| 00.00 Uhr

Rhein-Kreis Neuss
Kampf gegen Klischees bei Berufswahl

Rhein-Kreis Neuss: Kampf gegen Klischees bei Berufswahl
Zahlreiche Betriebe im Rhein-Kreis beteiligten sich - wie hier die Pierburg GmbH - an den Aktionstagen "Girls Day" und "Boys Day". Neben der Berufsorientierung sollten sich Schüler dabei auch mit geschlechterspezifischen Rollenbildern auseinandersetzen.
Rhein-Kreis Neuss. Die Arbeitsagentur startet die Kampagne "Typisch ich" und holt dabei YouTube-Stars ins Boot. Bei der Berufswahl soll mit Geschlechterklischees gebrochen werden. Dieses Ziel verfolgen auch die Aktionstage "Girls Day" und "Boys Day". Von Andreas Buchbauer

Mit "Flugzeugen im Bauch" kann Herbert Grönemeyer bei der 17-jährigen Julia nicht punkten. "Andere haben Flugzeuge im Bauch. Ich eben im Kopf", sagt sie - und das ziemlich öffentlichkeitswirksam. Die Auszubildende zur Mechanikerin ist Teil der neuen Online-Kampagne "Typisch ich". Aus der Taufe gehoben wurde das Projekt von der Bundesagentur für Arbeit. Das Ziel: mit Rollenklischees bei der Berufswahl brechen.

Neben Auszubildenden wie Julia, die ihre Erfahrungen schildern, holt die Arbeitsagentur YouTube- und Instagram-Stars ins Boot. Joyce Ilg zum Beispiel betreibt seit drei Jahren einen YouTube-Kanal und hat inzwischen mehr als 1,1 Millionen Abonnenten. Das bedeutet Reichweite, und Reichweite ist gut: Die Arbeitsagentur möchte schließlich möglichst viele junge Menschen mit ihrer Kampagne ansprechen. Und diese jungen Menschen sind auch die Zielgruppe von Joyce Ilg.

"Die große Frage" lautet ihr YouTube-Video zur Kampagne "Typisch ich". Bis gestern wurde es bereits mehr als 236.000 Mal geklickt. Für Karin Schliffke, Sprecherin der auch für den Rhein-Kreis Neuss zuständigen Arbeitsagentur in Mönchengladbach, ist das ein deutliches Zeichen. Das klassische Fernsehen habe an Bedeutung eingebüßt. "

Jugendliche besorgen sich ihre Informationen immer mehr bei YouTube", sagt Schliffke. Das deckt sich mit Daten aus der JIM-Studie (Jugend, Information, Multimedia), die sich mit dem Medienkonsum von Jugendlichen befasst. Für die Studie wurden Zwölf- bis 19-Jährige in Deutschland zu 14 vorgegebenen Themenkategorien gefragt, wie wichtig es für sie sei, über neue Entwicklungen schnell Bescheid zu wissen.

Zudem wurde nach den am häufigsten genutzten Informationsquellen gefragt. Rund 75 Prozent ist es demnach wichtig, schnell über das Themenfeld "Ausbildung und Beruf" Bescheid zu wissen. Und wenn sich Jugendliche online tummeln, spielt YouTube eine wichtige Rolle. Mehr als 61 Prozent der Befragten nannten die Videoplattform als beliebtestes Internetangebot. Das will die Arbeitsagentur nutzen, um mit Rollenklischees zu brechen.

Der Kampagnenstart flankiert dabei nicht zufällig den am Donnerstag abgehaltenen "Girls Day" beziehungsweise "Boys Day". Die Aktionstage verfolgen schließlich ein ähnliches Ziel. Der Bedarf besteht, denn dass die Rollenklischees nach wie vor verankert sind, beweist ein Blick in die Top Ten der Berufsausbildungsstellen für den Rhein-Kreis Neuss. In den von der Arbeitsagentur vorgelegten Daten stehen bei den männlichen Auszubildenden Industriemechaniker, Kfz-Mechatroniker, Chemikant und Elektroniker für Betriebstechnik hoch in der Gunst. Die weiblichen Auszubildenden streben häufig weniger technische Berufe an - zum Beispiel medizinische Fachangestellte. Angela Schoofs, Leiterin der Arbeitsagentur in Mönchengladbach, betont, dass dies nicht so bleiben soll. Bei der Berufswahl sei es nicht von Bedeutung, ob der Bewerber männlich oder weiblich ist. "Entscheidend sind die eigenen Stärken."

Quelle: NGZ
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Rhein-Kreis Neuss: Kampf gegen Klischees bei Berufswahl


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.