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Interview mit dem Bürgermeister der Stadt Neuss Reiner Breuer
"Die Stadt schafft Wohnraum - auch für neue Fachkräfte"

Interview mit dem Bürgermeister der Stadt Neuss Reiner Breuer: "Die Stadt schafft Wohnraum - auch für neue Fachkräfte"
Reiner Breuer (SPD) ist seit Herbst 2015 Bürgermeister der Stadt Neuss. FOTO: Woitschützke Andreas
Herr Breuer, Sie fahren Anfang Oktober zum ersten Mal als Bürgermeister der Stadt Neuss zur Internationalen Gewerbe-Immobilienmesse Expo Real nach München. Welche Erwartungen verbinden Sie mit dem Messeauftritt? Von Frank Kirchstein

Reiner Breuer Die Expo Real ist eine Netzwerk-Messe auf der wichtige Immobilien- und Stadtentwicklungsexperten anzutreffen sind. Mir ist in diesem Jahr besonders wichtig für Neuss als lebenswerten und innovativen Standort zu werben sowie die soziale Großstadt in den Vordergrund zu stellen. Ich möchte aber auch neue Ideen für die Stadt Neuss sammeln, schauen was andere Regionen machen und diese mit Projektentwicklern und Planern besprechen. Die Stadt Neuss braucht neue Ideen und Visionen für eine weiterhin nachhaltige Entwicklung. Dies unter anderem in den Bereichen Infrastrukturentwicklung, Wohnen und auch der Wirtschaftsstandort insgesamt.

Die Stadt hat erneut das Hammfeld II, aber auch den Wendersplatz als Potenzialfläche im Gepäck für München. In der politischen Diskussionen wurden und werden für beide Bereiche vielfältige Nutzungsmöglichkeiten diskutiert. Wenn Sie die freie Wahl hätten: Welche Vision würden Sie dort gern verwirklicht sehen?

Breuer Wichtig ist eine Nutzung für den Wendersplatz zu identifizieren, die der Qualität und der Bedeutung dieses Standortes gerecht wird. Und damit verbinde ich eine hohe städtebauliche Qualität und eine Nutzung, die den Standort wirtschaftlich belebt. Eine Festlegung auf eine Nutzungsart oder gar Branche halte ich derzeit noch nicht für angemessen. Ein Wettbewerbsverfahren in Verbindung mit den weiteren Entwicklungen an der Rennbahn und im Hammfeld wäre aber sicher zielführend. Wir haben hierfür erste Vorbereitungen getroffen und wollen auch frühere Planungen in die Überlegungen einbeziehen.

Und welche Variante wird am Ende der Auseinandersetzung aller Beteiligten innerhalb und außerhalb der Politik letztlich wahrscheinlich umgesetzt?

Breuer Wir sollten uns weiterhin darüber im klaren sein, dass nur eine Nutzung in Frage kommt, die sich wirtschaftlich darstellen lässt, insofern ist es eher eine Frage der städtebaulichen Qualität, als eine Frage des Nutzers. Diese Frage wird am Ende mit einem Investor diskutiert werden müssen. Mit einer guten wirtschaftlichen Nutzung bin ich zuversichtlich auch politischen Konsens erreichen zu können.

Für die Innenstadt-Seite des Hafenbeckens I gibt es vielfältige Pläne für eine Mischung von Wohnen und Arbeiten. Wie lösen Sie drohende Konflikte mit der benachbarten Industrie, die Einschränkungen durch die nahe Wohnbebauung fürchtet?

Breuer Die Gespräche mit den Akteuren laufen. Nach meinem Dafürhalten gibt es rechtsverbindliche Lösungsmöglichkeiten, die der Industrie im Hafen ein Maximum an Zukunftssicherheit bieten. Aber man muss auch ganz klar formulieren, dass sich die Betriebe auch auf die Planungen der Stadt zu bewegen müssen. Jedenfalls werden wir keinen Arbeitsplatz und keine Entwicklung durch die Planungen am Hafen gefährden. Ich bin zuversichtlich, dass auch die Betriebe konsensorientiert an gemeinsamen Lösungen mit arbeiten.

Neuss präsentiert auf der Expo Real nicht nur Projekte für Industrie und Gewerbe, sondern auch aktuelle Pläne aus dem Bereich des Wohnungsbaus. Bei Ihrer Wahl vor einem Jahr hatten Sie eine Initiative für neuen Wohnraum angekündigt. Was sind die nächsten Schritte?

Breuer Aus der Ankündigung im vergangenen Jahr ist eine Umsetzungsstrategie geworden, das heißt: Ich habe Taten folgen lassen. Mit den Entwicklungen in Weckhoven sind wir auf dem richtigen Weg, die Planungen im Bereich Hammfeld/Alexianer-Gelände sind die kommenden konkreten Schritte. Aber damit ist noch nicht Schluss, weitere Wohnthemen stehen auf der Agenda. Hier stehen auch private Flächen im Fokus. So stehen derzeit Planungsgespräche für ein privates Areal an der Kölner Straße an. Hier könnten weitere 300 Wohneinheiten entstehen. Das Projekt ist aber noch in einer frühen Planungsphase und nicht im städtischen Eigentum. Das Thema Wohnen ist ein sehr dynamisches geworden. Es ist wichtig, der wachsenden Nachfrage auch unter Aspekten der Fachkräftesicherung gerecht zu werden. Somit bilden wir beim Wohnen breite Schichten der Bevölkerung als Zielgruppe ab, denn wir benötigen auch Wohnraum für Fach- und Führungskräfte der in Neuss tätigen Menschen.

Wohnungsbau einerseits und wirtschaftliche Entwicklung andererseits. Was wird die Stadt und das Stadtbild in den nächsten Jahren am meisten verändern?

Breuer Die wirtschaftsräumliche Entwicklung ist wichtig und bildet den wirtschaftlichen Rahmen für die Stadtentwicklung. Das Wohnen, da es in den Kernbereichen der Stadt und in den Stadtteilen entsteht, wird einen größeren Einfluss auf das Stadtbild haben. Wir sollten aber nicht außer Acht lassen, dass eine wohnortnahe Versorgung wichtig ist und gewährleistet werden muss. Damit meine ich nicht nur die Lebensmittelversorgung. Es geht viel weiter bis hin zu kleinen Handwerks- und Dienstleistungsbetrieben, die wohnortnah zur Verfügung stehen müssen, damit die Nutzung dieser Angebote auch weiterhin bezahlbar bleibt. In der Regel betrachten wir die Stadt von innen nach außen. Manchmal muss man sich auch nach außen begeben, um seine Betrachtung zu objektivieren. Und auch deshalb fahre ich nach München.

Die Stadt Neuss präsentiert sich bei der Expo Real erneut als Partner der Landeshauptstadt Düsseldorf. Welche Vorteile hat der Auftritt dort gegenüber einer Beteiligung am Stand der Standortgemeinschaft Niederrhein, wo zum Beispiel auch Grevenbroich und Dormagen ihre Projekte vorstellen?

Breuer Der Wirtschaftsstandort Neuss hat eine enge wirtschaftsräumliche Verknüpfung mit der Landeshauptstadt. Daraus ergibt sich eine gewisse Logik in der Zusammenarbeit und Präsentation. Insbesondere die immobilienwirtschaftlichen Partner der Stadt Neuss sind mit Düsseldorf im engen Kontakt, so ist es auch bei uns. Dazu kommt noch die 1a-Standlage auf der Messe. Dort sind wir hervorragend positioniert und erste Anlaufstelle für die gesamte Branche. Somit profitieren wir von den großen städtebaulichen Projekten der Düsseldorfer Kollegen auf der einen Seite und können uns selber als Stadt Neuss hervorragend präsentieren.

Spielt der Rhein-Kreis für Sie in München dann überhaupt eine Rolle?

Breuer Der Standplatz in Düsseldorf bedeutet ja keine Abkehr vom Rhein-Kreis Neuss. Auch die anderen kreisangehörigen Städte profitieren von der Standortqualität der Stadt Neuss und ihres wirtschaftsräumlichen Erfolgs. Das eine oder andere Unternehmen verlagert in die Nachbarstädte, weil wir sie hier nicht mehr mit großen Flächen bedienen können. Im Übrigen sind alle Städte und Gemeinden über den Rhein-Kreis Neuss auf dem Niederrhein-Stand in München vertreten, auch wenn wir hier mit der Partnerschaft zu Düsseldorf in der Tat einen anderen Akzent setzen. Aber ich kann mir bei einer stärkeren Profilierung der Erscheinung des Niederrhein-Auftritts mittelfristig eine engere Kooperation vorstellen. Wir sind letztlich in der Lage uns in der gesamten Region als Impulsgeber und Wirtschaftsmotor zu präsentieren. 

Quelle: RP
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