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Rhein-Kreis Neuss
Junge Christen wollen Netzwerk bilden

Rhein-Kreis Neuss. Die Initiative "Runter vom Sofa"wendet sich an Gläubige, die von den Angeboten der Kirche kaum noch erreicht werden. Von Daniel Boss

Die kirchliche Heimat von Franziska Bongartz ist St. Clemens in Kapellen. Hier war sie früher Messdienerin, später auch Leiterin. Heute gehört sie dem Pfarrgemeinderat der Pfarreiengemeinschaft Niedererft an. Es ist also nicht übertrieben zu sagen, dass die 23-Jährige eine für ihr Alter außergewöhnlich starke Bindung zur katholischen Kirche hat. Allerdings: So eng wie einst ist diese Beziehung nicht mehr. Vor vier Jahren ist Franziska Bongartz für ihr Studium der Volkswirtschaftslehre von Kapellen nach Essen gezogen. Auch an den Wochenenden bleibt sie oft im Ruhrgebiet. "Ich habe irgendwann gemerkt, dass ich nicht mehr so oft in die Kirche gehe wie früher", erzählt sie. Sie glaube, es fehle das richtige Angebot für Menschen ihres Alters. Doch sie gibt auch offen zu, dass die klassische Sonntagmorgen-Messe für Partygänger mit Schlafbedürfnis eine Herausforderung darstellt.

Um Menschen mit ähnlichem "Background" wieder mehr in die Kirche zu locken, hat sich auf Initiative von Thomas Kaumanns (35) die lockere Initiative "Runter vom Sofa - Kirche für junge Erwachsene" gebildet. Bisher zählt sie fünf Aktive aus dem gesamten Rhein-Kreis inklusive Bongartz und Kaumanns. "Wir sind alle in komplett unterschiedlichen Lebenssituationen", sagt der CDU-Stadtverordnete aus Neuss. Das Spektrum reiche von der unverheirateten Studentin bis zum Familienvater. "Was uns verbindet, ist, dass wir als Kinder und Jugendliche kirchlich aktiv waren." Kaumanns selbst war Ministrant in St. Marien und engagierte sich auch in der Pfarrjugend.

"Viele, die altersmäßig aus der Jugendarbeit herausgewachsen sind, verlieren den Kontakt zur Kirche und ihren Angeboten, bis vielleicht die eigene Hochzeit oder Familiengründung einen Anlass dazu bieten, den Draht wieder zu knüpfen", so seine Erfahrung. Der gelebte Glaube gehöre in dieser Zeit nicht mehr selbstverständlich zum Alltag, kirchliche Angebote gebe es kaum. Um die Situation zu verdeutlichen, "klaut" sich der Neusser ein Zitat: "Die Kirche ist wie ein Hörgeräte-Laden. Es ist gut, dass es sie gibt, aber als junger Mensch geht man vorbei, weil sie nicht zu den Bedürfnissen passt."

"Deshalb haben wir für uns und für andere ein Programm erstellt, das aus Gottesdiensten sowie thematischen und geselligen Veranstaltungen besteht. Wir möchten verschiedene Gottesdienstformen entdecken, uns mit der Bedeutung des Glaubens für unser eigenes Leben auseinandersetzen, aber auch gemütliche Stunden miteinander verbringen", so Thomas Kaumanns.

Das Team arbeitet ehrenamtlich, wird mit einer Anschubfinanzierung vom Katholikenrat im Rhein-Kreis unterstützt. Der Kaarster Pfarrvikar Gregor Ottersbach begleitet die Gruppe bei ihrem Angebot, das sich auch an Nicht-Katholiken richtet.

Kaumanns spricht von einem Programm, das "Herz und Hirn" gleichermaßen ansprechen soll. Zu den Veranstaltungen bis zum Sommer - dann soll ein Fazit gezogen werden - gehören unter anderem ein Gespräch mit Weihbischof Dominik Schwaderlapp, ein Ortstermin im Neusser Augustinus-Hospiz und ein Grillabend. Als fixer Termin für die Treffen steht der zweite Sonntag im Monat fest, immer abends im Quirinusmünster oder im benachbarten Pfarrzentrum.

Quelle: NGZ
 
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