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Remscheid
Zwei Kulturen, eine Lachnummer

Remscheid. Die Komiker Ozan Akhan und Tunç Denizer boten gute Unterhaltung mit ihrem Programm "Ab und Zuwanderer". Von Wolfgang Weitzdörfer

Nicht erst seit Kaya Yanar und seiner beliebten Fernsehsendung "Was guckst du?!" ist sogenannte Ethno-Comedy, also das genussvolle Durchkauen aller möglichen Klischees und Unterschiede von und zwischen Deutschen und Menschen anderer Herkunft, ein Garant für gute Laune. Rund 50 Zuschauer wollten sich im Rotationstheater von den beiden Vollblut-Komikern Ozan Akhan und Tunç Denizer und ihrem zweiten Programm "Ab und Zuwanderer" unterhalten lassen. Das Duo war eifrigen Karnevalisten bestens aus der Kölner Stunksitzung (Akhan) sowie dem Bonner "Pink Punk Pantheon" (Denizer) bekannt - und es sorgte mit grandios getimter Körpersprache und absurder bis völlig wahnsinniger Situationskomik für beste Stimmung im Publikum.

Besonderes Merkmal war dabei, dass die beiden sich praktisch im Minutentakt in unterschiedliche Rollen und die dazugehörigen Kostüme warfen. Das erinnerte dabei durchaus ein wenig an die Sketch-Shows im Fernsehen, bei denen der schnelle Szenen- und Rollenwechsel ja auch zum guten Ton gehört. Wenn die Kulturen aufeinandertreffen, dann gibt es im schlimmsten Fall einen Krieg - im besten Fall können sich aber beide Kulturen königlich darüber amüsieren. So etwa, wenn Akhan als Macho Mehmet seiner Silvia ein Ständchen brachte. Ein ganz besonderes, denn wie er vorher, noch mit anatolisch-üppigem Schnauzbart angetan, sagte: "Silvia und ich, wir lieben uns. Aber wir haben ein Problem: Sie mag meinen Schnauzer nicht, liebt aber dafür Schlager."

Schwupps, schon war der Bart abgerissen und Mehmet sang als Heldentenor: "Schnurbartlos durch die Nacht..." Das war wahre Liebe, über alle Grenzen hinweg. Und es waren nicht nur die kulturellen Unterschiede, die auf wunderbar-lustvolle Art und Weise aufeinander losgelassen wurden: Da traf Ali, Selbstverteidigungs- und Selbstbehauptungstrainer mit Waschbrettbauch, dicken Muskeln und ein wenig simpel gestrickt auf den YMCA-hörenden Homosexuellen, was per se Slapstick der allerfeinsten Art garantierte. Wenn dazu noch die ausgefeilte Mimik und ein beinahe comichaftes Timing in der Körpersprache kamen, machte das Zuschauen nicht nur Spaß, sondern die Lachtränen flossen.

Schneller Szenenwechsel: Akhan und Denizer philosophierten mit Pilsflasche in der Hand über das Schweigen - herrlich, absurd, im positiven Sinne wahnsinnig. Bei dieser Szenenvielfalt musste man als Zuschauer erst einmal mitkommen.

Ebenfalls großartig war der Moment, als der augenscheinliche Loser Lothar (alias Denizer) mit 80er-Jahre-Roboter-Bewegungen eine Kontaktanzeige ins weibliche Publikum rappte. "Go Lothar, go Lothar!" und "Ausziehn!" wurde ihm aus dem Publikum unter Jubel und Pfeifen ganz spontan zugerufen - was wohl durchaus als Erfolg gewertet werden durfte. Wie überhaupt der ganze Abend überaus unterhaltsam war.

Quelle: RP
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