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Rhein-Kreis Neuss
Gute Lage des Kreises lockt die Chinesen

Rhein-Kreis Neuss. Der Rhein-Kreis ist einer der größten China-Standorte in NRW. Vor allem im Textilbereich siedeln sich die Unternehmen aus dem Reich der Mitte an. Allerdings seien die Lieferungen nach China seit dem Börsen-Krach rückläufig. Von Nicole Scharfetter

Die Chinesen, die in den Rhein-Kreis kommen, bereichern die Region. Inzwischen kochen sie sogar richtiges chinesisches Essen, fernab von gebratenen Nudeln und frittierten Frühlingsrollen - wie am Glockenhammer, wo vor kurzem der "China-Gourmet" aufgemacht hat. Hühnerfüße stehen auf der Speisekarte, allerlei Schalentiere und Maotai-Schnaps. Manche Gerichte haben mehr Ähnlichkeit mit einer Dschungelprüfung als mit einem Essen.

Nicht mehr nur Asiaten mögen diese Spezialitäten. Die Beziehungen zum Reich der Mitte werden immer intensiver, so lernen die Europäer Hühnerfüße kennen - und manche sogar schätzen. Angst vor der Konkurrenz im Umland haben die Chinesen im Rhein-Kreis offensichtlich keine. Auch, wenn sich in Düsseldorf bald der Hot-Pot Multi Dejian Li niederlassen will. Seiner Firma "De Zhuang" gehören 600 Restaurants in China an, das Unternehmen beschäftigt 35.000 Mitarbeiter.

"China ist der zweitwichtigste Handelspartner für NRW", sagt Benjamin Josephs von der Kreis-Wirtschaftsförderung. 30 Milliarden Euro würden zwischen China und NRW im Jahr umgesetzt. "Die Zahlen gibt es leider nur auf Länderebene", erklärt er. Aber so viel sei sicher: "Der Rhein-Kreis ist einer der größten China-Standorte in NRW." Mittelgroße Unternehmen wie der Automobilzulieferer Yangfeng haben sich niedergelassen, durch einen Besuch einer chinesischen Delegation entschied der Feinwaagen-Hersteller G&G Messtechnik, sich anzusiedeln. Mit seiner zentralen Lage könne die Region punkten, "der Kreis liegt Mitten in Europas Ballungsgebiet", sagt Josephs. Die Wirtschaftsstruktur sei stark durch die Handelspartner, und die gute Anbindung mit Flughafen und Neuss-Düsseldorfer Häfen locke viele ausländische Unternehmen an. Besonders beliebt sei bei den Chinesen die Neusser Textilbranche, seit 13 Jahren gibt es im Euromoda ein "China-Town", das inzwischen circa ein Viertel der Gesamtkapazität in dem Modezentrum an der Anton-Kux-Straße einnimmt.

Außerdem gebe es zahlreiche Unternehmen in der Region, die Beziehungen zu chinesischen Unternehmen pflegen. "China ist nach wie vor ein wichtiger Handelspartner für den Kreis", sagt Stefan Enders, Bereichsleiter International bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein. China sei das viertwichtigste Exportland, nach der Eurozone, den übrigen europäischen Staaten sowie Nordamerika mit Mexiko. Allerdings seien die Lieferungen nach China in den vergangenen sechs Monaten rückläufig gewesen. Den Börsen-Krach Anfang des Jahres "spüren manche Branchen", sagt Enders. Auch wenn die Unsicherheit oft psychologische Ursachen habe, fügt er hinzu.

Zwischen der Stadt Neuss und China gebe es zwar keinen aktiven Austausch, vor zwölf Jahren aber sei eine Delegation unter dem damaligen Bürgermeister Herbert Napp nach Ruian gereist. Delegierte des Rhein-Kreises Neuss ziehe es immer mal wieder nach China, vor allem, um für die Neuss-Düsseldorfer Häfen und den Standort zu werben. "In Nanjing, Quingdao und Shanghai sind die Kollegen gewesen", sagt Josephs. Im November kamen Vertreter des Armeekrankenhauses in Nanjing nach Neuss ins Lukaskrankenhaus, "und vor kurzem war unser Gefäßchirurg Lazlo Pinter noch in Shanghai bei einem Kongress", sagt Ulla Dahmen von der Klinik.

Rund 200 Unternehmen in und um Neuss haben nach Angaben der Stadt Neuss einen chinesischen Ursprung - vor allem in den Sektoren Mode, Schmuck und Accessoires. Beliebt bei den Chinesen sind Euromoda, Imotex und das Rheinpark-Center. Rund 900 Chinesen leben im Rhein-Kreis, 698 seien es allein in Neuss. Nur ein Bruchteil von ihnen arbeitet tatsächlich in der Gastronomie, weiß Thomas Kolaric, Geschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) im Regierungsbezirk Düsseldorf. "Weniger als drei Prozent der Gesamtmitglieder der Dehoga in NRW sind Chinesen", sagt Kolaric. Aber: "Sie bereichern das Angebot des Gastgewerbes", findet Kolaric. Und mehr noch: Von den guten Beziehungen zu China profitieren zum Beispiel Zwilling von der Wehrhahn-Gruppe oder FWG-IHW technische Federn, die unter anderem für Windräder Teile produzieren. Die Chinesen können eben mehr als "All-you-can-eat-Buffets". Sie können vor allem handeln, mit dem Rhein-Kreis, der Region und der Welt.

Quelle: NGZ
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