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Rekordergebnisse
Die Hochburg der FDP liegt im Rhein-Kreis Neuss

Rekordergebnisse: Die Hochburg der FDP liegt im Rhein-Kreis Neuss
Ein Bild vom Neujahrsempfang der FDP Kaarst mit Bijan Djir-Sarai, Christian Lindner und Heinrich Thywissen, dem Kaarster FDP-Chef. (Archiv, Januar 2017) FOTO: Tinter, Anja
Neuss. Im Rhein-Kreis Neuss hat die FDP die besten Werte im ganzen Land geholt: Bis zu 23 Prozent haben dort die Liberalen gewählt. In der Region gibt es treue Stammwähler, emsige Wahlkämpfer – und einen charismatischen Vorsitzenden mit iranischen Wurzeln. Von Andreas Buchbauer, Neuss

Der Tag nach der Wahl wird für Bijan Djir-Sarai lang. Zunächst tagt der FDP-Bundesvorstand, im Anschluss dann der Landesvorstand. Djir-Sarai gehört beiden Gremien an. Der 40-Jährige ist Kreisvorsitzender der Liberalen im Rhein-Kreis Neuss und in seiner Partei, für die er von 2009 bis 2013 im Bundestag saß und bei der Wahl im September die Rückkehr nach Berlin anstrebt, gut vernetzt.

Fotos: Die FDP jubelt über ihr wohl stärkstes NRW-Ergebnis FOTO: dpa, kno

FDP-Chef Christian Lindner weiß, was er an Djir-Sarai und der FDP im Rhein-Kreis Neuss hat. Die Region ist traditionell eine Hochburg der Liberalen. 16,6 Prozent holte die FDP dort am Sonntag bei der Landtagswahl bei den Zweitstimmen. In Meerbusch waren es gar 23,2 Prozent, in Kaarst 19,2. "Die erfolgreichste Stadt der FDP in NRW ist Meerbusch, und den erfolgreichsten Kreis stellen wir auch", sagt Djir-Sarai. "Wir haben Top-Werte geholt – die besten, die wir je bei einer Landtagswahl in NRW hatten."

Überraschend allerdings ist das starke Abschneiden der FDP im Rhein-Kreis Neuss nur zum Teil. Djir-Sarai nennt gerne die Kommunalwahl 2014 als Gradmesser: Ein Jahr nach dem Absturz bei der Bundestagswahl lag die Partei damals in vielen Städten und Gemeinden am Boden. "Aber nicht im Rhein-Kreis Neuss", betont Djir-Sarai. "Während die FDP andernorts bei unter zwei Prozent lag, haben wir im Kreis sieben Prozent der Stimmen geholt." Der Wiederaufstieg der Liberalen begann dort, wo sie auf treue Stammwähler und emsige Wahlkämpfer setzen konnten. Und der Rhein-Kreis ist dafür ein Muster.

Struktur des Kreises hilft

Das hat auch mit der Struktur des Kreises zu tun. Zum einen profitiert die Partei von der Lage im Speckgürtel rund um Düsseldorf; traditionell ist der Anteil der Beamten und Mitarbeiter aus Landesbehörden und Ministerien im Rhein-Kreis hoch. Darunter befinden sich viele traditionelle FDP-Wähler. Zudem ist der Standort wirtschaftsstark, die Region bürgerlich geprägt. "Das ist natürlich ein gutes Fahrwasser für die FDP", sagt Djir-Sarai. Mitunter wird der Rhein-Kreis gar als "Lokomotive" für die Wirtschaft am Niederrhein bezeichnet.

Landrat Hans-Jürgen Petrauschke, ein Christdemokrat, kann gute Zahlen vorweisen. "Beim Bruttoinlandsprodukt pro Erwerbstätigem sind wir der beste Kreis in NRW", betont Petrauschke. Zahlen des Statistischen Landesamts IT.NRW stützen dies. Zu Jahresbeginn wurde die Broschüre "NRW (ge)zählt: Wirtschaft in Nordrhein-Westfalen im Regionalvergleich” vorgelegt, die – je nach Datenverfügbarkeit – den Status quo von 2014 bis 2015 mit dem Jahr 2000 vergleicht. Mit 85.542 Euro pro Erwerbstätigem rangiert der Rhein-Kreis in dieser Kategorie deutlich über dem Landesschnitt von 69.402 Euro. "Wir hatten auch in den vergangenen Jahren ein relativ gutes Wachstum", betont Petrauschke. Das, was die Statistiker aus Düsseldorf für die Zeit bis 2014/15 festgestellt haben, lasse sich also durchaus fortschreiben.

FDP-Chef Lindner schielt schon nach Berlin

5,7 Prozent Arbeitslose im Kreis

Das kommt bei den Menschen offenbar an. Die Arbeitslosenquote sinkt, im April betrug sie im Rhein-Kreis laut Agentur für Arbeit 5,7 Prozent (April 2016: 5,9 Prozent). Der NRW-Landesschnitt betrug 7,5 Prozent. Zudem steigt die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Zum 30. September 2011 waren es im Rhein-Kreis laut Agentur für Arbeit 134.019, zum 30. September 2016 hingegen 145.882. Für den Landrat ist dies ein Beleg dafür, dass der Rhein-Kreis richtige Rahmenbedingungen für eine positive Wirtschaftsentwicklung schaffe. Der Kreistag wird von einer schwarz-gelben Koalition geführt. Man arbeite "vertrauensvoll zusammen", sagt Djir-Sarai.

Das sind die Gewinner und Verlierer der NRW-Wahl FOTO: dpa, pgr

Er weiß um den guten Nährboden für seine Partei im Kreis. Sie ist dort auf Wachstumskurs. "Wir haben zurzeit rund 470 Mitglieder", sagt Djir-Sarai. Es sind so viele wie nie in seiner Amtszeit – und Djir-Sarai ist schon seit zwölf Jahren Chef der FDP im Kreis. Auch die Jungen Liberalen (JuLis) legen zu. 160 Mitglieder zählt der JuLi-Kreisverband. "Ich kenne keinen größeren – höchstens vielleicht Köln oder München", sagt JuLi-Kreisvorsitzender Tim Tressel (28). Bei den Ortsverbänden rage Grevenbroich heraus. Es ist laut Tressel der größte in Deutschland. Und die Zahl ziehe weiter an. "Ich bekomme jede Woche ein bis zwei Anfragen von potenziellen Neu-Mitgliedern."

 
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