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Rhein-Kreis Neuss
Junge Familien entdecken die Kleingärten

Rhein-Kreis Neuss: Junge Familien entdecken die Kleingärten
Vassilij und Eugenia Gräfenstein freuen sich mit Töchterchen Melissa (4) bereits auf den Frühling im Schrebergarten. FOTO: Anja Tinter
Rhein-Kreis Neuss. Urlaub vom Alltag, frisches Obst und Gemüse, Geselligkeit mit Gleichgesinnten - es gibt viele Gründe, warum sich auch Jüngere wieder für ein eigenes Stückchen Land entscheiden. Drei Besuche bei der neuen Generation Laubenpieper. Von Dagmar Fischbach und Franziska Gräfe

Das zweite Zuhause der Familie Rabus steht am Rosenweg. In der Kleingartenanlage "Feste Zons" leben Ramona und Franco mit ihren Söhnen Lando (9) und Sandro (6) ihren Traum vom Schrebergarten. Urlaub vom Alltag auf 380 Quadratmetern, und das im Sommer fast täglich. "Nach der Schule Hausaufgaben machen und dann ab in den Garten", sagt Ramona und lacht.

Direkt hinterm Eingangstor gedeihen Paprika, Kartoffeln, Tomaten und Kohlrabi, auch mal Mangold oder Süßkartoffeln. "Im Moment pflanzen wir Stachelbeeren", erzählt sie. Noch liegt die Grillecke brach, aber die kleine Fontäne im Teich plätschert schon. Der kühle Wind lässt frösteln, aber Lando und Sandro bolzen sich auf der großen Rasenfläche warm. Man spürt: Familie Rabus wartet auf den ersten Sonnenstrahl als Startschuss für die Gartensaison. "Wir sind hier meist ab Mitte März bis in den späten Herbst", sagt Franco. Gekocht wird mit Gas, oder es raucht der Grill. Strom gibt's noch nicht. Manch alteingesessener Laubenpieper sträubt sich dagegen, zum Rasenmähen schmeißt Franco den Generator an. "In manchen Dingen muss man eben erfinderisch sein", sagt Ramona. Was sie am Schrebergarten liebt? "Die Kinder können laufen, wir haben supernette Nachbarn und den ganzen Tag Sonne, weil unser Garten mitten in der Anlage liegt."

Die Familie Sosinka fühlt sich wohl auf ihrer 300 Quadratmeter großen Parzelle in der Kleingartenanlage am Torfstecherweg in Gustorf. FOTO: Anja Tinter

Gepachtet haben sie die Parzelle vor acht Jahren, wohnten damals in einer Dachgeschosswohnung. Mittlerweile sind sie zu viert und in ein Haus gezogen. Die Datsche bleibt. "Klar höre ich oft die Frage, Du hast doch Garten am Haus, warum dann noch das hier?" erzählt Franco. Weil dieses Stückchen Freiheit zwischen Wald und Feld einfach unbezahlbar sei. Im metaphorischen Sinne, versteht sich: Mit knapp 300 Euro an Pacht und Gebühren ist die eigene Laube ein erschwingliches Vergnügen für junge Familien, findet Ramona. Und die, so hat sie festgestellt, werden auch im Kleingartengelände Feste Zons immer mehr.

Vor rund drei Jahren hat Familie Sosinka ihre Parzelle im Kleingartenverein am Torfstecherweg in Grevenbroich bezogen. "Ich bin immer mit dem Kinderwagen durch die Anlage spaziert und habe davon geträumt, einen Garten hier zu bekommen. Wir haben uns auf die Warteliste setzen lassen und nach einigen Monaten das Grundstück mit Laube von einer älteren Dame übernehmen können", erzählt Susan Sosinka. Vor allem für ihren zweijährigen Sohn Bela und die vierjährige Tochter Paula ist die 300-Quadratmeter-Parzelle ein Traum. "Die Kinder können Freunde zum Toben einladen und sie lernen, dass Gemüse nicht im Supermarkt wächst. Ich erkläre ihnen genau, was man essen kann und was nicht", sagt Mutter Susan.

Auszeit: Franco und Ramona Rabus sowie ihre Kinder Lando und Sandro haben im Kleingartenverein Feste Zons ihr Paradies gefunden. FOTO: Lothar Berns

Derzeit gestaltet die 34-Jährige mit ihrem Mann Stefan den Garten von einer Zier- zur Nutzfläche um. "Im vergangenen Jahr haben wir Kartoffeln und Spinat ernten können. Jetzt ist ein Hochbeet dazu gekommen. Nach den Eisheiligen werden wir Johannis- und Stachelbeersträucher pflanzen. Es ist schon eine Menge Arbeit. Aber uns drängt ja nichts und es ist einfach schön, die eigene Ernte genießen zu können", sagt sie.

Ihr Garten ist für die junge Familie aber auch ein Ort der Geselligkeit. Einmal pro Monat treffen sich die Kleingärtner zu Kaffee und Kuchen im Vereinsheim. "Die Kinder knüpfen schnell Freundschaften. Und für meinen Mann ist es auch großartig. Als er in seinem Schützenverein Zugkönig geworden ist, haben wir das im Garten feiern können", erzählt Susan Sosinka.

In der Kleingartenanlage "Holzbüttgener Haus" in Kaarst sieht die Parzelle der Familie Gräfenstein unterdessen noch ein bisschen nach Baustelle aus. "Wir haben den Garten erst im Dezember übernommen und fangen gerade an, ihn nach unseren Vorstellungen zu gestalten", sagt Vassilij Gräfenstein. Mit seiner Frau Eugenia und der vierjährige Tochter Melissa möchte der 35-Jährige auf dem 320-Quadratmeter-Grundstück einen Nutzgarten anlegen. "Wir wollen Kartoffeln anpflanzen, Möhren, Tomaten - einfach alles mal ausprobieren. Aber zunächst mussten wir ein wenig auslichten. Die Vorbesitzer hatten überwiegend Büsche und Blumen ", erklärt er.

Die ersten Nutzpflanzen hat die Familie aber schon in die Beete gebracht: Schwarze Johannisbeeren, Stachel- und Himbeeren. "Die Sträucher haben wir von meiner Schwiegermutter bekommen. Sie hat ein Haus mit Garten", sagt Gräfenstein. Bisher sei die junge Familie häufig dort zu Gast gewesen. "Aber wir haben uns immer ein eigenes Stückchen Grün gewünscht", erzählt Gräfenstein.

Die junge Familie hatte Glück. Nach nur drei Monaten Wartezeit bekam sie die Parzelle in der Kaarster Kleingartenanlage, die nur rund fünf Fahrradminuten von ihrer Wohnung entfernt ist. "Es sind einige Bewerber abgesprungen. Deshalb ist es so schnell gegangen. Wir haben natürlich sofort zugegriffen", so der Vater, der sich auf seinen ersten Familiensommer im eigenen Garten freut.

Und Töchterchen Melissa? "Sie ist völlig begeistert. Sie hat ein Trampolin bekommen und möchte damit am liebsten nur noch im Garten rumspringen", sagt Gräfenstein schmunzelnd.

Quelle: NGZ
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