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Rhein-Kreis Neuss
Geteilte Angst auf Facebook

Rhein-Kreis Neuss: Geteilte Angst auf Facebook
Rhein-Kreis Neuss. Immer wieder verbreiten sich auf Facebook Meldungen über vermeintliche Verbrechen. Die Polizei hat Mühe, dem nachzugehen, und am Ende entpuppt sich das Meiste als haltlos. Die geteilten Nachrichten multiplizieren die Angst. Von Martin van der Pütten

Es ist noch keine zwei Wochen her, da versetzte eine massenhaft verbreitete Facebook-Nachricht viele Menschen in Angst und Schrecken. Drei Ausländer hätten in Dormagen auf offener Straße eine Schlägerei vorgetäuscht, um ein Auto anzuhalten und der Fahrerin die Handtasche zu stehlen, hieß es. Und als sei das noch nicht schlimm genug, habe die Polizei keine Zeit gehabt, sich um den Vorfall zu kümmern. Zugegeben, da jagt einem allein der Gedanke, so etwas könne einem selbst oder einem Familienmitglied widerfahren, einen Schauer über den Rücken. Nur: Nichts davon ist wirklich passiert.

Es ist die Geschichte einer Räuberpistole und ihrer Folgen. Einmal verfasst und über Facebook geteilt verbreitete sich die Schreckensgeschichte wie ein Lauffeuer. Es dauerte nicht lange, bis Bürger sich wegen des Textes auf Facebook an die Polizei wandten. Die konnte sich über die Vorwürfe nur wundern, denn einen oder mehrere Anrufe bei der Polizei wegen des Vorfalls hatte es nicht gegeben, genauso wenig wurde eine Anzeige aufgegeben.

"Weil der Anfangsverdacht einer Straftat vorlag, hat die Polizei umgehend mit Ermittlungen begonnen", sagt Polizeisprecherin Daniela Dässel. Den Beamten gelang es schließlich, die in der Facebook-Geschichte auftretenden Personen ausfindig zu machen und als Zeugen zu vernehmen. Das Ergebnis: Es war ein alkoholisierter Mann, der sich bei einer Frau ins Auto gesetzt hatte, aber kurze Zeit später wieder ausgestiegen war. Es gab keine vorgetäuschte Prügelei, keinen Diebstahl und deswegen auch keinen Notruf bei der Polizei und keine Anzeige. Faktisch ist der Fall geklärt - das Gerücht hingegen ist in der Welt und übrigens immer noch - obwohl eindeutig widerlegt - auf Facebook zu finden.

Im Herbst hatte der Fall einer vermeintlichen versuchten Entführung eines Schulmädchens in Meerbusch hohe Wellen geschlagen. Dass sich schnell herausstellte, dass das Mädchen den Bus verpasst hatte und der Vater einer Klassenkameradin ihm helfen wollte, konnte viele nicht mehr beruhigen. Über Facebook und WhatsApp warnten besorgte Eltern vor Entführern und organisierten Fahrgruppen. Die Polizei wurde auch gerufen, mal musste sie den Boten eines Paketdienstes, der nach dem Weg gefragt hatte, überprüfen und mal feststellen, dass es tatsächlich der Großvater war, der sein Enkelkind von der Schule abholte.

Polizeisprecherin Dässel stellt klar: "Es ist richtig, wenn verunsicherte Menschen sofort die Polizei alarmieren. Dafür sind die 110 oder in nicht so dringenden Fällen im Rhein-Kreis die 3000 schließlich da." Das Weiterverbreiten von zweifelhaften Nachrichten über Facebook sei hingegen nicht hilfreich. "Wir warnen davor, Inhalte zu teilen, ohne die Quelle zu prüfen", so Dässel. Das könne im Einzelfall sogar strafbar sein, wenn Tatbestände wie Verleumdung oder das Vortäuschen einer Straftat erfüllt seien.

Fest steht auf jeden Fall, dass die Ermittlungen aufgrund von Facebook-Gerüchten ungeheuer aufwendig sind und der Polizei Arbeitsstunden kosten, die anderer Stelle wohl sinnvoller eingesetzt werden könnten. Und auf noch einen Umstand weist Daniela Dässel hin: "Obwohl für den Rhein-Kreis keine konkreten Hinweise vorliegen, wissen wir, dass solche Sachverhalte von bestimmten Gruppierungen zu Panikmache und Hetze instrumentalisiert werden."

Quelle: NGZ
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