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Rhein-Kreis Neuss
Als Wirtschaftsexperte in der Mongolei

Rhein-Kreis Neuss: Als Wirtschaftsexperte in der Mongolei
FOTO: Berns Lothar
Rhein-Kreis Neuss. Karl Börner war im Auftrag des Senior Experten Service der deutschen Wirtschaft in der Mongolei. Dort stand er einem Unternehmen beratend zur Seite, aber beschäftigte sich auch im Besonderen mit der anderen Kultur. Von Sebastian Esch

Einmal Ulan Bator und zurück! Unter dem Auftrag "Wissen weitergeben" bietet der Senior Experten Service der deutschen Wirtschaft seit 1983 Hilfe zur Selbsthilfe - weltweit. Er entsendet Fach- und Führungskräfte im Ruhestand, die ihr Wissen vor Ort ehrenamtlich an Firmen weitergeben - wie den Marketing- und Werbeberater Karl Börner. Der 69-Jährige war im August für knapp einen Monat in der mongolischen Hauptstadt Ulan Bator zu Gast. Dort hat er bei einer Firma im Bereich Immobilien mit seinem Wissen ausgeholfen.

Das Leben und die Verhältnisse der mongolischen Gesellschaft haben einen tiefen Eindruck hinterlassen. "Knapp die Hälfte der Menschen lebt in der Hauptstadt, davon rund 500.000 in den Slums drum herum und der Rest überall im ganzen Land verteilt in kleinen Siedlungen von drei bis vier Zelten pro Ort." So viele Menschen an einem Platz sorgen für Probleme bei der Baustruktur. "Es herrscht überhaupt kein Plan der Bauten in Ulan Bator. So etwas wie eine Baugenehmigung gibt es nicht. Theoretisch kann einfach jeder bauen, wo er will", sagt Börner. "Noch schlimmer: Viele Bauten werden angefangen, dann aber nicht fertig gestellt, weil die Menschen aus den Slums ohnehin nicht das Geld hätten, sich dort eine Wohnung zu mieten. Deswegen verwahrlost eine hohe Zahl der Gebäude in der Hauptstadt."

Seine Erfahrungen im täglichen Zusammenleben mit den Menschen sind dafür durchweg positiv. "Die Leute sind wirklich freundlich und helfen einem bei allem. Es ist völlig normal, einfach irgendwo anders unangemeldet zu Besuch zu kommen." Über die Hauptstadt selbst hat er eine eindeutige Meinung: "Es ist wirklich kein schöner Ort. Meiner Meinung nach ist Ulan Bator eine gesichtslose Stadt, aber mit den freundlichen Gesichtern der Einwohner." Von seinen Erlebnissen außerhalb der Hauptstadt ist Börner beeindruckt. "Es gibt keine Straße, man fährt einfach über Gras, und so entsteht dann langsam ein Weg. Es gibt einfach nichts außerhalb, nur Gräser und Natur."

Ein weiterer Punkt seien die kulturellen Unterschiede. "Es gibt in der Mongolei beispielsweise kaum Ärzte, und wenn doch, kann sich die niemand leisten. Also setzten die Menschen auf Schamanen. Das klingt für uns irrsinnig, aber die Leute dort glauben daran." Auch die selbstverständlichen Dinge des Lebens seien gewöhnungsbedürftig. "Ganz normale Einrichtungen wie eine Toilette gibt es außerhalb der Stadt kaum. Die Leute suchen sich einfach einen Platz in der Nähe ihres Zeltes."

Die Immobilienfirma war mit Karl Börners Beratung zufrieden. Der Kontakt bestehe weiterhin, und so könne er sicher stellen, dass seine Empfehlungen umgesetzt werden. Karl Börner hat die Mongolei-Erfahrung geprägt und empfiehlt sie weiter. "Nicht jedem bekommt der Ruhestand im Alter. Deshalb halte ich diese ehrenamtliche Tätigkeit für eine sinnvolle Alternative. Die gesammelten Erfahrungen sind unglaublich."

Quelle: NGZ
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