| 00.00 Uhr

Rhein-Kreis Neuss
Fünf Gewinner und ein Verlierer

Rhein-Kreis Neuss. Durch die anhaltende Populismus-Welle in Europa, die Trump-Wahl in den USA und dem Brexit engagieren sich immer mehr Bürger politisch. Von dem Trend, sich einer Partei anzuschließen, profitieren allerdings längst nicht alle. Von Oliver Burwig

Es gibt zwei Gewinner des neugefundenen Politik-Interesses der Bürger: Kreisweit legten die Mitgliederzahlen der FDP und AfD im Jahresvergleich um mehr als zehn Prozent zu, die FDP gewann allein in den ersten drei Monaten dieses Jahres fast 30 Neumitglieder. Doch wo Gewinner, da Verlierer: Der CDU-Kreisverband meldet konstant sinkende Mitgliederzahlen.

FDP Die Kreis-FDP, die 2013 noch 360 Mitglieder zählte, umfasste im vergangenen Jahr 400, zu Beginn dieses Jahres 424 und seit März sogar 451 Mitglieder, wie die Geschäftsstelle mitteilte. Dass die Partei aus ihrem Tief herauskam, erklärt Kreisvorsitzender Bijan Djir-Sarai durch einen gesellschaftlichen Aufwacheffekt: "Wir bekamen einen Riesenschub durch die Trump-Wahl und den Brexit - alles Dinge, von denen vorher sehr viele gesagt haben, dass sie nie passieren werden." Unter den Neumitgliedern seien Umfragen zufolge auch ehemalige CDU-Mitglieder, sagt Djir-Sarai.

CDU Dort spricht man von einem "konstanten Rückgang seit anderthalb Jahrzehnten". Robert Kleinheyer von der CDU-Kreisgeschäftsstelle betont aber, dass der Schwund von ehemals 4154 (Jahresende 2014) auf 4080 (2015) und schließlich aktuell 3996 Mitglieder nicht "inhaltlich" begründet sei. Der demografische Wandel führe vielmehr dazu, dass viele der Parteimitglieder sterben, aber nicht genügend neu hinzukommen. Zudem seien die Menschen - entgegen der in der FDP herrschenden Meinung - trotz des neugewonnenen Interesses der Gesellschaft an der Politik immer weniger bereit, sich politisch langfristig zu binden und sich auf Themen festzulegen.

Grüne Die Mitte ist grün: Nahezu konstant bleibt die Zahl der Grünen im Kreisverband: Von 234 im vergangenen Jahr stieg ihre Zahl auf jetzt 241. "Es schwankt immer kurz vor der Wahl", sagt Geschäftsstellenleiter Kolja Fußbahn. Dennoch spricht auch er von dem allgemeinen Bedürfnis der Menschen, ein Zeichen gegen den Populismus setzen zu wollen.

SPD Von einem weiteren Effekt dürfte die SPD profitiert haben: Die Zahl ihrer Mitglieder im Kreisverband stieg von 1832 (Vorjahr) auf derzeit 1913, wie Kreisvorsitzender Daniel Rinkert mitteilte. Zwar habe es auch Abgänge gegeben, die seien aber allein durch die 83 in den vergangenen drei Monaten neugewonnenen Mitglieder aufgewogen worden. "Das hat nicht nur mit der Nominierung von Martin Schulz als Kanzlerkandidat zu tun", betont Rinkert. Es sei durchgedrungen, welche Gefahr von rechtem Populismus ausgehe, auch Trump und der Brexit hätten der SPD in die Arme gespielt.

Linke Dass die Linken auf Kreisverbandsebene einen Zuwachs von sechs Mitgliedern (fünf Prozent) verzeichnen konnten, führt Sprecher Heiner Bäther auf eine wachsende soziale Ungleichheit, aber auch Probleme des demografischen Wandels wie Altersarmut, sinkende Pflegequalität und Renten zurück. Auch Ehrenämtler, die sich in der Flüchtlingskrise engagierten, seien den Linken beigetreten.

AfD Erfolgreich konnte sich die AfD positionieren: Der Kreisverband umfasst laut Sprecher Christof Rausch 113 Mitglieder, 2016 seien es 102 gewesen. "Wir sind auf gutem Wege, haben unser altes Niveau aber noch nicht erreicht", sagt Rausch. Abneigungen gegen Frauke Petry, Björn Höcke und Alexander Gauland hätten auch im Rhein-Kreis dazu geführt, dass Menschen aus der AfD ausgetreten sind. "Der eine oder andere war auch von den Mitgliedsbeiträgen überrascht", sagt Rausch. Jene Zahlungsverweigerer habe man aus dem Kreisverband ausschließen müssen.

Quelle: NGZ
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Rhein-Kreis Neuss: Fünf Gewinner und ein Verlierer


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.