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Rhein-Kreis Neuss
Künstler öffnen Ateliers für Besucher

Rhein-Kreis Neuss: Künstler öffnen Ateliers für Besucher
Bildhauer Jürgen Zaun ist Teil der Ateliergemeinschaft an der Uhlandstraße. Am Wochenende öffnete er - wie mehr als 200 weitere Künstler im Rhein-Kreis Neuss - die Türen zu seinen Arbeits- und Ausstellungsräumen. FOTO: Andreas Woitschützke
Rhein-Kreis Neuss. In allen Kommunen des Kreises haben Kunstschaffende am vergangenen Wochenende Einblick in ihre Arbeit gewährt. Mehr als 200 nahmen am "Arbeitsplatz Kunst" teil. Die NGZ war in Neuss in der Ateliergemeinschaft Uhlandstraße zu Gast. Von Susanne Zolke

So viele Künstler wie noch nie haben sich im Rhein-Kreis an der Aktion "Arbeitsplatz Kunst" beteiligt: Zum ersten Mal überstiegt die Zahl die 200er-Marke; in allen Kommunen hatten die Künstler am vergangenen Wochenende ihre Ateliers geöffnet, um jedem, der wollte, zu zeigen, womit und woran sie derzeit arbeiten. Dabei haben sich manche zu einer Künstlergemeinschaft auf Zeit zusammengetan, andere zeigten ihren Arbeitsplatz in den häuslichen vier Wänden, und die dritten arbeiten ohnehin in Ateliergemeinschaften oder -häusern.

Mitten im Werkraum des Bildhauers Jürgen Zaun etwa hängen rechteckige Steine, die mit Hilfe von dicken Drähten so befestigt sind, dass sie einen Kreis ergeben. "Das ist mein Beitrag zur Weltmeisterschaft. Man könnte es 'Das Runde muss ins Eckige' nennen", sagt Zaun im Scherz zu einigen seiner Besucher. Zaun ist Teil der Ateliergemeinschaft Uhlandstraße. Ein Großteil seiner Werke zeichnet sich durch das ungewöhnliche Zusammenspiel von Drähten und Steinen aus.

Nur ein kleiner dunkler Flur trennt die Werkstätte des Bildhauers von seinem Ateliernachbarn Zbyszek Gula, in dem die Besucher kaum wissen, wo sie zuerst hinschauen sollen. Baumartige Gebilde aus geschichteten Glasplatten, ein Haufen weißer Keramikwürste, begrünte Dinosaurier oder Lackmalereien - das Atelier wirkt wie die Ausgestaltung eines bunten, verwirrenden Traums. "Ich arbeite immer mit den Materialien, die mich gerade begeistern, inspiriert werde ich dabei von der Natur", sagt Gula, der seit 15 Jahren an der Uhlandstraße residiert. Nicht weniger vielfältig sieht es im Atelier von Ernst G. Herrmann aus, wo Totenköpfe aus eingefärbtem Bienenwachs, ein großflächiges Mosaik aus Autoblechen oder an Nervenbahnen erinnernde Zeichnungen das Bild bestimmen.

Eine Etage höher lädt der "Kuhsalon Café Plettscher" samt Musik und gemütlichen Sofas zu Kuchen, Gummibärchen und Kaffee ein. Die Künstlerinnen Claudia Ehrentraut und Michaela Masuhr, die sich das Atelier im ersten Stockwerk teilen, zeigen Fotografien, Linoldrucke und Malereien rund um das Thema Kuh. Nebenan übt sich der Maler Heribert Münch im Multitasking. Den Besuchern seine stimmungsvollen Kraftwerksbilder nahezubringen und gleichzeitig für sie Chili con Carne zu kochen, ist für ihn kein Problem. Als sein Gast stellt Barbara Meisner neben verschiedenen Zeichnungen ihre Vulkan-Installation aus, die besonders von den vielen Kindern neugierig beäugt wird.

Neben den sechs Künstlern, die an der Uhlandstraße ihr festes Atelier haben, zeigen in der zugehörigen Scheune elf weitere Maler, Bildhauer und Fotografen ihre Werke, so dass Besucher allein an diesem "Arbeitsplatz" einen ganzen Nachmittag verbringen könnten. Viele Künstler öffnen aber auch ihre privaten Ateliers. Das Schild vor dem Haus in einem Rosellener Wohngebiet weist darauf hin, dass sich auch dort ein "Arbeitsplatz Kunst" befindet - der von Christa Schöppel. Schon auf dem Weg in ihr Atelier im Keller des Hauses springen den Besuchern die intensiven, blautönigen Farbstudien oder die Akt-Reihe "Hommage an Raffael" ins Auge. Prägend sind für Schöppel allerdings hintersinnige Zeichnungen mit zahlreichen Figuren, die verschiedene Charaktere aufgreifen. Die gebürtige Berlinerin ist begeistert von der jährlichen Aktion. "Es ist toll, wenn Leute vorbei kommen, die man gar nicht kennt, und sich nach kurzer Zeit in tiefen Gesprächen über die Bilder wiederfindet."

Quelle: NGZ
 
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