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Interview
Prinzenpaar liebt den Kneipen-Karneval

Interview: Prinzenpaar liebt den Kneipen-Karneval
Prinz Marco I. Roeb und seine Novesia Sabine haben NGZ-Redaktionsleiter Ludger Baten in die Mitte genommen und ihm natürlich einen Orden überreicht. Zahlreiche Mitstreiter des Neusser Karnevals bildeten eine schöne Kulisse. FOTO: lber
Neuss. Prinz Marco I. und Novesia Sabine haben in diesen Tagen einen vollen Terminkalender. Trotzdem nahmen sich die beiden Zeit für ein Gespräch auf dem blauen NGZ-Sofa mit Redaktionsleiter Ludger Baten.

Frau Roeb, Sie sind ein echtes Nüsser Mädsche, stammen aus Weißenberg und sind schon mit elf Jahren zum Karneval gekommen. Hatten Sie so jecke Eltern?

Neuss: Jecken feiern bei "Kamelle us Kölle" FOTO: Woitschützke, Andreas

Sabine Roeb Nein. Das kam über die Schwester eines Klassenkameraden. Sie war in der Tanzgarde. Das fand ich super und bin mal mitgegangen.

Was hat Sie gereizt zu bleiben?

Sabine Roeb Die Trainerin war ein so fesselnder Mensch. Ihre Begeisterung ist übergeschwappt. Wir Mädels haben damals alle dafür gelebt.

Hatte es auch mit den schönen Kostümen und dem Ornat zu tun?

Sabine Roeb Für mich war die Unform nicht so wichtig wie das Tanzen. Das kam erst später. Unsere Uniformen waren sehr warm. Man war nicht so erpicht darauf, auf der heißen Bühne damit zu tanzen

Und wie wird 'ne Jung aus Holzweiler vor den Toren von Erkelenz in Neuss Prinz?

Marco Roeb Ich bin durch meine Novesia zum Neusser Karneval gekommen. Und auch bei Grün-Weiß-Gelb gelandet.

Wie haben Sie sich denn kennen gelernt?

Marco Roeb Ich habe in Neuss meine Ausbildung als Koch gemacht. Meine Arbeitskollegen nahmen mich Freitagsabends mal mit in die Disco. Da habe ich meine Frau getroffen.

Mit ihrer Tanzgarde?

Marco Roeb Ne, ne. Nur meine Frau. Aber sie war ja nun mal bei Grün-Weiß-Gelb, und da musste ich mit auf alle Veranstaltungen. Dann habe ich auch angefangen in der Tanzgarde, als Tanzoffizier. Sabine Roeb Ich möchte aber betonen, dass das Tanzen in der Tanzgarde nicht auf meinen Mist gewachsen ist. Das hat er ganz allein geregelt mit meiner Schwägerin. Marco Roeb Mein Schwager machte auch mit. Ich war drei Jahre Tanzoffizier. Das war eine erfahrungsreiche und schöne Zeit. Aber wir wurden irgendwann ein bisschen alt für die Tanzgarde. Ich wechselte in den aktiven Dienst.

In welchem Jahr sind wir jetzt?

Sabine Roeb 2003 bist du in den aktiven Dienst gewechselt.

....und da haben Sie dann Karriere gemacht?

Marco Roeb Zuerst war ich ein stilles, kleines Lichtlein, dann Bühnenbauer, Sitzungspräsident und irgendwann machte ich den Vorschlag, einen zweiten Vorsitzenden zu wählen. Als Dank bin ich direkt zum ersten Vorsitzenden gewählt worden. Und zum Prinzen bin ich dann ganz einfach gekommen - weil man uns gefragt hat.

Haben Sie vorher mal darüber nachgedacht?

Marco Roeb Nachgedacht hatten wir schon länger. Aber wir wollten noch warten. Unser Sohn ist 13. In drei bis vier Jahren ist er selbstständig. Es ist jetzt doch früher geworden.

Aber es gibt doch manches zu überlegen: Passt das Jahr, welche Termine liegen sonst an? Und Sie wohnen in Holzweiler. Das sind knapp 40 Kilometer bis nach Neuss.

Sabine Roeb Eine Tour... Marco Roeb Hin und zurück genau 76 Kilometer. Klar, haben wir uns Gedanken gemacht und erst mal gecheckt, wer auf unserem Sohn aufpasst, wenn wir über Nacht hier sind.

Er musste doch auch zustimmen, oder nicht?

Marco Roeb Er hat sich gefreut. Dann haben wir mit unseren Arbeitgebern gesprochen, ob wir Urlaub kriegen. Das war auch kein Problem.

Wir müssen noch über Geld reden.

Marco Roeb Die neuen Esszimmermöbel kommen halt später. Sabine Roeb Ich würde das nicht machen, wenn ich nicht wüsste, wie ich die Rechnungen bezahlen soll. Sie sind nicht gerade niedrig.

Was sind die Kostentreiber?

Sabine Roeb: Das Ornat - wenn die Novesia ein eigenes möchte. Marco Roeb Wenn man es leiht, ist es bedeutend billiger. Aber sie wollte ein eigenes, geschneidertes haben. Die Prinzenspangen kosten Geld und die Orden. Wir haben 600 produzieren lassen.

Haben Sie gezählt, wie viele Termine Sie wahrnehmen?

Sabine Roeb Wir arbeiten unsere Zettel ab und zählen nicht wirklich. Es werden etwa 220 sein. Oft sind es mehr als zehn am Tag.

Das kostet Kraft.

Marco Roeb Sehr. Auf den meisten Bühnen ist es extrem heiß, gefühlte 70 Grad. Abends ist man kaputt. Richtig kaputt.

Was hat Sie überrascht im Neusser Karneval?

Sabine Roeb Die Vielfalt. Es ist beeindruckend, wie viele Veranstaltungen es gibt, und was die Leute - etwa in den Pfarrgemeinden - ehrenamtlich auf die Beine stellen.

Sie lieben also den Karneval an der Basis?

Marco Roeb Genau da. Wir beide lieben den Kneipen-Karneval. Wenn wir bei unserem Volk sind und nicht so weit weg auf der Bühne. Und was uns sehr berührt hat, ist der Karneval in den Behindertenwerkstätten. Das ist pure Freude - überwältigend.

Was ist Ihnen noch aufgefallen im Neusser Karneval?

Sabine Roeb Die ganze Arbeit, die im Hintergrund abläuft. Allein die Termine zu koordinieren. Die Leute im Hintergrund haben die meiste Arbeit im Karneval. Das läuft alles nicht, wenn man nicht so eine tolle Crew hinter sich hat. Maco Roeb Die vielen Wagenbauer in den Hallen. Die sieht im normalen Leben keiner. Diesen Leuten kann man gar nicht genug danken.

Worauf freuen Sie sich im Straßenkarneval ganz besonders?

Marco Roeb Die Novesia freut sich auf den Rathaus-Sturm, oder? Sabine Roeb Ja. Ich bin zum ersten Mal dabei - genau wie Bürgermeister Reiner Breuer.

Und dann ist es ein großes Ziel, am Kappessonntag auf den Prinzenwagen zu steigen?

Sabine Roeb Von dort oben ist die Welt ganz anders. Wenn man unten die ganzen Jecken sieht, die einen erwarten. Das wird großartig. Ich habe für alle super Wetter bestellt: Acht Grad und Sonnenschein.

DAGMAR FISCHBACH FASSTE DAS GESPRÄCH ZUSAMMEN.

Quelle: NGZ
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