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Neue Wege mit Produktion von „Ur-Weizen“ bis „Lemon“
Spezialitäten vom Niederrhein

Im Rhein-Kreis Neuss hat das Brauen von Bier Tradition. Heute sind es zwar nur noch zwei Unternehmen, die das würzige Alt herstellen, doch sie haben in der Branche einen guten Namen - und gehen neue Wege mit Produktion vom "Ur-Weizen" bis zum "Lemon". Herz der Privatbrauerei Frankenheim : das Sudhaus in Holzheim. Das Unternehmen verzeichnete im Vorjahr einen Ausstoß von 549 000 Hektolitern. Von Thilo Zimmermann

Das Rheinland und das Bier gehören einfach zusammen. Wie lange die Brautradition im heutigen Rhein-Kreis Neuss schon ist, verdeutlicht ein Blick nach Korschenbroich: Bereits um das Jahr 1250 herum standen die Brauer dort in hohem Ansehen. Während die übrige Bevölkerung meist noch hörig war, gehörten die Brauer zum bevorzugten Stand der Wachszinsigen, das heißt sie waren der Kirche verpflichtet und weniger der Willkür weltlicher Herrscher ausgesetzt.

Zum Würzen und zur Haltbarmachung des Bieres verwandten sie das so genannte Grut (Kraut), ein Gemisch aus Gadelkraut, Porsch, Rosskümmel, Lorbeer, Wacholder, Anis und Torf. Die Grutbereitung war ein Herrschaftsrecht, und die Herren von Schloss Myllendonk übten es auf dem "Kraushof" aus. Der Name entstand aus dem Wort "Krauthaus" und besagt, dass dieser Hof das Grut lieferte.

Sein Ursprung geht bis in das 13. Jahrhundert zurück. Der Ur-Ahn der heimischen Bierproduzenten - Heinrich, der Brauer - erhielt 1266 von der Herrschaft auf Myllendonk das Recht verliehen, auf dem Korschenbroicher Kraushof Bier herzustellen. Peter Bolten pachtete den Komplex 1753 und erwarb ihn dann 1774. Im Jahr 1964 wurden der Kraushof und die Brauerei von Carl und Liesel Bolten in der sechsten Generation übernommen.

Seit dem Tod der beiden Anfang der 90er Jahre leitet Hans-Otto Bolten als geschäftsführender Gesellschafter die "älteste Altbier-Brauerei der Welt". Die Stamm-Marke "Bolten Alt" ist mit den höchsten Auszeichnungen der Gesellschaften DLG, CMA und "Monde Selection" prämiert. Außerdem bereichern "Ur-Alt", "Ur-Weizen", "Rubin" und "Caramel" die Angebotspalette des Hauses, in dem heute 28 Mitarbeiter beschäftigt sind. Bolten hat zuletzt einen Jahresumsatz von 3,3 Millionen Euro erzielt. Rund 95 000 Hektoliter Bier flossen 2003 durch seine Anlage - die Bügelflaschen-Abfüllung für andere Brauereien inklusive.

Überaus traditionsreich ist die Bier-Produktion auch in Neuss. Das Grutrecht gehörte dem Quirinusstift und ist schon 1283 belegt. Hopfenbier wurde in Neuss erstmals 1388 erwähnt, wobei der Hopfen etwa ab 1500 vornehmlich auf den Wällen der Stadtbefestigung angebaut worden ist. Nach zahlreichen Höhen und Tiefen der Branche war es Simon Gatzweiler, der 1902 einen Ausschank im "Historischen Brauhaus" an der Oberstraße eröffnete und damit großen Erfolg feierte. Das Gebäude wurde allerdings im Zweiten Weltkrieg völlig zerstört, so dass Gatzweiler die Herstellung seines dunklen Gerstensafts 1949 ausschließlich in Düsseldorf wieder aufnahm, wo er 1936 die Hausbrauerei "Zum Schlüssel" gekauft hatte.

Die einzige größere Kölsch-Brauerei an Rhein und Erft, das Brauhaus "Zur Garde", wurde 1828 in Dormagen gegründet. Aber erst seit der Umwandlung in die "Dormagener Actienbrauerei" 1898 entstand dort wirklich Kölsch. In den 60er Jahren brachte das Unternehmen von dort "Kess-Kölsch" auf den Markt, später hieß das Produkt "Garde". Es wird heute bei Gaffel in Köln hergestellt, der Getränkegroßhändler Lütticke & Tschirschnitz aus der Domstadt nutzt das Areal am Höhenberg seit vier Jahren für seine Zwecke.

Jung und frisch: Die Bierbrauer gehen neue Wege . Bestes Beispiel: das neue Mixgetränke "Frankenheim lemon ", das diese jungen Frauen präsentieren.

Die jüngste Brautradition im Rhein-Kreis Neuss begann 1992, als die Düsseldorfer Privatbrauerei Frankenheim begann, ihre Produktion in Holzheim zu konzentrieren. Das 1873 von Heinrich Frankenheim gegründete Unternehmen liegt heute in der vierten Generation in Familienhand. Sein Herz schlägt im Sudhaus, wo gemaischt, abgeläutert und gehopft wird, wie die Experten sagen. Malz-Silo und Schrot-Mühle stehen ebenso in Holzheim neben Ausschank und Biergarten wie Gärkeller, Lagertank, Filtration sowie Flaschen- und Fassabfüllung. 150 Mitarbeiter sind dort beschäftigt.

Wie der jüngste Geschäftsbericht belegt, hat Frankenheim erneut Marktanteile erobert und auch beim Alt-Cola-Gemisch "Frankenheim blue" die Position als stärkste Biermixmarke in Nordrhein-Westfalen ausgebaut. Gesamtvertriebsleiter Franz Zefferer zeigte sich mit der Entwicklung im (Marken-) Zeichen des Falken zufrieden: "Im äußerst schwierigen Jahr 2003 ist es uns im Gegensatz zu anderen Altbier-Brauereien gelungen, die Absatzmenge auf hohem Niveau stabil zu halten und die Marktanteile deutlich zu steigern."

Insgesamt betrug der Ausstoß im Vorjahr 549 000 Hektoliter (1999 waren es noch 351 000). Im Sommer kam außerdem "Frankenheim lemon" in den Handel. Mit 30 Prozent Alt und 70 Prozent Limonensaft-Konzentrat ist das Getränk der erste Biermix mit einem Alkoholgehalt von 1,4 Prozent. Jugendliche sind als Kunden schließlich heiß begehrt in der Branche, die aus langer Tradition in die Zukunft blickt.

Quelle: NGZ
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