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Rhein-Kreis Neuss
"Europa ist keine Einbahnstraße"

Rhein-Kreis Neuss: "Europa ist keine Einbahnstraße"
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Rhein-Kreis Neuss. Beim Europatag im Kreishaus machten Kreis- und EU-Politiker Hoffnung - trotz der Krise in der Europäischen Union. Von Oliver Burwig

Beim Europatag im Kreishaus hat Michael Kreuzberg, Landrat des Erft-Kreises, ein Bild wachgerufen, das trotz populistischer Strömungen in den Niederlanden, EU-Austrittswünschen in Frankreich und dem Brexit Hoffnung macht: "Europa ist keine Einbahnstraße." Man dürfe sich die europäische Idee trotz der Schwächen ihrer Institutionen nicht zerreden lassen, sagte Kreuzberg, und richtete damit nach Landrat Hans-Jürgen Petrauschke ein kritisches Grußwort an die Gäste der EU-Kommission und des europäischen Parlaments. Die betonten anlässlich der 60-jährigen Einigungsgeschichte, dass der Weg aus der europäischen Krise lang sein könnte.

"Europa ist nicht mehr Luxemburg und Brüssel", sagte Mirja-Hannele Ahokas von der Regionalvertretung der EU-Kommission in Bonn. Sie sprach von einem "Europa der Regionen", und erinnerte an die Vorteile, die die Briten mit dem Austritt aufs Spiel setzten. In 20 Jahren werde es dort eine Generation geben, die sich nur noch von ihren Eltern von Erasmus, Auslandspraktika und Freizügigkeit erzählen lassen könne. Diese Dinge gehörten zu den "wertvollsten Erfahrungen", die man machen könne.

Ein Argument ließ Ahokas jedoch jenen, die gegen den Gedanken der "Vereinigten Staaten von Europa" seien. Viele Menschen lebten auf dem Land, würden sich eher mit ihrer Heimatstadt identifizieren und könnten sich nicht vorstellen, in einen anderen Ort - geschweige denn einem anderen Land - zu leben.

Von den Schwierigkeiten der Union selbst, einen Konsens zu finden, sprach Karl-Heinz Florenz (CDU), EU-Abgeordneter für den Niederrhein. Er verglich die Herstellung einer Einstimmigkeit im Parlament mit dem abendlichen Streit um das Fernsehprogramm. Dennoch verwies er auf das gute Beispiel Deutschland: "Wir sind exzellente Europäer, wir müssen aber mehr auf die Ressentiments achten, die es auch bei uns gibt."

Florenz richtete das Wort auch an die Wirtschaft: "Von ihr erwarte ich ein viel größeres Bekenntnis zur Europäischen Union." Die Wirtschaftsbetriebe gehörten zu jenen, die am meisten von den offenen Grenzen und den Handelsverträgen profitierten.

Zu den Gästen des Europatags zählten Karl-Heinz Florenz (EU-Abgeordneter Niederrhein, r.), Franz-Josef Lersch-Mense (NRW-Minister für Europa), Mirja-Hannele Ahokas (Regionalvertretung EU-Kommission in Bonn) und Walter Leitermann (Deutscher Städtetag). FOTO: O. Burwig / Pixabay

Einen kollektiven "Seufzer der Erleichterung" nannte Franz-Josef Lersch-Mense, NRW-Minister für Europa, die Reaktion in Deutschland auf die Wahlniederlage der EU-Gegnerin Marine Le Pen in Frankreich. Es bleibe zu hoffen, dass Emmanuel Macron auch nach der französischen Parlamentswahl noch handlungsfähig sei. "Aber auch hier in NRW müssen wir uns als größte Region in der europäischen Gemeinsacht unserer wichtigen Rolle bewusst sein", sagt Lersch-Mense.

Quelle: NGZ
 
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