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Kaarst
Unverständnis nach Absage des Rosenmontagszuges

Kaarst: Rosenmontagszug fällt aus
Kaarst: Rosenmontagszug fällt aus FOTO: Woitschützke, Andreas
Kaarst. Die Absage des Büttgener Rosenmontagszuges sorgte für traurige statt jecke Gesichter und ist nicht nur ein finanzieller Verlust. Von Simon Janssen und Susanne Niemöhlmann

Die Süßigkeiten waren eingetütet, die Schminke lag parat und auch alle Wagen konnten nach vierwöchiger Arbeitszeit pünktlich fertiggestellt werden – eigentlich hätte der Rosenmontagszug in Büttgen nur noch starten müssen.

Um 10 Uhr erhielt die jecke Vorfreude jedoch einen herben Dämpfer. Nachdem um 9.30 Uhr der Krisenstab tagte, war schnell klar: Der Zug in Büttgen würde ausfallen. Bereits zum dritten Mal seit die Karnevalsgesellschaft BKG "5 Aape" Büttgen 1975 ihn veranstaltet (nach 1990 und 1991). Angesichts von Sturmwarnungen mit Böen bis zu Stärke 9 war dem Veranstalter, der Stadt Kaarst und den Sicherheitsbehörden das Risiko zu groß. Es konnte nicht gewährleistet werden, dass die Zuschauer vor umstürzenden Bäumen oder umherfliegenden Dachziegeln geschützt sind.

Viel Zeit, sich über die Entscheidung zu ärgern, hatten die Planer von "5 Aape" nicht. Für sie trat die Absage eine Welle von unliebsamen Schritten los. "Mehr als 50 Anrufe mussten wir tätigen, um die involvierten Personen wie Musiker, Sicherheitskräfte und Zugmitglieder zu informieren", sagte Herbert Schmitz, 1. Vorsitzender der "5 Aape". "Es war sehr deprimierend, denn als die Entscheidung verkündet wurde, war schönes Wetter", sagte Schmitz.

Mehr als 750 Mitwirkende waren in den Rosenmontagszug involviert – insgesamt 16 Fußgruppen wollten mitmarschieren. Dass die zehn liebevoll gestalteten Großwagen die Hallen gar nicht erst verlassen konnten und heute alle wieder abgebaut werden, ließ bei manchen Zugmitgliedern sogar die Tränen kullern. "Viele konnten die Entscheidung nicht verstehen", sagte Peter Duksch, 2. Vorsitzender der BKG. Nun gilt es, die finanziellen Auswirklungen des ausgefallenen Zuges aufzuarbeiten. Die BKG ist zwar versichert gegen höhere Gewalt, es muss aber noch geklärt werden, inwieweit die Versichertung in diesem Fall eintritt. Das Wurfmaterial im Gesamtwert von knapp 2000 Euro wird an gemeinnützige Organisationen gespendet. Die Gesamtkosten des nicht gestarteten Zuges belaufen sich auf rund 6000 Euro. Da nach Angaben von Herbert Schmitz nur der 13. März für einen Nachholtermin in Frage kommt und dieser laut des 1. Vorsitzenden nur schwer zu realisieren sei, fällt der Büttgener Rosenmontagszug in diesem Jahr wohl ganz flach.

Das Beste aus der Situation machte die Band JBM – Just Beautiful Music um Kulturamtsleiter Dieter Güsgen und Kirchenmusiker Wolfgang Weber, die ursprünglich mit einem eigenen Wagen am Rosenmontagszug in Büttgen teilnehmen wollte. Kaum war der Zug offiziell abgesagt, setzten die Musiker "Plan B" um und verlegten ihren Gig ins Haus Broicherdorf, wo sie ab 14 Uhr Hits von den Bläck Fööss, Brings und De Höhner zum Besten gaben. "Immerhin haben wir wochenlang Karnevalslieder geübt. Da wäre es doch schade, wenn das alles umsonst gewesen wäre", findet Dieter Güsgen. Er kann die Enttäuschung der vielen Beteiligten, die sich große Mühe mit der Vorbereitung des Umzugs gemacht hätten, nachempfinden: "Es war ein irrer Aufwand, unsere Anlage mit Mischpult, Keyboard, Subwoofer und Boxen auf dem kleinen Anhänger zu verstauen", berichtet er. Für die Entscheidung von Stadtverwaltung, Polizei und Ordnungskräften hat er jedoch großes Verständnis. "Natürlich habe ich auch ständig den Wetterradar im Blick gehabt und gespannt zum Himmel geschaut", schildert er die Ungewissheit im Vorfeld. "Im Zweifel geht die Sicherheit einfach vor."

Ein Hauch von Rosenmontagszug wehte dann aber doch noch über die Driescher Straße. So trotze unter anderem die Fußgruppe "En mol im Johr" dem lauen Lüftchen und schmetterte gemeinsam einige Gassenhauer. "Wir feiern jetzt privat und machen unseren eigenen kleinen Zug von der Driescher Straße zum Rathausplatz", sagte Helene Franzen, die sich wie ihre Zugkollegen als Clown verkleidete. "Wir haben uns gerade fertig geschminkt, als wir erfuhren, dass der Zug nicht stattfindet", sagte die Rentnerin, die wenig später den pinken Kutschen-Wagen von Schützenkönig Josef Hoster bejubelte, den er extra für seine Blumenkinder hat bauen lasse. "Sie wären sonst traurig gewesen", sagte Hoster.

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