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Rhein-Kreis Neuss
Der lange Weg in die Gigabit-Gesellschaft

Rhein-Kreis Neuss. Für Unternehmen ist schnelles Internet längst ein harter Standortfaktor. Bei der Breitbandversorgung hinken jedoch viele Kommunen hinterher - und kennen mitunter nicht mal die Versorgungslücken. Von Andreas Buchbauer

Die Vermessung der Welt findet längst in Gigabits statt. Digitalisierung, Industrie 4.0, smarte Technologien und das Internet der Dinge - laut Bundeswirtschaftsministerium könnte die Wirtschaftsleistung in Deutschland bis zum Jahr 2020 um 82 Milliarden Euro steigen, wenn digitale Technologien konsequent genutzt würden. Bei der Ansiedlung von Firmen spielt die Breitbandversorgung eine zentrale Rolle, sie ist inzwischen ein genauso harter Standortfaktor wie klassische Infrastrukturfragen, zum Beispiel die Anbindung ans Verkehrsnetz. Blöd nur, dass sich die digitale Autobahn mitunter ausnimmt wie ein holpriger Feldweg - und dass es bei der Vermessung der Gigabit-Welt erheblichen Nachholbedarf gibt.

Jürgen Steinmetz, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein, redet nicht lange um den heißen Brei. "Ich würde gerne einen genauen Überblick haben, wo Unterversorgung herrscht und wie die Gewerbegebiete in Sachen Breitband aufgestellt sind", sagt er. "Aber in Sachen Kenntnis und Transparenz sind viele Kommunen nicht so weit, wie gewünscht."

Zu lange wurde in den Rathäusern im Dornröschenschlaf verharrt. "Viele Kommunen haben keinen Überblick über das Versorgungsangebot in ihrem Beritt", betont Steinmetz. Enttäuschend sei dies. Ohne Bestandsaufnahme fehle schließlich die zentrale Grundlage, um gegenzusteuern - und das sei unabdingbar, um im Wettbewerb zu bestehen und für die Zukunft gerüstet zu sein. "Schnelles Internet gehört zur Daseinsvorsorge einer Kommune", sagt Steinmetz.

Bei der Nationalen Konferenz Güterverkehr und Logistik wies Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) Ende Juni in Neuss auf die Bedeutung einer funktionierenden Breitbandstrategie hin. Gewerbegebiete, die noch keine Gigabit-Versorgung hätten, müssten dringend ans schnelle Netz angeschlossen werden. Dazu plant sein Ministerium ein Sonder-Förderprogramm, das unterversorgte Gewerbegebiete mit Glasfaser ans schnelle Internet anbinden soll. Es gehe darum, den Rahmen für die "Gigabit-Gesellschaft" zu schaffen. Dazu sollen Mittel in Höhe von 350 Millionen Euro bereitgestellt werden. Verkehrsstaatssekretärin Dorothee Bär (CSU) betonte mit Blick auf Versorgungsraten von zum Teil lediglich 50 MBit/s, die in Gewerbegebieten alles andere als Ausnahmen sind: "Das ist keine Datenautobahn, sondern eher ein Schotterweg."

Das sieht auch Jürgen Steinmetz so. "Eine Versorgung mit 50 MBit/s ist zu wenig. Da ändert auch eine Brückentechnologie wie Vectoring nichts", sagt der IHK-Hauptgeschäftsführer. "Das, was der Bundesverkehrsminister angekündigt hat, geht in die richtige Richtung."

Beim Rhein-Kreis Neuss wird daran gearbeitet, sich für den Wettbewerb zu rüsten. In Kooperation mit dem Unternehmen "Broadband Academy" wird derzeit ein Breitband-Kataster erstellt. Ziel ist es, die für einen öffentlich geförderten Breitbandausbau in Frage kommenden sowie unterversorgten Wohn- und Gewerbegebiete im Kreis zu benennen. Für diese Gebiete sollen Vorschläge für eine Breitbandausbau-Planung gemacht werden. "In Kürze liegen die Ergebnisse unseres Breitband-Katasters vor", sagt Kreisdirektor Dirk Brügge.

Zudem wirkt der Rhein-Kreis Neuss im regionalen Zentrum Düsseldorf für die digitale Wirtschaft mit. In der Landeshauptstadt soll einer von insgesamt sechs sogenannten DWNRW-Hubs entstehen. In der vergangenen Woche gab es grünes Licht für Fördermittel vom Land. Die Hubs sollen als Schaltstellen fungieren, um die Zusammenarbeit zwischen klassischer Industrie und Start-ups voranzutreiben - mit dem Ziel, gemeinsam digitale Geschäftsmodelle zu entwickeln. Das Land NRW fördert die DWNRW-Hubs mit bis zu 12,5 Millionen Euro.

Quelle: NGZ
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