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Rhein-Kreis Neuss
Die SPD wartet auf einen Abgeordneten

Rhein-Kreis Neuss: Die SPD wartet auf einen Abgeordneten
Daumen hoch! Daniel Rinkert fordert zur Bundestagswahl Minister Hermann Gröhe im Wahlkreis heraus. Die NRW-Liste ist seine zweite Option. FOTO: L. Berns
Rhein-Kreis Neuss. Gefühlt war die Kreis-SPD in jüngster Zeit erfolgreich. Fakt ist aber: Sie stellt keinen Abgeordneten in Bund und Land. Das soll Daniel Rinkert (29) ändern. Listenplatz 21 bei der Bundestagswahl könnte für ihn das Ticket nach Berlin bedeuten. Von Ludger Baten

Vier von kreisweit acht Rathäusern sind rot. So viele wie noch nie. Mit Reiner Breuer (Neuss), Erik Lierenfeld (Dormagen), Klaus Krützen (Grevenbroich) und Martin Mertens (Rommerskirchen) sitzen hierzulande gleich vier Sozialdemokraten auf dem Bürgermeister-Sessel. Doch die Erfolge bei den Rathaus-Wahlen 2014 und 2015 täuschen. Sie zeigen zwar, was für die SPD im Kreis an Rhein und Erft inzwischen möglich ist, Fakt ist aber auch, dass die Sozialdemokraten ihr Potenzial längst nicht kontinuierlich bei allen Wahlen abrufen können. Beispiel Landtagswahl: Am 14. Mai verloren sie ihre beiden 2012 überraschend durch Reiner Breuer und Rainer Thiel gewonnenen Direktmandate in Neuss sowie im südlichen Wahlkreis (Dormagen, Grevenbroich, Rommerskirchen).

Da die aktuellen Kandidaten Arno Jansen und Rainer Thiel auch keinen guten Listenplatz hatten, steht die Kreis-SPD vor einem personellen Kahlschlag: Sie ist weder im Bundestag noch im Landtag mit einem Abgeordneten vertreten.

Der Rhein-Kreis ist unter diesem Aspekt für die Roten ein weißer Fleck. Benno Jakubassa, langjähriger Parteichef in Neuss: "Wenn unser Bundes- oder Landesdurchschnitt bei nur 30 Prozent liegt, dann ist für die SPD im Rhein-Kreis immer noch nichts zu gewinnen." Das habe der 14. Mai gezeigt. Anders bei den Rathaus-Wahlen. "Mit guten SPD-Kandidaten haben wir damals gegen den Bundestrend die Rathäuser erobert, auch weil die CDU Bewerber aufgestellt hatte, die zu schlagen waren." SPD-Siege im Rhein-Kreis unterlägen aber keinen Automatismen.

Es bleibt das Prinzip Hoffnung und die Hoffnung hat einem Namen: Daniel Rinkert. Der 29 Jahre alte Kreisvorsitzende tritt zur Bundestagswahl am 24. September im Wahlkreis 108 (Dormagen, Grevenbroich, Neuss und Rommerskirchen) an. Auch ihn würde es vermutlich nicht überraschen, wenn ihm sein CDU-Mitbewerber, Gesundheitsminister Hermann Gröhe, den direkten Weg nach Berlin versperren würde. Doch auch als unterlegener Direktkandidat hält Rinkert eine zweite Option in Händen, das Ticket in den Bundestag zu lösen: die Landesliste. Seine Partei setzte ihn auf Platz 21. Die Positionierung darf als "aussichtsreich" betrachtet werden. Zuletzt bei der Bundestagswahl 2013 zog die NRW-Liste bis Platz 28. "Mein Listenplatz ist keine Garantie", sagt Daniel Rinkert, "es kann klappen. Es muss aber auch nicht klappen." Auch Nicole Specker, die für die SPD im Wahlkreis 110 (Kaarst, Korschenbroich, Meerbusch, Jüchen und Krefeld-Süd) antritt, hat Chancen auf ein Bundestagsmandat. Mit Platz 28 darf sie hoffen, zumindest als Nachrückerin im Laufe der Legislaturperiode in den Bundestag einzuziehen.

Dass Daniel Rinkert als junger Politiker und Erstbewerber so gut platziert wurde, begründet er mit der Arithmetik, nach der die Liste zwischen in Regionen austariert wird. Dabei achtet die Partei darauf, dass möglichst auch alle Unterbezirke die Möglichkeit erhalten, einen Abgeordneten zu stellen. Von diesem Kriterium profitierte jetzt die Kreis-SPD - und es schließt sich der Kreis. Die SPD hierzulande stellt keinen Abgeordneten und so wird ein Manko zu einem fördernden Argument für Daniel Rinkert und seinen Weg zum Berufspolitiker.

Quelle: NGZ
 
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