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Rhein-Kreis Neuss
Brexit - Reaktionen aus dem Rhein-Kreis

Rhein-Kreis Neuss: Brexit - Reaktionen aus dem Rhein-Kreis
Der Brite Andrew Hilton, Direktor der Company Shakespeare at the Tobacco Factory, ist zurzeit in Neuss. FOTO: Christoph Krey
Rhein-Kreis Neuss. Das "Leave" der Briten ist für Europa und Großbritannien eine bittere Stunde. Die Folgen sind vor der eigenen Haustür spürbar. Unsere Redaktion hat im Rhein-Kreis Neuss Stimmen zum Ausgang des Referendums gesammelt. Von Ludger Baten, Helga Bittner und Andreas Buchbauer

Die Mimik spricht Bände: Andrew Hilton fällt buchstäblich alles aus dem Gesicht, als er nur das Stichwort hört - Brexit. Der Direktor der Company Shakespeare at the Tobacco Factory in Bristol beschließt mit drei (ausverkauften) Vorstellungen am Wochenende das Shakespeare-Festival in Neuss. Und es mutet wie ein Treppenwitz der Geschichte an, dass er am Tag des Brexit ausgerechnet die Komödie "All's well that ends well" (Ende gut, alles gut) im Globe zeigt.

Hilton hat auf eine Mehrheit der "Remain"-Stimmen gehofft, ist sich auch recht sicher, dass er da für die meisten Kulturschaffenden seines Heimatlandes spricht. Was der Ausstieg aus der EU konkret für ihn und andere Künstler bedeutet, vermag er noch nicht abzusehen: "Wir wissen überhaupt nicht, was uns erwartet", sagt der 68-Jährige.

Seine Heimatstadt Bristol hatte erst im vergangenen Jahr von der EU-Mitgliedschaft profitiert, weil die sechstgrößte Stadt Englands und die achtgrößte Stadt des Vereinigten Königreiches als "Europäische Grüne Hauptstadt" ausgezeichnet wurde. Dass der englische Regierungschef David Cameron nach dem Referendum seinen Rücktritt angekündigt hat, ist für ihn nur konsequent: "Er hatte keine andere Wahl." Und dass auch im proeuropäischen Schottland sich die Stimmen für ein eigenes Referendum mehren, kann er nachvollziehen: "Schottland hat dafür gute Gründe, aber unsere Regierung ist dafür überhaupt nicht vorbereitet."

"Es geht um Europa als Werteunion"

Vertritt den Niederrhein in Brüssel: Karl-Heinz Florenz. FOTO: Dieker

Landwirte sind bodenständig - so wie Karl-Heinz Florenz (CDU, 68). Seine Erfahrung sagt ihm, dass "nie einer allein schuld ist". Darum empfiehlt der altgediente Europaabgeordnete, der den Niederrhein seit 1989 in Brüssel vertritt, einen konzentrierten Blick auf die EU, um zu schauen, "wo wir Fehler gemacht haben". Für ihn bleibt die europäische Idee eine Erfolgsgeschichte, die, wenn es sie nicht gäbe, erfunden werden müsste. Aber sie sei von einer Werteunion geschrieben worden - und eben nicht von einer Wirtschafts- und Währungsunion.

"Brexit ist eine Katastrophe!"

Jürgen Steinmetz befürchtet Folgen für die Wirtschaft. FOTO: A. Tinter

Jürgen Steinmetz, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein, reagiert mit einem Wort auf den Brexit: "Katastrophe". Zum einen befürchtet er negative Auswirkungen für die Wirtschaft. Ein Austritt Großbritanniens aus der EU werde auch im Rhein-Kreis Neuss und am Niederrhein zu spüren sein, schließlich handele es sich um einen wichtigen Markt für hiesige Unternehmen. "Was es noch schlimmer macht, ist jedoch, dass das Vertrauen in Europa durch den Brexit leidet", betont Steinmetz.

"Kirchturmdenken auf höchter Ebene"

Hans-Jürgen Petrauschke sorgt sich um den Zusammenhalt. FOTO: woi

Landrat Hans-Jürgen Petrauschke sorgt sich um den Zusammenhalt in Europa. "Was wir in Großbritannien erlebt haben, ist Kirchturmdenken auf der allerhöchsten Ebene", mahnt der Landrat. Wer jedoch in der heutigen Zeit nur auf seinen eigenen Vorteil achte und dabei das große Ganze, die gemeinsamen Interessen, ausklammere, der komme in der Regel nicht weit. "Es wird spannend zu sehen, wie es jetzt für die Briten weitergeht und welche Folgen der Brexit hat. Wer nur an sich selbst denkt, der schadet sich am Ende selbst."

"Ein Weckruf für die Gemeinschaft"

MdB Ansgar Heveling (CDU): "Europa wieder stärken." FOTO: A. Tinter

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Ansgar Hevelinghat bis zuletzt gehofft, dass sich die Briten für Europa aussprechen. "Es ist ernüchternd, dass sich ein so großes und wichtiges Land gegen die europäische Gemeinschaft gestellt hat", sagt er. "Wir müssen das auch als Weckruf an die EU sehen, uns mit der Verfasstheit der Europäischen Gemeinschaft zu befassen und Europa wieder zu stärken." Dazu zähle unter anderem, den Bürgern deutlich zu machen, welch große Bedeutung Europa - auch mit Blick auf Wirtschaft und Wohlstand - habe.

Quelle: NGZ
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