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Rhein-Kreis Neuss
Kreis nimmt Pflegesituation in den Kommunen unter die Lupe

Rhein-Kreis Neuss. Laut Gesetz muss eine örtliche Planung entstehen, die im Dezember vorgestellt werden soll. Zum Teil fehlt Personal im Pflegebereich. Von Julia Hagenacker

Die Sicherstellung der Altenpflege ist eine der großen Herausforderungen dieser Zeit. Das wurde jetzt auch bei einer Konferenz im Kreishaus Grevenbroich deutlich. Gemäß des Alten- und Pflegegesetzes für NRW muss der Rhein-Kreis Neuss künftig eine örtliche Planung erstellen. Dafür wird die Pflegesituation in jeder Kommune unter die Lupe genommen und eine Gegenüberstellung der vorhandenen Angebote und des Bedarfs der Bevölkerung erarbeitet. "Dabei hat sich zum Beispiel herausgestellt, dass wir eine Pendlersituation in Bezug auf die Unterbringung von Pflegebedürftigen haben - zuungunsten des Rhein-Kreises", sagt Henkel. "Tatsächlich nehmen die Pflegeeinrichtungen in den Kreis-Kommunen sechs Prozent mehr an Bewohnern auf, als sie an die umliegenden Großstädte abgeben." In Meerbusch seien viele Betten mit Düsseldorfern, Neussern und Krefeldern belegt.

Im Dezember soll der Abschlussbericht für die örtliche Planung im Sozial- und Gesundheitsausschuss des Kreises vorgestellt werden - auf den dann auch Handlungsempfehlungen folgen. "Wenn wir uns mit der demografischen Entwicklung und ihren Folgen befassen, betreten wir keineswegs Neuland", sagt Landrat Hans-Jürgen Petrauschke. Bereits 1976 habe sich ein erstes Gutachten intensiv mit der Situation der Senioren und den Problemen der Altenhilfe beschäftigt. Schon früher hätten die älteren Menschen den Wunsch geäußert, so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden zu bleiben. Der Grundsatz "ambulant vor stationär" gelte weiterhin. "Und das nicht nur wegen des Wunsches unserer Senioren", sagt Petrauschke. Der Arbeitsmarkt gebe das in den Heimen benötigte Pflegepersonal gar nicht mehr her. Und die Ausgabensteigerungen - auch bei den kommunalen Haushalten - müssten gebremst werden, damit die Pflege bezahlbar bleibt.

Vor diesem Hintergrund baut der Rhein-Kreis seine Online-Dienste weiter aus. Nach der Heimfinder-App hat die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit in Zusammenarbeit mit dem Kreissozialamt ein Hinweis- und Beschwerdeportal für den Bereich Pflegedienste eingerichtet. Unter dem Link "www.rhein-kreis-neuss.de/beschwerdeportal-pflege" können Bürger und Pflegekräfte Mitarbeiter des Sozialamtes auf Probleme in der Heimpflege aufmerksam machen. Diese Hinweise seien nicht für Dritte sichtbar, heißt es. Auch anonyme Hinweise auf Pflegemängel seien möglich. Wie bisher können Bürger der Heimaufsicht aber auch schriftlich, telefonisch, per E-Mail oder im persönlichen Gespräch Hinweise geben. Allein 72 Beschwerden sind auf diesem Wege im Jahr 2016 bei Marcus Mertens, Leiter der Heimaufsicht, und seinem Team eingegangen - 13 in den vergangenen zwei Jahren (2015/2016) in Bezug auf die sechs Meerbuscher Pflegeeinrichtungen mit insgesamt 554 Plätzen. Kreisweit die meisten Probleme gab es in den Bereichen Pflege und soziale Betreuung (32 Hinweise) sowie bei der personellen Ausstattung (28 Hinweise). Allgemein herrsche akuter Personalmangel im Pflegebereich, sagt Mertens. So konnte Ende vergangenen Jahres etwa auch der Mobile Hilfsdienst Meerbusch keine Patienten mehr versorgen.

Quelle: NGZ
 
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