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Rhein-Kreis Neuss
Gelungener Festival-Auftakt mit viel Jazz und ein bisschen Klassik

Rhein-Kreis Neuss. Das durchwachsene Wetter macht Open Air-Start des Niederrhein-Musikfestivals im Innenhof von Schloss Dyck leider unmöglich.

Auch die zwölfte Auflage des internationalen Niederrhein-Musikfestivals begann dort, wo die Musik und Kunst verschiedener Kulturen auf sehr hohem Niveau verbindende Veranstaltung im Jahre 2005 ihren Ursprung hatte - auf Schloss Dyck. Leider verhinderte das durchwachsene Wetter einen Open Air-Auftakt, das von der künstlerischen Leiterin Anette Maiburg entworfene Programm "Blue Classics" wäre für den Innenhof besonders geeignet gewesen. Entsprechend voll besetzt war schließlich der Festsaal, und am Vortag kamen immerhin 50 Zuhörer in den Genuss einer öffentlichen Probe.

"Blue Classics" sollte zeigen, wie klassische Musiker und Jazzer miteinander interagieren und wie inspirierend die Verbindung von Klassik und Jazz sein kann. Neben Anette Maiburg spielte bei diesem Experiment Mathias Haus eine herausragende Rolle: Er ist einer der brillantesten Jazzvibraphonisten unserer Zeit und hat nahezu alle Stücke arrangiert.

Das Konzert begann aber mit einem Original: Drei Stücke für Streichquartett von Erwin Schulhoff spielte das Kölner Signum-Quartett kraftvoll und prägnant. Köstlich der Seitenhieb auf den Wiener Walzer (hier im 4/4-Takt), originell der böhmische Furiant-Tanz und im entfesselten Tempo mit schimmernden Glissandi die Tarantella. Das vielfach ausgezeichnete Quartett setzte die Cross-Over-Wanderung mitreißend um in einer Bearbeitung für Streicher des "Paranoid Android" der britischen Alternativ Rockband "Radiohead".

Vor allem die Bearbeitung von Jazzstandards gelang überzeugend. Da wurden etwa "Chorinho" des amerikanischen Jazzpianisten Lyle Mays und Erwin Schulhoffs "Jazzetüden" zu Höhepunkten. Mathias Haus hat sie für Flöte, Vibraphon und Bass arrangiert. Die Flöte (Anette Maiburg) übernahm die Melodie, das Vibraphon die akkordische Begleitung.

Während sich Mathias Haus virtuose Improvisationen gönnte, hatte er seinem Freund und Echo-Preisträger André Nendza (Kontrabass) vergleichsweise leichte Kost beschert. Die Bearbeitungen klassischer Titel waren nicht in gleichem Maße gelungen. Debussy und Johann Sebastian Bach hatten eher Alibifunktion.

Pech hatte die aus Neuss stammende Jazzsängerin Esther Berlansky, die unter einer heftigen Halsentzündung litt. Aber auch sie war vollkommen auf der Höhe, als das Gesamtensemble im Finale und in einem perfekten Zusammenspiel den erfolgreichsten Song des amerikanischen Soulmusikers Bill Withers, "Ain't no Sunshine", zelebrierte. Unter den Hunderten Coverversionen dieses Songs musste die jüngste von Schloss Dyck einfach begeistern.

(Nima)
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