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Rhein-Kreis Neuss
John Banovetz - der "US-Rheinländer"

Rhein-Kreis Neuss: John Banovetz - der "US-Rheinländer"
John Banovetz in der Zentrale der 3M-DACH-Region an der Carl-Schurz-Straße in Neuss: Er gibt ein klares Bekenntnis zum Standort im Rhein-Kreis ab. FOTO: L. Berns
Rhein-Kreis Neuss. Seit Februar ist der US-Amerikaner John Banovetz Managing Director der 3M-DACH-Region. Von der Zentrale in Neuss aus führt er die Aktivitäten in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Im Rheinland hat er sich gut eingelebt. Von Andreas Buchbauer

An Bundesliga-Spieltagen trifft John Banovetz zu Hause so gut wie immer auf Gewinner. Die Familie des US-Amerikaners, der seit Februar Managing Director und damit Chef der 3M-DACH-Region ist und die Geschicke des Multitechnologiekonzerns in Deutschland, Österreich und der Schweiz von seinem Büro in Neuss aus leitet, hat nicht nur den Fußball ins Herz geschlossen, sondern auch die Westvereine. "Ich fiebere mit Borussia Mönchengladbach, meine Frau drückt Schalke die Daumen, meine beiden Söhne halten zu Bayer Leverkusen beziehungsweise Borussia Dortmund und meine Tochter zum 1.FC Köln", sagt er. Wenn man so möchte, ist Familie Banovetz so etwas wie das "Team Nordrhein-Westfalen", und das passt ganz gut. Der Fußball ist Kulturgut, er gehört zu NRW wie das Altbier zum Rheinland, und John Banovetz ist jemand, der nicht nur wissen möchte, wie die Menschen, in deren Mitte er lebt, ticken, was sie denken, wie sie fühlen. Der 3M-Chef möchte ein Teil des Lebens in seiner neuen Heimat sein, verstehen, was die Menschen bewegt und beschäftigt.

Als "Open minded" würde man John Banovetz in den USA bezeichnen, und das beschreibt den 49-Jährigen ganz gut. Mit seiner Art kommt er bei den Mitarbeitern an. Anfangs wurde beim Mittagessen auch schon mal getuschelt. "Ich glaube, ich habe unseren Chef heute Morgen in der Straßenbahn auf dem Weg zur Arbeit gesehen", hieß es dann - und es war durchaus anerkennend gemeint. Gerade zu Beginn seiner Tätigkeit nahm Banovetz ganz gerne die Bahn, das passt zu seiner unprätentiösen Art. Die Mitarbeiter spürten schnell: "Der Neue" ist kein abgehobener Manager-Typ, der Entscheidungen im Elfenbeinturm trifft. Im Gegenteil - er ist ziemlich dicht dran an seinen Mitarbeitern, hört zu, ist offen, und das muss er auch sein. "Deutschland ist der bedeutendste Forschungsstandort von 3M außerhalb der USA. Wir haben in Neuss eines von weltweit vier Corporate Labs", sagt Banovetz.

Die Technologie- und Produktentwicklung ist einer der Kernbereiche von 3M, das als eines der weltweit innovativsten Unternehmen gilt und jährlich mehr als 1300 neue Produkte zur Marktreife bringt. Zum Portfolio gehören mehr als 50.000 Produkte, das Herzstück bilden über 1000 Marken wie Post-it, Thinsulate, Scotch, Nexcare und Littmann. Insgesamt hält 3M mehr als 25.000 Patente.

Rund 650 Forscher arbeiten in der DACH-Region an der Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen, 360 davon in Neuss. Insgesamt zählt die DACH-Region 7350 Mitarbeiter, 1300 arbeiten am Standort Neuss. "Wir haben spannende Monate hinter uns, in denen sich sehr viel getan und verändert hat", sagt Banovetz. Der DACH-Zuschnitt ist noch recht jung, bis Ende 2015 gab es eigenständige 3M-Gesellschaften in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Durch die neue Struktur wurde der Standort Neuss gestärkt - eine große Chance, aber auch eine große Verantwortung. Schließlich zählt die DACH-Region mit einem Umsatz von rund 2,4 Milliarden Euro nach China/Hongkong und Japan zu den umsatzstärksten Regionen von 3M außerhalb der USA.

Auch deshalb wird investiert. Rund 70 Millionen Euro fließen in den Bau moderner Fertigungsanlagen für medizinische Produkte in Kamen und 36 Millionen Euro in den Wuppertaler Standort. Das NRW-Wirtschaftsministerium und die landeseigene Wirtschaftsförderungsgesellschaft NRW.Invest würdigten die Investitionen von 3M in der Region kürzlich mit dem NRW.Invest-Award. NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin lobte, dass das Unternehmen seine Aktivitäten in NRW seit Jahrzehnten konsequent ausbaut.

Investitionen in die Infrastruktur sind das eine, der Glaube an und die Perspektiven für Mitarbeiter das andere. "Es gehört zur Unternehmenskultur, dass wir ihnen Entwicklungsperspektiven bieten", sagt Banovetz. "Man kann bei 3M seine ganze Karriere verbringen, aber man muss dabei nicht im selben Job bleiben." Er selbst ist da ein gutes Beispiel: Als der promovierte Chemiker 1995 bei 3M anfing, arbeitete er zunächst in der Klebstoff-Forschung am Hauptsitz des Konzerns in St. Paul/Minnesota. Es folgten Aufgaben in den Bereichen Forschung und Entwicklung, strategische Planung, verschiedene Business-Funktionen, und seit Februar der Posten als Managing Director.

Im Rhein-Kreis ist John Banovetz heimisch geworden. Seinen Wohnsitz hat er zwar in Düsseldorf, aber zum Einkaufsbummel zieht es ihn regelmäßig nach Neuss. Auch das Schützenfest hat er im August mitgefeiert. "Es war großartig. Der Fackelzug, die Königsparade - so etwas hatte ich vorher noch nie erlebt." Das Leben im Rheinland sei angenehm, es gibt stets Neues zu entdecken. Kulturell, aber auch was die Natur anbelangt. "Die Lebensqualität ist fantastisch."

Nur eine Sache aus den USA vermisst er. "Meinen großen BBQ-Grill", sagt John Banovetz. Aber Grillen, das gehört ja auch zur rheinischen Kultur - am besten samstags nach dem Fußball.

Quelle: NGZ
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