verhindern, dass auch ihr Sohn das sieht. "Ich war wie gelähmt", erinnert sie sich an diesen Moment.

Sie bekommt mit, dass mehrere Männer sich auf den Täter stürzen und ihn festzuhalten versuchen. Die Polizei wird alarmiert. Aus Angst, dass auch ihr Sohn oder sie angegriffen werden, bleibt sie im Salon, bis die zahlreiche Polizisten in den Raum stürmen. Dann nimmt sie ihren Sohn und verlässt schnell den Laden. Sie ruft ihren Mann bei der Arbeit an, schildert ihm das schreckliche Erlebnis, dann geht sie zu ihren Eltern, die ganz in der Nähe wohnen. Die Eltern sind geschockt, auch ein wenig ratlos. Was tun? Was ist mit dem Jungen? Der fragt seine Mutter: "Hat der Mann überlebt?"

Bei einem Therapeuten holt sie sich Rat - für ihren Jungen und für sich selbst. Sie solle von ihren Erlebnissen erzählen, immer wieder, möglichst vielen Menschen, rät er ihr. Sie befolgt den Rat, und es hilft. "Es geht besser, wir können beide schlafen", sagt sie.

Die Bilder dieses schrecklichen Vormittags allerdings sind immer noch da, tauchen in ruhigen Momenten plötzlich auf. Petra D. ist aber zuversichtlich, dass auch dies vergehen wird. "Ich werde irgendwann wieder zu diesem Friseur gehen", sagt sie.

Der 37-jährige Angreifer sitzt in Untersuchungshaft, das 47-jährige Opfer schwebt nicht mehr in Lebensgefahr.

Quelle: RP
 
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