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Rhein-Kreis Neuss
Festivalabschluss mit Marienvesper

Rhein-Kreis Neuss. Denkwürdiges Finale des Festivals "Alte Musik" mit Monteverdis Marienvesper.

Am Samstag beendete das Festival "Alte Musik" in Knechtsteden die Jubiläumssaison "Feste feiern" mit einem außerordentlichen Marienfest. Die Erwartungen der Festivalleitung wurden vor allem hinsichtlich der Besucherfrequenz deutlich übertroffen. "Mit knapp 3000 Besuchern einschließlich des jungen Festivals und der Tafelmusik im Kreuzgang des Klosters hatten wir nicht wirklich gerechnet. Und die Fülle so vieler großen Werke in einer Woche gab es auch noch nie. Alles hat auch dank der vielen ehrenamtlichen Helfer reibungslos geklappt", sagte Michael Rathmann zufrieden nach seiner ersten Saison als Festivalgeschäftsführer.

Zum Finale des Festivals füllten mehr als 550 Besucher die Klosterbasilika. Sie wurden Zeugen einer zutiefst beeindruckenden Aufführung der "Vespro della Beata Vergine" (Marienvesper) von Claudio Monteverdi (1567-1643). Seit der Wiederentdeckung dieses zwischen dem polyphonen Stil der Renaissance und der Monodie des Barock stehenden, also sehr modernen Werkes zur Mitte des vergangenen Jahrhunderts, gibt es ungezählte Aufführungen und vielfältigste Einspielungen.

Die solistisch geprägte Aufführung in Knechtsteden gehört ganz sicherlich auf die ersten Plätze. Das lag vor allem am künstlerischen Leiter und Begründer des Festivals. Hermann Max variierte Tempo und Dynamik, setzte konsequent auf die dramatische Komponente, gab den auch technisch auf Spitzenniveau singenden Solisten ausreichend Zeit für affektreiche Verzierungen und schuf so ein "szenisches Oratorium".

Unter den zwölf exzellenten Solisten seien Ina Siedlaczek (Sopran) und Markus Brutscher (Tenor) genannt, weil sie kurzfristig für erkrankte Kollegen einsprangen und sich vollkommen in Max' Konzept integrierten. Markus Brutscher sang zugleich im ersten Concerto "Nigra sum" (Schwarz bin ich, doch schön) zur Harfenbegleitung einen ersten Höhepunkt. Im weiteren Verlauf dominierte er manchmal zu stark.

Das Barockensemble "Das kleine Konzert" war im Continuo mit Harfe, Chitarone, Violone und Orgel üppig besetzt, Violine, Zinke und Posaunen spielten ihre Klasse in der Ouvertüre und der "Sonata sopra" virtuos aus. Als dann die vier Soprane dazu die Litanei "Sancta Maria, ora pro nobis" sauber unisono intonieren, bleibt kein Zuhörer vom Gänsehauteffekt verschont.

Das galt auch für weitere Höhepunkte in der Klosterbasilika wie zum Beispiel den Hymnus "Ave maris stella" und das abschließende zehnstimmige "Magnificat". Nach einem schlichten "Amen" und langer Stille erlöste ein bis dahin gebanntes Publikum sich selbst mit zehn Minuten langem, begeistertem Applaus.

(nima)
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