Interview mit Jürgen Steinmetz
"Wir sichern Unternehmenserfolge"

Interview mit Jürgen Steinmetz: "Wir sichern Unternehmenserfolge"
Jürgen Steinmetz ist Hauptgeschäftsführer der IHK Mittlerer Niederrhein. FOTO: Tinter Anja
Hohe Wettbewerbsfähigkeit, Top-Infrastruktur und attraktive Gewerbeflächen - IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz wirbt für den Niederrhein Von Frank Kirchstein

Herr Steinmetz, Anfang Oktober präsentiert sich die Region erneut auf der Internationalen Gewerbeimmobilienmesse Expo Real. Wie sehen Sie die Region für den internationalen Standortwettbewerb aufgestellt?

Jürgen Steinmetz Die Region ist gut aufgestellt mit starken Grundlagen und besten Zukunftsaussichten. Wir leben von einem breiten Branchenmix und einer gesunden mittelständischen Wirtschaftsstruktur. Die Exportquote liegt bei über 50 Prozent, in Deutschland sind es nur 40 Prozent. Das belegt die hohe internationale Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft.

Was macht den Niederrhein stark -und stärker als seine Mitbewerber in NRW?

Steinmetz Zu den Stärken gehören die Lage zwischen Düsseldorf und Köln und die Nähe zu den Niederlanden. Im Umkreis von 500 Kilometern leben 135 Millionen Menschen, das ist enorm. Außerdem zeichnet sich die Region vor allem durch das große Engagement der Akteure aus. Wir sind eine starke Gemeinschaft, die etwas aus den Standortvorteilen ihrer Region macht. Auch deshalb sind wir erfolgreich.

Die Industrie- und Handelskammer Mittlerer Niederrhein gehörte von Beginn an zu den treibenden Kräften bei der Entwicklung der Metropolregion Rheinland. Welchen ganz konkreten Nutzen hat der Niederrhein von der Mitgliedschaft in der Metropolregion?

Steinmetz Wir schaffen eine deutschlandweite und internationale Aufmerksamkeit für unsere Wachstumsregion und generieren dadurch Neuansiedlungen. Darüber hinaus wird die Kooperation der Akteure im Rheinland verbessert. Dies gilt für den Verkehr, die Kultur bis hin zur Bildung. Ich gehe davon aus, dass wir zukünftig beispielsweise mit einer Kulturkarte im Rheinland Veranstaltungen und Einrichtungen besuchen, mit einem Ticket den ÖPNV nutzen können und uns gemeinsam für den Infrastrukturausbau einsetzen sowie gemeinsame Bildungskongresse ausrichten.

Wie positioniert sich der Niederrhein im Verhältnis zur Metropole Ruhr? Überwiegend als Konkurrent oder auch als Partner?

Steinmetz Wettbewerb belebt das Geschäft. Wir sind zwar alle ein Teil von NRW und arbeiten auch projektbezogen zusammen, gleichzeitig unterstütze ich aber den Wettbewerb um Ansiedlungen und um die besten Lösungen. Den Strukturwandel können und wollen wir anders gestalten als das Ruhrgebiet.

Wie bewerten Sie die zunehmende EU-Skepsis in Deutschland, aber auch bei den europäischen Nachbarn, etwa in den Niederlanden?

Steinmetz Das beunruhigt mich. Frieden und Wohlstand sind Verdienste des vereinten Europa. Als Exportregion profitieren wir davon, weil die Unternehmen in unserer Region in alle europäische Länder wichtige Handelsbeziehungen unterhalten.

Welche Konsequenzen hat der Brexit für die Wirtschaft am Niederrhein?

Steinmetz Die Konsequenzen lassen sich seriös jetzt noch nicht richtig abschätzen, das hängt insbesondere von den nach Austritt geltenden Regelungen zwischen der EU und Großbritannien ab. Aber viele unserer Mitgliedsunternehmen sind besorgt. Knapp 56 Prozent der Exporteure in unserer Region unterhalten Geschäftsbeziehungen zu Großbritannien. Eine Umfrage unter ihnen zeigt, dass sie vor allem nach Vollzug des Austritts insgesamt von einem Rückgang ihrer Exporte in das Königreich ausgehen. Ähnliches sagen sie über ihren Warenbezug aus Großbritannien. Ein gutes Zeichen ist, dass sie keine Auswirkungen auf die Beschäftigtenzahl befürchten. Bei der Einschätzung der Brexitfolgen muss zudem berücksichtigt werden, dass Großbritannien ein wichtiger Investor in unserer Region ist.

Welche Konsequenzen müssen Wirtschaft und Politik ziehen?

Steinmetz Wir müssen gegensteuern und den Nutzen, den die hiesigen Unternehmen aus einem funktionierenden EU-Binnenmarkt ohne Hindernisse ziehen, besser erklären. Das gilt übrigens auch für die Freihandelsabkommen wie TTIP.

In welchen Bereichen würden Sie sich stärkere Unterstützung von Land und Bund wünschen, um den Niederrhein noch weiter voranzubringen?

Steinmetz Auf jeden Fall beim Infrastrukturausbau. Mit dem Bundesverkehrswegeplan sind wir auf dem richtigen Weg. Die Projekte müssen in unserer Region allerdings auch zügig umgesetzt werden. Auch eine Entlastung der Kommunen liegt mir am Herzen, damit sie wieder handlungsfähig werden. Darüber hinaus muss die duale Berufsausbildung von der Politik gestärkt werden. Im Übrigen wünsche ich mir häufig nicht mehr Unterstützung, sondern eher weniger Regulierung. Wachstumsimpulse sind wichtig und nicht sozialpolitische Wohltaten, um im internationalen Wettbewerb zu bestehen. Wir brauchen einen Vorrang für Wirtschaft und Arbeitsplätze.

Wie bewertet die IHK die Pläne für den neuen Regionalplan, der auch über die Entwicklung von Infrastruktur sowie das Angebot für Wohn- und Gewerbeflächen entscheidet?

Steinmetz Da ist etwas Gutes gelungen, von dem wir am Niederrhein alle profitieren werden. Mit den vielen interkommunalen Gewerbegebieten schaffen wir Flächen, die für das Wachstum von Wirtschaft unerlässlich sind. Die Unternehmen werden diese Chancen nutzen.

Logistik ist ein wirtschaftlicher Schwerpunkt der Region. Welche Chancen verbindet die IHK mit dem Thema?

Steinmetz Der jüngsten Studie von Prognos zufolge ist die Logistik Beschäftigungsmotor am Niederrhein und enorm wichtig für die übrigen Wirtschaftszweige. Im Hinterland zu den ZARA-Häfen mit der zu erwartenden Steigerung beim Güterverkehr haben wir beste Chancen, nicht als Transitland zu fungieren, sondern von der Wertschöpfung zu profitieren.

Welche Voraussetzungen müssen geschaffen werden, damit die Region von dem erwarteten weiteren Boom der Logistikbranche profitieren kann?

Steinmetz Wir brauchen einen weiteren Ausbau der Verkehrsinfrastruktur, vom Eisernen Rhein bis zur Rheinvertiefung. Wir werden den zunehmenden Güterverkehr nur bewältigen können, wenn wir auch zu einer Verlagerung von der Straße auf die Schiene und das Schiff kommen.

Welche Rolle spielt der Auftritt der Region bei der Expo Real?

Steinmetz Ich halte ihn für sehr wichtig, bezogen auf die Außendarstellung und die Zusammenarbeit in der Region. Hier trifft sich die gesamte Branche und blickt auf die Möglichkeiten. Wir zeigen uns und machen deutlich: Wir sichern Unternehmenserfolge.

Wie sollte sich der Auftritt mit Blick auf das Zusammenrücken der Region - Stichwort Metropolregion Rheinland - entwickeln?

Steinmetz Wir werden Programme und Präsentationen aufeinander abstimmen, räumlich sichtbar zusammenrücken und die Vorzüge der gesamten Region nach vorne stellen.

 

Quelle: RP
 
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