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Rhein-Kreis Neuss
Bauernschlaues Werben

Rhein-Kreis Neuss: Bauernschlaues Werben
Die Werbekampagne der Bauern im Rheinland will informieren und die Landwirtschaft wieder stärker mit den Verbrauchern ins Gespräch bringen. FOTO: RLV
Rhein-Kreis Neuss. Bauern sind als Nahrungsmittelproduzenten unentbehrlich, aber nicht nur beliebt. Im Frühjahr zum Beispiel stinkt vielen im wahrsten Sinne des Wortes, was auf den Feldern passiert. Landwirte halten mit Witz und Werbung dagegen. Von Frank Kirschstein

Sie machen "Mief", sie können auch "Lustich" und demnächst geht's auf zur Höfetour und zum Grillen - die Landwirte im Rheinland zeigen, was sie können. In diesen Tagen ziert bereits Teil drei einer groß angelegten Plakatkampagne die Werbetafeln in den Innenstädten sowie manchen Acker, wo die entsprechenden Transparente improvisiert an Heuballen oder Scheunenwänden hängen.

Diesmal haben sich die Landwirte das Thema Ökostrom vorgenommen. "Wir machen Öko-Power" steht auf den aktuellen Plakaten mit einem Foto, auf dem vier Bauern belustigt zuschauen, wie ein Kollege seine alte Nachttischlampe direkt an der Biogasanlage anschließt. Understatement pur. Denn die Landwirte spielen ein weiteres mal mit Vorurteilen und längst überkommenen Vorstellungen von ihrem Berufsleben. "Der Umstieg von Atom- oder Kohlestrom auf erneuerbare Energien ist in vollem Gange", sagt Wolfgang Wappenschmidt, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Neuss-Mönchengladbach zur neuen Öko-Power-Kampagne der Bauern im Rheinland. Nach Angaben des Rheinischen Landwirtschaftsverbandes (RLV) sind die Bauern neben ihrer Hauptaufgabe, der Nahrungsmittelerzeugung, inzwischen zunehmend auch als Stromproduzent tätig. Landwirte betreiben zum Beispiel Biogasanlagen, Windparks oder Solarzellen auf den Dächern ihrer Betriebsgebäude. In Deutschland werden, so der RLV, mehr als 2,3 Millionen Hektar Anbaufläche mit nachwachsenden Rohstoffen bestellt. Damit betreiben Bauern zum Beispiel Biogasanlagen oder sie liefern den Grundstoff für die Herstellung von Biodiesel. 33 Prozent des Stroms und zehn Prozent der Wärme stammten bereits aus erneuerbaren Energien.

Mit Biomasse, Holz und Gülle stehen den Landwirten viele wichtige Energieträger zur Verfügung, sagt Wolfgang Wappenschmidt. Er ist überzeugt: "Mehr Öko geht kaum." In der breiten Bevölkerung und bei den Verbrauchern, die landwirtschaftliche Produkte zwar verwenden, über ihre Produktion jedoch oft nur unzureichend informiert sind, sei dies allerdings noch weitgehend unbekannt.

Deshalb setzen die Bauern jetzt auf professionelle Werbeunterstützung: Mit den neuen Plakaten machen sie auf ihre Rolle als Öko-Stromerzeuger aufmerksam. Seit vergangenem Dienstag hängen Plakate unter anderem in den Hauptbahnhöfen von Köln und Düsseldorf sowie an über 100 stark befahrenen Straßen im ganzen Rheinland, so auch im Bereich der Kreisbauernschaft Neuss-Mönchengladbach. Die setzt damit ihren Versuch fort, einerseits zu demonstrieren, welchen Beitrag die Landwirte zur Versorgung der Bevölkerung leisten, und andererseits um Verständnis für damit verbundene Belastungen zu werben, sei es der "Mief" frisch gedüngter Felder oder die Fahrzeugkolonne die für Staus während der Rübenernte sorgt.

Früher waren solche Themen Gesprächsthema im Dorf. Im Zeitalter der Sozialen Netzwerke hat die direkte Kommunikation jedoch an Bedeutung verloren, die Werbekampagne ist ein Versuch der Landwirte, wieder ins Gespräch zu kommen. Neben der Werbekampagne, die sich in den kommenden Monaten auch noch mit der Fleischerzeugung und dem Getreideanbau beschäftigen wird, wollen die Landwirte dazu auch ihre nächste Höfetour nutzen. Die Einladung zu einer Radtour von Hof zu Hof mit Betriebsbesichtigungen und vielen Kostproben landwirtschaftlicher Produkte richtet sich vor allem an Radfahrer. Der Termin für den Rhein-Kreis Neuss steht bereits: Am 5. Juni stellen sich die Betriebe rund um Rommerskirchen der Öffentlichkeit vor.

Info www.die-rheinischen-bauern.de

Quelle: NGZ
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