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Rhein-Kreis Neuss
Die Liegegewohnheiten des Herbert Knebel

Rhein-Kreis Neuss: Die Liegegewohnheiten des Herbert Knebel
Der 63-jährige Uwe Lyko tritt als Herbert Knebel auf. FOTO: mvo
Rhein-Kreis Neuss. Der 63 Jahre alte Kabarettist war mit seinem Soloprogramm "Im Liegen geht's!" in Dormagen zu Gast.

Seit zehn Monaten waren die 550 Karten weg für den Auftritt von Herbert Knebel in der Aula des Norbert-Gymnasiums Knechtsteden. Ein glücklicher Kulturamtsleiter hatte nur schöne Nachrichten mitzuteilen: Olaf Moll begrüßte mit Herbert Knebel "einen der größten Kabarettisten unserer Tage".

Uwe Lyko (63) alias Herbert Knebel war mit seinem Soloprogramm "Im Liegen geht's!" zu Gast und versprach ungewöhnliche Einsichten und einen Strauß bunter Melodien, "die man so nicht hören mag". Sein Programm basiert auf mangelhaftem Stehvermögen. "Wer kennt dat nich, dat viele Tätigkeiten, die man im Stehen verrichten muss, einem zunehmend schwerer fallen, gerade im Alter!?" Viele Arbeiten im Haushalt - Spülen, Abtrocknen, Staubsaugen, Fensterputzen - "kann man sich im Liegen viel besser angucken." Folglich dekoriert eine große Couch die Bühne. Er kokettiert mit seinem Alter, seinem Leben als Rentner, als "Steiftier", das für sich gerne andere bücken lässt - "Boh glaubse, ich sach' Sie".

Die viele Nörgelei über Alltäglichkeiten "bei uns in de Siedlung" in "gehobenem" Ruhrdeutsch und mit viel Wortwitz verführt von Anfang an zu herzhaftem Lachen. Überraschendes aus seiner Biografie: "Ich wollte früher Seelsorger werden, wollte auf die Kanzel, also Kanzler, aber protestantisch, so mit Wein, Weib und Gesang".

Davon hat er zumindest Einiges verinnerlicht. Denn die Songs mit neuen Texten ("Komasaufen") sind nicht nur originell, sondern absolut professionell, auch sein Gitarrenspiel. Dabei wird er begleitet von Georg Göbel-Jakobi (55), der als "Ozzy Ostermann" mit Perücke und Seitenscheitel auch in "Herbert Knebels Affentheater", Deutschlands berühmtester Rentnerband, mitspielt. Der geborene Ostfriese und Wahl-Duisburger ist an der Gitarre ein hörenswerter Vollprofi. So werden etliche Songs wie "Mein Baby kommt mit dem Zuch um Neunuhrneun" zu umjubelten Höhepunkten. Bei dem Blues "Ich wachte heut morgen auf" muss dann der Arzt natürlich den "Bluesdruck" messen. Gegen die Therapie Nordic Walking spricht: "Ich geh' doch nicht freiwillig am Stock!" Früher hat das schon mit der "Pille" nicht geklappt. "Als Mann sollte man Verantwortung übernehmen, also haben wir die Pille immer abwechselnd genommen. Ich hab' sie schlecht vertragen!"

Auf altbackene Witze im Programm kann Herbert Knebel vollkommen verzichten, denn die Köstlichkeiten aus dem Leben des Rentners in Essen-Altenessen sorgen für opulenten Spaß.

Herbert Knebel und sein Affentheater gastieren mit ihrem Programm "Rocken bis es qualmt" kommenden Donnerstag, 21. Dezember, um 20 Uhr in der Stadthalle, Selikumer Straße.

(Nima)
 
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