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Remscheid
Zwei Blickweisen durch die Kamera

Remscheid: Zwei Blickweisen durch die Kamera
FOTO: Hertgen, Nico (hn-)
Remscheid. Der Foto-Künstler Matthias Neumann zeigt seine Fotografien in der Zentralbibliothek an der Scharffstraße. Von Wolfgang Weitzdörfer

Eine ganz besondere Ausstellung gibt es derzeit in den Räumlichkeiten der Remscheider Stadtbibliothek zu sehen. Der Foto-Künstler Matthias Neumann, ursprünglich aus Frankfurt/Main, seit 1991 allerdings in Wuppertal wohnhaft - und Mitglied des Sinfonieorchesters Wuppertal - zeigt Teile zweier Bilderserien, die unterschiedlicher nicht sein könnten. "Mein Ziel mit dieser Ausstellung ist es, auszuprobieren, wie diese unterschiedlichen Herangehensweisen an eine Fotografie in einer Ausstellung zusammenfinden können", sagte Neumann als er gerade dabei war, letzte Hand an die Ausstellung zu legen.

Die Unterschiede fallen tatsächlich direkt ins Auge - nicht nur, weil die Formate jeweils sehr unterschiedlich sind. Die eine Serie, die ältere der beiden, datiert auf die Jahre 2004 bis 2008: "Sie heißt 'Verwischungen' und wurde noch komplett analog erstellt. Von den insgesamt rund 40 Werken sind in Remscheid 14 ausgestellt", sagt Neumann.

Der Stil der aussagekräftigen und farblich sehr intensiven Stücke, etwa 25 Mal 25 Zentimeter groß, ist an abstrakte Malerei angelehnt. Das Geheimnis hinter den tatsächlich verwischt wirkenden Landschaftsaufnahmen heißt: extreme Bewegung der Kamera mit gleichzeitiger Langzeitbelichtung. "So werden sehr viele vorhandene Details der komplexen Bildinhalte auf eine Idee, auf sehr wenige Informationen reduziert", erklärt der 55-Jährige.

Ganz anders wirken die viel größeren Bilder der Serie "Urbanics" (nicht abgeschlossen, seit 2013): Hier sind es gerade die unzähligen Einzelheiten und Details, die den Betrachter der vollkommen durchinszenierten Bildkompositionen im Posterformat zum langen Verweilen vor den Bildern einladen. So gibt es etwa eine Einkaufsszene in Italien zu sehen, auf denen die Menschen an einer Einkaufspassage vorbeigehen. "Es hat gedauert, bis diese Leute genau so im Bild waren, dass ich abdrücken konnte", sagt Neumann. Kein Wunder - die Menschen wussten ja nicht, dass sie Teil eines Kunstwerks werden würden. Ein anderes Bild brauchte gar 30 Stunden der Beobachtung, bis alles stimmte. Dafür finden dann Gebäudeteile weit oben ihre farblich passende Fortsetzung in Menschen am Boden. Dafür entspricht die Physiognomie eines Flanierenden exakt der einer altrömischen Statue. Dafür sind Hingabe, Zeit und gewissermaßen ein Tunnelblick vonnöten: Denn Neumann blickte die ganze Zeit durch den Sucher seiner Kamera.

Der Kontakt zur Stadtbibliothek in Remscheid als Ausstellungsort kam durch Sabine Düwell zustande, die bei der Bücherei für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist und Neumann bei einer Gruppenausstellung in Wuppertal kennengelernt hatte. Neumanns Fotografien können auch käuflich erworben werden.

Bis zum 18. Juli ist die Foto-Ausstellung zu den Öffnungszeiten der Stadtbibliothek zu sehen sein. Dienstag und Freitag, von 11 bis 19 Uhr, Mittwoch und Donnerstag von 11 bis 18 Uhr und Samstag von 11 bis 13 Uhr.

Quelle: RP
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