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Rhein-Kreis Neuss
Landrat Petrauschke knackt die 60 Prozent

Rhein-Kreis Neuss: Hans-Jürgen Petrauschke feiert seinen Sieg
Rhein-Kreis Neuss: Hans-Jürgen Petrauschke feiert seinen Sieg FOTO: Tinter; Anja
Grevenbroich. Mit einem deutlichen Wahlsieg im Rücken geht Hans-Jürgen Petrauschke (CDU) in seine zweite Amtszeit als Landrat. Von Andreas Buchbauer

Als um 19.45 Uhr die Sektkorken im Flur vor dem Kreissitzungssaal knallen, sieht man Landrat Hans-Jürgen Petrauschke (CDU) die Freude an. Im Kreis von Vertrauten stößt der 59-Jährige auf seinen fulminanten Wahlsieg an. Mit 60,4 Prozent der Stimmen hat der Christdemokrat ein deutliches Ergebnis eingefahren und seinen Herausforderern bei der Landratswahl keine Chance gelassen. Der Grüne Hans Christian Markert, der von einem Fünfer-Bündnis aus Grünen, SPD, Die Linke, Piraten und Die Aktive unterstützt wurde, holte 36,1 Prozent, Adolf Robert Pamatat (Zentrum) 3,5 Prozent. Man merkt Petrauschke an, dass ihm ein Stein vom Herzen fällt. "Die vergangene Woche war extrem anstrengend", räumt der alte und neue Landrat ein. Rasch schiebt er nach, dass er weniger den Wahlkampf meine. "In Grevenbroich musste ja das Seniorenhaus ,Lindenhof' nach einem Brand evakuiert werden, außerdem haben wir kurzfristig neue Notunterkünfte für Flüchtlinge hergerichtet." Viel Zeit zum Durchschnaufen blieb da nicht.

Das Durchschnaufen holt Petrauschke gestern Abend im Kreissitzungssaal nach. Als sich der klare Wahlsieg abzeichnet, betritt der Landrat den gut gefüllten Raum. Lauter Beifall brandet auf, Petrauschke wird umarmt und gedrückt, Dieter Welsink, CDU-Chef im Kreistag, zählt zu den ersten Gratulanten. Petrauschke ist der strahlende Sieger des Wahlabends, das ist immerhin etwas Balsam für die Neusser Christdemokraten, denen zugleich das Ergebnis aus der Quirinusstadt in den Knochen steckt. Seine Herausforderer zeigen sich zudem als faire Verlierer. Hans Christian Markert würdigt das "hervorragende Ergebnis" von Petrauschke. "Das muss man neidlos anerkennen", sagt er. "Die Wähler haben ein klares Votum abgegeben."

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Hans-Jürgen Petrauschke (CDU) geht damit in seine zweite Amtszeit - und hat sein Ergebnis von 2009 getoppt. Bei seiner ersten Wahl vor sechs Jahren hatte er sich mit 57,4 Prozent der Stimmen gegen seine damaligen Kontrahenten Rainer Thiel (SPD/33,8 Prozent), Bernd M. Schöppe (pro NRW/5,5 Prozent) und Adolf Robert Pamatat (Zentrum/3,4 Prozent) durchgesetzt. Der Christdemokrat trat seinerzeit die Nachfolge seines Parteifreundes Dieter Patt an, der von 1996 bis 2009 Landrat im Rhein-Kreis Neuss war und nach insgesamt 50 Jahren im öffentlichen Dienst nicht erneut kandidierte. Patt verfolgt die Wahlpräsentation des Rhein-Kreises Neuss gestern ebenfalls im Kreissitzungssaal.

Allzu lange gönnt sich Petrauschke gestern keine Zeit zum Durchschnaufen. Nach dem Anstoßen spricht er die Herausforderungen der Zukunft an. Es gebe viel zu tun - und manches hat nicht einmal bis zum nächsten Tag Zeit. Statt auf eine Wahlparty oder nach Hause zieht es Petrauschke deshalb erst einmal ins Berufsbildungszentrum in Grevenbroich, wo noch am Abend Flüchtlinge erwartet werden. "Natürlich ist das Wahlergebnis schön, natürlich freue ich mich darüber - aber was mich in den vergangenen Tagen richtig begeistert hat, ist der Einsatz der Kreisverwaltungsmitarbeiter für die Flüchtlinge", betont er. Da möchte er auch am Wahlabend nicht fehlen. "Das war eine richtig gute Team-Leistung, auf die ich stolz bin."

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Petrauschke, der gebürtig aus Troisdorf stammt und mit seiner Familie in Grevenbroich lebt, steht seit 1984 in Diensten des Rhein-Kreises Neuss. Er war zunächst Leiter des Rechtsamts, dann Jugend- und Sozialdezernent und von Juni 1996 bis 2009 Kreisdirektor und damit allgemeiner Vertreter des Landrats. In seiner zweiten Amtszeit möchte er den eingeschlagenen Weg fortsetzen. Dabei kann der Christdemokrat fest auf die Unterstützung der Liberalen setzen. FDP-Kreisvorsitzender Bijan Djir-Sarai zeigt sich sichtlich zufrieden mit dem Wahlergebnis. "Es zeigt, dass sich Kontinuität auszahlt und die Wähler die Erfolge von Hans-Jürgen Petrauschke als Landrat zu schätzen wissen."

Lutz Lienenkämper, Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU-Landtagsfraktion und Vorsitzender der CDU im Rhein-Kreis Neuss, schlägt in eine ähnliche Kerbe. Zugleich verweist er auf den großen Rückhalt, den Petrauschke in der Partei genieße. Auf die Frage, was die CDU im Land von der im Kreistag lernen können, antwortet er verschmitzt: "Man sieht, was man erreichen kann, wenn alle an einem Strang ziehen." Nicht zufrieden zeigten sich die Politiker gestern jedoch quer durch die Bank mit der Wahlbeteiligung. Sie lag bei rund 38,2 Prozent, 2009 betrug die Wahlbeteiligung bei der Landratswahl 53 Prozent - allerdings fanden damals zeitgleich Kommunal- und - in allen kreisangehörigen Kommunen - auch Bürgermeisterwahlen statt. "Die maue Wahlbeteiligung muss uns zu denken geben", betont Hans Christian Markert. Ähnlich argumentiert auch Petrauschke. "Politik muss mehr auf die Menschen zugehen. Das habe ich bei meinen Hausbesuchen gemerkt", sagt Markert,

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Spannend dürfte es zwischen ihm und Petrauschke auch in Zukunft bleiben. Der Grüne kündigt an, sein Fünfer-Bündnis werde auch in Zukunft zusammen weitermachen und im Kreistag eine "leidenschaftliche Opposition" stellen.

Quelle: NGZ
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