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Remscheid
Zum Ersten, zum Zweiten, verkauft

Zum Ersten, zum Zweiten, verkauft
Bevor die Versteigerung in der Hauptschule Wilhelmstraße begann, nahmen die Besucher die Fundsachen unter die Lupe. FOTO: Theresa Demski
Remscheid. Die Stadtwerke und das Ordnungsamt versteigerten gestern Fundsachen aus dem vergangenen Jahr. Viele Bieter versuchten ihr Glück. Von Theresa Demski

Max Hemzaro sitzt entspannt in der fünften Reihe. Gemeinsam mit seiner Frau und den beiden Enkelkindern ist er zur Fundsachen-Versteigerung in die Hauptschule Wilhelmstraße gekommen. "Wir sind zum ersten Mal dabei", sagt er. Ein bisschen Bargeld hat er eingepackt, den Ehrgeiz aber Zuhause gelassen. "Wir wollen nur mal gucken", sagt er.

Während viele Profis schon eine halbe Stunde vor Beginn an den Tischen die Fundsachen durchstöbern, Taschen, Räder, Elektrozubehör, Geldbörsen und Regenschirme unter die Lupe nehmen, will sich Max Hemzaro überraschen lassen. Und so beobachtet er nur aus der Ferne den Trubel.

FOTO: Theresa Demski

Vor allem gewerbliche Bieter nutzen die Gelegenheit vor der Versteigerung, um sich einen Überblick zu verschaffen. Fürs erste bleiben die beliebten Schmuckbeutel, die die Stadt später meistbietend verkauft, noch unter Verschluss. Stattdessen bietet Mehmet Yazmaci von den Stadtwerken vor allem volle Sportbeutel, Taschen und Regenschirme an.

"In unseren Bussen ist im vergangenen Jahr viel liegen geblieben", erzählt er. Dazu gehören neben den Taschen, Sonnenbrillen und Geldbörsen auch ein Reiskocher, ein kleiner DVD-Player und eine Drohne.

FOTO: Theresa Demski

Ein halbes Jahr hat niemand nach den Fundsachen gefragt, nun kommen sie unter den Hammer. Als sich die Besucher einen Überblick verschafft haben, steigt die Spannung im Saal spürbar. "Wir sind hier in Remscheid, nicht bei Sotheby's", erklärt Jürgen Folle vom Ordnungsamt noch, "zeigen Sie also deutlich auf und machen Sie sich bemerkbar. Garantien gibt es nicht."

Und dann beginnt der illustre Reigen. Zunächst kommt ein Bündel Regenschirme unter den Hammer. Das Interesse ist groß und wird auch bei den nächsten zehn Bündeln nicht nachlassen, die Yazmaci immer mal wieder dazwischen streut. "Ich verliere ständig Schirme im Bus", erzählt Bernhard Muschiol, der gerade für 15 Euro einen Zehnerpack Knirpse ersteigert hat. Vielleicht erwische er sogar einen seiner eigenen, sagt er lachend. "Gut, dass ich jetzt wieder einen Vorrat habe", befindet er noch und macht sich auf den Heimweg. Mission erfüllt.

Auktionator Mehmet Yazmaci (l.) unterhielt die Besucher. Auch Jürgen Folle (Mitte) war gut aufgelegt. Verschiedene Fundsachen (r.) kamen unter den Hammer. FOTO: Theresa Demski

Währenddessen kommt Max Hemzaro langsam in Schwung. Als der Auktionator die erste Sporttasche zur Hand nimmt, bietet er zum ersten Mal mit. "Zum Ersten, zum Zweiten, verkauft an den Herrn in der fünften Reihe." Hemzaro hat gleich bei der Bieter-Premiere gewonnen und öffnet gespannt eine der drei Sporttaschen, die es im Paket gab. "Babywindeln und Kondome", sagt er, "ungewöhnliche Mischung." Den Rest hebt er sich für Zuhause auf. "Da warten sicher noch einige Überraschungen", sagt er und lacht. Dann widmet er sich wieder der Versteigerung.

Drei weitere Taschen werden ihm schließlich gehören, dazu ein Paket Schirme. Als eine glänzende Iron-Man-Figur zum Verkauf steht, wird plötzlich Enkel Jakob aufmerksam. Schnell wirft der Dreijährige seinen Großeltern noch einen Blick zu, hebt dann die Hand und gewinnt. Unter dem fröhlichen Applaus des Publikums holt sich der jüngste Bieter des Tages seine Trophäe ab - einen Euro hat er im Gepäck.

Ohnehin ist die Stimmung gelöst: Mehmet Yazmaci und Jürgen Folle haben sichtlich Spaß an ihrer Aufgabe - sehr zur Freude des Publikums. Sie witzeln, probieren Handtaschen und Sonnenbrillen an und kommen mit den Bietern ins Gespräch. "Seien Sie nicht knauserig, die Stadtkasse braucht ihr Geld", sagt Folle. Die Gäste lachen und bieten.

Dem Ehrgeiz der Profis lassen die Auktionatoren keinen großen Raum. Der erwacht zum ersten Mal bei einem Karton voller Sonnenbrillen, der schließlich für 35 Euro verkauft wird. Dann wieder bei einer großen Tüte mit CDs und DVDs, für die 20 Euro geboten werden.

Richtig viel Geld nehmen die Bieter aber erst zur Hand, als es an die ersehnten Schmuckbeutel geht. Uhren, Armbänder, Ringe: Mit Lupe und Lampe haben die Profis den Schmuck während einer Pause bereits inspiziert. Bis zu 300 Euro werden geboten. "Früher hatten wir noch viel mehr Schmuck", sagt Jürgen Folle, "die Menschen geben aber längst nicht mehr so viel beim Fundbüro ab, wie noch vor einigen Jahren."

Und das zeigt sich dann auch bei der Versteigerung: Früher kamen bis zu 6000 Euro zusammen, heute sind es noch 2000, im besten Fall mal 3000 Euro. Aber dafür ist nun wieder Platz im Fundbüro.

Quelle: RP
 
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