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Rhein-Kreis Neuss
Anziehend: Ausgehen mit Ausziehen im Apollo

Rhein-Kreis Neuss. "Burlesque" heißt das neue Programm in Roncalli's Apollo-Varieté. Liebe, Lust und Lachen mit einer tollen Truppe.

Sie kommen mit Strapsen und Spitze, mit Fächern und Federn, mit Handschuhen und High Heels - im Apollo-Varieté setzt Roncalli-Chef Bernhard Paul bis zum 10. April auf Glanz und Glamour. "Burlesque" heißt das neue Programm im Haus unter der Kniebrücke - da läuft das Kopfkino schon vor der Vorstellung. Josephine Baker mag manchen einfallen, vor allem aber wahrscheinlich Dita Von Teese, legendär geworden mit ihrem Bad in einem überdimensionalen Martini-Glas. Aber: Kopfkino stopp. Der wahrscheinlich am meisten umjubelte Star bei "Burlesque" im Apollo ist weder langbeinig noch knapp bekleidet: Krissie Illing (59 !) liegt der Saal auch so zu Füßen. Mit Slapstick und tief- schwarzem englischen Humor gibt sie die Queen samt Corgi und lässt die - grundsätzlich gar nicht schlechten - durchsichtig gekleideten Damen des Balletts mit links hinter sich. Kein leichter Job für den Rest der Truppe, es mit der quirligen Britin aufzunehmen.

Da hat es Dustin Nicolodi, Comedy-Jongleur aus der Schweiz, noch am leichtesten. Er "spielt" auf seinen "musikalischen Kerzen", verkürzt - und sehr komisch - Finger verbrennen nach der Tonleiter, jongliert mit Äpfeln, die er dabei auch gleich isst oder zaubert mit dem Publikum auf höchst charmant-unperfekte Art und Weise. Das macht es für die "echte" Burlesque-Artistin im Programm nicht einfacher: Louise de Ville, Schauspielerin, Komödiantin und Autorin aus den USA, gibt alles, vom Tanz mit den Federfächern bis zum Bad im Cocktail-Schwenker. Das sind Klassiker des Genres, bei dem nicht das (fast) nackte Ergebnis zählt, sondern der Weg dorthin - verführerisch, frivol, elegant, aber auch mit Augenzwinkern und Ironie. Bleibt die Frage, ob es immer das Bad im Martini-Glas sein muss. Bei der Nummer ist es schwer, das Original zu erreichen oder gar zu übertrumpfen.

Das Apollo wäre aber nicht das Apollo, wenn "Burlesque" nicht noch mehr zu bieten hätte. Eine echte Überraschung ist zum Beispiel der Soloauftritt von Vivian Paul, der ältesten Tochter des Roncalli-Direktors. In Düsseldorf zeigt sie als Harlekin in Strapsen alias "Fifi Les Paul" eine artistisch wie schauspielerisch beeindruckenden Nummer an einem Reifen hoch oben über der Bühne. Stark im wahrsten Sinne des Wortes ist auch der Auftritt von vier weiteren Frauen: Kelly und Alessandra Saabel und das Duo Lotta und Stina zeigen Körperbeherrschung und perfekte Balance, mal elegant, mal sehr witzig verpackt. Und dann wäre da noch der Latin Lover mit der Peitsche. Erst ganz Macho und dann... Überraschung! Wer sie sich erhalten will, sollte sich den Blick auf die Künstlerbiografien bis nach der Show aufheben. Es lohnt sich.

Apollo-Chef Bernhard Paul hat mal wieder ganze Arbeit geleistet - auch wenn er, wie er bei der Premiere sagte, Regie und Ausstattung der Show nach einem Krankheitsfall sehr kurzfristig komplett selbst übernehmen musste: "Wir hatten zwar das Ballett, aber keine Kostüme und kaum noch Zeit." So fand sich Paul mit fünf bildhübschen Damen zum Shopping in einer Filiale von Beate Uhse wieder. "Da konnte ich dann klarstellen: Nein, ich bin nicht der Berti Wollersheim..."

Info "Burlesque" im Apollo-Varieté, Apollo-Platz 1, Düsseldorf, bis 10. April. Tickets: www.westticket.de, Telefon 0211 274000. Eine Bilderserie mit Impressionen aus der Show: www.ngz-online.de

(ki-)
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