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Session 1990/91 in Neuss
Endlich Prinzenpaar - und der "Zoch" fällt aus

Session 1990/91 in Neuss: Endlich Prinzenpaar - und der "Zoch" fällt aus
Novesia Waltraud Beyen und Prinz Michael Müller mussten 1991 auf den Kappessonntagszug verzichten. FOTO: Beyen
Neuss. Novesia Waltraud Beyen und Prinz Michael Müller regierten in der Session 1990/91. Eine chaotische Zeit, nicht nur wegen des Golfkriegs. Von Oliver Burwig

Die Karnevalssession, die Waltraud Beyen und Michael Müller zu Waltraud I. und Michal I. machte, begann dramatisch. Morddrohungen gegen das Paar mit der Forderung, anlässlich des gerade begonnenen Golfkrieges alle Veranstaltungen - einschließlich der Proklamation des Prinzenpaares im August 1990 - abzusagen, erreichten die Polizei. Das wollten sich aber weder der Karnevalsausschuss Neuss noch die zukünftigen Majestäten bieten lassen.

"Die Polizei hätte es lieber gehabt, dass wir absagen", sagt Beyen heute, 25 Jahre nach dem Jahr, in dem der Zweite Golfkrieg begann und auch hierzulande aufgeheizte Stimmung herrschte. "Das wollten wir nicht. Karneval ist das einzige, was viele ältere Leute haben", erklärt die 72-Jährige die damalige Entscheidung, keine Veranstaltungen abzusagen. Nicht ohne Stolz erzählt auch ihr 57 Jahre alter Ex-Prinz von den sturen Neussern, die sich den Karneval nicht nehmen lassen wollten: "Wir waren die einzigen, die weitergemacht haben." Dabei hätten die Drohungen die beiden allerdings nicht kalt gelassen: Als das Paar während der Session im Mittelpunkt jeder Veranstaltung stand, habe es sich teilweise doch gesorgt.

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Doch letztlich war die Session so, wie sie sich die Neusser Tollitäten nur wünschen konnte: 250 Besuche in Sitzungen, Kindergärten, sozialen Einrichtungen und natürlich zahllose Vereinspartys. Mit Beyen hielt erstmals eine Novesia auf einer Sitzung eine Rede, seitdem ist es Tradition. Mindestens 15 Kleider in grün, rosa, blau und rot-weiß zählte die Garderobe Waltrauds I., einiges davon hängt noch immer in ihrem Schrank. Auch Müller hat sein Prinzengewand noch, zur Erinnerung an das Jahr, in dem er und Beyen im Rampenlicht der Karnevalsgesellschaft standen.

Noch einmal zurück ins Jahr 1991. Als sich die Zeit des Straßenkarnevals näherte, kamen die Bedenken der Neusser Karnevalisten wieder, erste Veranstaltungen wurden abgesagt. Die Stadt war wie ausgestorben, erinnert sich Beyen, als das Prinzenpaar wie geplant nach Köln fuhr. Dort wurde es nicht nur mit einem großen Empfang bei Oberbürgermeister Norbert Burger überrascht, sondern auch von einigen Neusser Politikern. Die hatten sich in ihrer Heimatstadt gegen den Straßenkarneval ausgesprochen und mischten sich dafür in der Kölner Altstadt unters jecke Volk. "Das war denen so peinlich, als wir sie getroffen haben", sagt Beyen mit einem schelmischen Lächeln.

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Als jedoch der Kappessonntagszug, Höhepunkt der Session, abgesagt wurde, kippte beim Prinzenpaar die Stimmung. "Man hat uns gesagt, dass wir das alles nachholen würden", sagt Müller. "Das hat sich aber im Sand verlaufen." Gerne hätte er am Umzug mitgemacht, doch seine Novesia erinnert an die Bedenken, die sie nach den Drohungen bekam: "Es ging da ja nicht nur um uns, sondern auch um die Sicherheit des Zuges." Ob sie den Kappeszug noch einmal nachholen wolle? "Doch nicht mehr mit 70!"

Quelle: NGZ
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