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Rhein-Kreis Neuss
Lieber sicherer Job als eigene Firma

Rhein-Kreis Neuss. Die Zahl der Unternehmens-Gründer im Rhein-Kreis ist 2014 um mehr als fünf Prozent zurückgegangen. Viele Arbeitnehmer bleiben lieber Angestellte, und weniger Arbeitslose klammern sich an den Anker Notgründung. Von Andreas Gruhn

Sein eigener Chef zu sein wird im Rhein-Kreis wieder unbeliebter. Die Zahl der Menschen, die sich selbstständig gemacht haben, ist im vergangenen Jahr deutlich zurückgegangen. Insgesamt 3247 Menschen gründeten im Rhein-Kreis 2014 ihre eigene Firma. Das sind 181 weniger als noch im Jahr 2013 (minus 5,3 Prozent). Auch für dieses Jahr sieht die Tendenz ähnlich aus, dass die Unternehmensgründungen weiter zurückgehen, sagte Bert Mangels, Gründungsexperte der Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein und Autor des Gründerreports 2015. "Junge Unternehmen sind für einen Wirtschaftsstandort von großer Bedeutung. Sie schaffen Arbeitsplätze, setzen innovative Ideen um und stärken damit die Wirtschaft insgesamt", sagt IHK-Präsident Heinz Schmidt. Im kreisweiten Vergleich war der Rückgang in der Stadt Neuss am deutlichsten. Die Zahl der Neugründungen ging um 11,8 Prozent zurück.

Weniger Neusser machen sich selbstständig trotz bester konjunktureller Voraussetzungen auch in der Region - das liegt vor allem am guten Arbeitsmarkt, meint IHK-Experte Bert Mangels. Weil weniger Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren, ergreifen auch weniger die Möglichkeit, eine eigene Existenz als Unternehmer zu gründen. Im Zweifel zählt die Sicherheit. "Wir sind kein Gründerland. Wir haben eher die Vollkasko-Mentalität", sagt Mangels. Der Mut, ein unternehmerisches Wagnis einzugehen, wenn man an die eigene Geschäftsidee glaubt, ist eine nicht sehr weit verbreitete Gabe. Das liegt nicht nur am Geld, sondern auch an einem gesellschaftlichen Phänomen: "Wer sich einmal selbstständig gemacht hat und das vor die Wand gefahren hat, der gilt meist als gescheitert", sagt Mangels. In anderne Ländern, vor allem in den USA, gilt ein Scheitern nicht als Stigma wie in Deutschland.

Das hat aber auch noch andere Auswirkungen, wie der IHK-Gründerreport zeigt: Die Zahl der Unternehmensaufgaben ist im abgelaufenen Jahr nämlich ebenfalls stark gesunken. 2979 Chefs haben ihre Firma aufgegeben. Das sind 219 Aufgaben weniger als noch im Jahr 2013 (minus 6,8 Prozent). Darin spiegelt sich der seit Jahren robuste Arbeitsmarkt wider. Es hat in den abgelaufenen Jahren deutlich weniger Notgründungen gegeben, mutmaßt Mangels. "Das sind Gründungen, die aus der Arbeitslosigkeit heraus entstehen und auf Dauer keinen Erfolg haben", sagt Mangels. Entweder sind die nicht besonders gut vorbereitet, haben keine erfolgversprechende Geschäftsidee, oder aber das finanzielle Fundament ist zu dünn. "Defizite sind immer da, aber wer sie nicht wirklich behebt, ist schnell pleite", warnt Mangels und verweist auf die Beratungen unter anderem bei der IHK.

Wer sich selbstständig machen will, braucht in erster Linie Fördermittel. Aber ganz ohne eigenes Kapital geht es nicht. Als Faustregel gilt, dass Gründer 20 Prozent Eigenkapital einbringen müssen - dazu zählt nicht das von Verwandten geliehene Geld. Das benötigte Startkapital unterscheidet sich erheblich: Berater und Dienstleister kommen schon mit 2000 bis 5000 Euro aus, bei Grafikern mit teurer Software können es schon 10.000 Euro sein. Wenn aber Maschinen für die Produktion gebraucht werden, kann es schnell in die Hunderttausende Euro Kapitalbedarf gehen.

Quelle: NGZ
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