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Rhein-Kreis Neuss
Gründer- und Unternehmertag: Sprung in Selbstständigkeit ist teuer

Rhein-Kreis Neuss: Gründer- und Unternehmertag: Sprung in Selbstständigkeit ist teuer
Beim Gründer- und Unternehmertag in Dormagen erkundigte sich Margarete Gatnar auch bei Hildegard Fuhrmann. FOTO: "Tinter, Anja (ati)"
Rhein-Kreis Neuss. Margarete Gatnar hat einen Traum. "Ich möchte mich als Heilpraktikerin selbstständig machen", sagt die 47-Jährige. Dafür hat die gelernte Krankenschwester noch einmal eine Ausbildung gemacht, die Prüfung erfolgreich geschafft. Beim Gründer- und Unternehmertag, den die Wirtschaftsförderung des Rhein-Kreises Neuss mit der Stadt Dormagen und der IHK Mittlerer Niederrhein gestern in der Dormagener Kulturhalle ausrichtet, will sie nun weitere Informationen sammeln. Denn der Sprung in die Selbstständigkeit ist nicht leicht. Von Dagmar Fischbach

Anke Watty hat ihn schon gewagt. Die Diplom-Biologin arbeitet als mobile Tierheilpraktikerin in Dormagen. "Ich war zuvor als Pharmareferentin tätig. Aber der Job hat mich nicht mehr ausgefüllt. Ich wollte mein Hobby zum Beruf machen", erzählt sie. Tiere und Naturheilkunde, dafür konnte sich Anke Watty begeistern. "Ich hatte selbst mal ein Pferd. Es erkrankte an Krebs. Da habe ich gesehen, welche Möglichkeiten die Naturheilkunde bietet und was Heilpraktiker leisten können", erinnert sie sich. Sie machte eine Ausbildung zur Tierheilpraktikerin und begann ihre selbstständige Tätigkeit neben der festen Anstellung. Dann verlor sie ihren Job. "Da stand für mich fest, dass ich nur noch das tun wollte, was mir wirklich Spaß macht", sagt sie. Seit Mitte Oktober kutschiert sie mit ihrem Wagen zu ihren behaarten oder gefiederten Patienten. "Davon leben kann ich noch lange nicht. Aber ich habe einen Gründerzuschuss vom Arbeitsamt bekommen", so Anke Witty. Sechs Monate lang bekommt sie von der Agentur für Arbeit den Zuschuss, der in etwa der Höhe ihres Arbeitslosengeldes entspricht. "Trotzdem ist es gut, noch ein finanzielles Polster zu haben. Selbstständigkeit ist teuer" stellt sie fest. Auch Wirtschaftsförderin Hildegard Fuhrmann vom Rhein-Kreis Neuss warnt vor einem blauäugigen Start ins eigene Unternehmen. "Es erfordert neben der guten Idee eine solide Finanzierung, eine Marketingstrategie und vor allem zu Leute kennen. Netzwerken ist ganz wichtig bei der Selbstständigkeit." Das weiß auch Thomas Coenen. Der 46-jährige hat vor rund einem Jahr seinen Käseladen in der Neusser Innenstadt eröffnet. "Zum Glück bin ich ein Vereinsmensch und habe darüber viele Kontakte. Aber natürlich muss ich auch Qualität anbieten. Sonst kommen die Leute ein Mal und nie wieder", sagt er. Coenen ist gelernter Koch und hat lange in der Gastronomie gearbeitet. "Als mein letzter Arbeitgeber dicht gemacht hat, entschloss ich mich etwas Eigenes aufzubauen", erzählt er. Dabei habe es zahllose Hürden gegeben und sehr viele Anträge auszufüllen.

25 Aussteller waren es in der Kulturhalle. Neben Unternehmern, die über ihre Erfahrungen berichten, sind auch Vertreter von Verbänden und Banken sowie Steuerberater und Werbeexperten dabei. Krankenschwester Gatnar hat sich einen Überblick verschafft. "Für mich ist klar, dass ich meinen Job nicht kündigen werde. Die Selbstständigkeit kann und soll für mich nur ein zweites Standbein sein", sagt sie.

Quelle: NGZ
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