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Rhein-Kreis Neuss
Gewerkschaft warnt vor "Alters-Hartz-IV"

Rhein-Kreis Neuss: Gewerkschaft warnt vor "Alters-Hartz-IV"
Immer mehr Rentner haben oft Ebbe im Portemonnaie. FOTO: NGG
Rhein-Kreis Neuss. Die Zahl der Menschen, die im Rhein-Kreis Neuss neben ihrer Rente auf Grundsicherung angewiesen sind, ist in den vergangenen zehn Jahren um 55 Prozent gestiegen. 4313 Bezieher von "Alters-Hartz-IV" zählte der Kreis zuletzt. Das teilte die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) Krefeld-Neuss jetzt mit.

Sie bezieht sich dabei auf Angaben des Statistischen Landesamts. NGG-Geschäftsführerin Manja Wiesner nennt die Zahlen einen "Weckruf" und fordert einen Kurswechsel in der Rentenpolitik. "Zwar ist die Rentenkasse so gut gefüllt wie lange nicht, aber Geringverdiener profitieren kaum von der nächsten Erhöhung", betont Wiesner. Gerade Frauen und Alleinerziehenden bleibe trotz vieler Arbeitsjahre der Gang zum Sozialamt häufig nicht erspart. Verschärfen dürfte sich die Lage in den nächsten zwei Jahrzehnten: Nach einer aktuellen Studie der Bertelsmann-Stiftung wird das Armutsrisiko besonders für die geburtenstarken Jahrgänge der 1950er- und 1960er-Jahre ansteigen - von aktuell 15 auf 20 Prozent im Jahr 2036. Als armutsgefährdet gilt ein Rentner, dessen Netto-Einkommen unter 958 Euro monatlich liegt.

Die NGG plädiert für eine Stärkung der gesetzlichen Rentenversicherung. "Das Rentenniveau - also der Anteil der späteren Rente am Netto-Verdienst - muss unbedingt stabilisiert werden. Im Moment sind es 48 Prozent - langfristig sollten wir eher auf 50 Prozent kommen", so Wiesner. Die Politik müsse handeln. "Enorm wichtig ist aber auch die betriebliche Altersvorsorge. Sie ist ein großer Schutz gegen Altersarmut - gerade wenn sie fest im Tarifvertrag verankert ist." Immerhin gelte ab Januar: Betriebsrenten dürfen nicht mehr voll auf die Grundsicherung angerechnet werden. Ein neues Gesetz garantiere Freibeträge. "Damit haben etwa Kellnerinnen und Bäcker im Ruhestand deutlich mehr in der Tasche - vorausgesetzt, im Betrieb gilt ein tariflicher Altersvorsorgevertrag."

Quelle: NGZ
 
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