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Rhein-Kreis Neuss
Medienkonsum schadet Schulanfängern

Rhein-Kreis Neuss: Medienkonsum schadet Schulanfängern
Spielekonsole, Handy, Computer: Schon im Vorschulalter sind Kinder medial überfrachtet. Das schadet der Entwicklung. FOTO: geralt/www.pixabay.com
Rhein-Kreis Neuss. Das Gesundheitsamt des Rhein-Kreis Neuss hat gestern die Ergebnisse der Schulneulings-Untersuchungen vorgestellt. Im Fokus bleiben Sprachprobleme, Defizite in der körperlichen Koordination, sowie Über- und Untergewicht. Von Jascha Huschauer

Es ist die einzige Untersuchung, bei der die Gesundheit der Bevölkerung in einem bestimmten Alter vollständig erfasst wird. Alle Kinder in Deutschland müssen vor ihrem ersten Schultag an der Schulneulings-Untersuchung teilnehmen. Daher ermöglichen die Ergebnisse einen Blick auf gesellschaftliche Veränderungen.

Die Zahlen für den Rhein-Kreis Neuss hat das Gesundheitsamt gestern vorgestellt. Insgesamt wurden 4113 Mädchen und Jungen untersucht. "Die Entwicklung der Kindergesundheit hat sich stabilisiert", sagt Barbara Albrecht. Sie ist die Leiterin des Kinder- und Jugendärztlichen Gesundheitsdienstes des Rhein-Kreis Neuss.

Große Sorge bereitet ihr der zu hohe Medienkonsum. Dazu zählen Fernsehen, Spielekonsole, Handy und Computer. "Über 30 Prozent der Kinder haben täglich einen Medienkonsum von über einer Stunde. Das ist zu viel", sagt Albrecht. Angemessen für Vorschulkinder seien etwa 20 Minuten pro Tag. Bei einem Grundschulkind gelten höchstens 50 Minuten als nicht schädlich. "Wir wissen, dass zu viel Medienkonsum die Entwicklung des Gehirns deutlich beeinflusst", erklärt sie. Hinzu komme, dass die Eltern den Medienkonsum vermutlich etwas zu niedrig angeben. In der Realität könne er noch höher ausfallen. Die Untersuchung zeigt auch: Kinder mit erhöhtem Medienkonsum sind häufiger verhaltensauffällig.

Es gibt jedoch auch positive Entwicklungen. Dazu zählt ein starker Anstieg bei den Impfraten. So sind 96,3 Prozent der Schüler im Rhein-Kreis gegen Masern, Mumps und Röteln geimpft. Im Jahr 2003 waren es noch 59,3 Prozent.

Auch in den Bereichen Sprachauffälligkeit und körperliche Koordination sind die Zahlen leicht verbessert. Dennoch sind immer noch mehr als ein Viertel aller I-Dözchen sprachauffällig, mehr als jedes zehnte Kind hat Probleme bei der Koordination. "Langfristig sind hier leichte Verbesserungen festzustellen", sagt Albrecht.

Dafür macht Landrat Hans-Jürgen Petrauschke auch präventive Gesundheitsprogramme des Kreises verantwortlich, die bereits mehrfach modellhaft ausgezeichnet worden seien. Weitere positive Impulse erhofft sich Gesundheitsdezernent Karsten Mankowsky vom neuen Präventionsgesetz. Das erlaubt eine Finanzierung von Präventionsprogrammen über die Krankenversicherung. "Für die Planung solcher Maßnahmen ist es immer gut, eine solide Datenbasis zu haben", sagt Mankowsky. So könnte der Kreis erkennen, in welchen Stadtteilen solche Projekte besonders notwendig sind.

Beispielhaft dafür ist der Neusser Stadtteil Weckhoven. Dort hatte der Rhein-Kreis bereits vor dem Präventionsgesetz eine Kooperation mit acht Krankenkassen. Bestandteil sind Angebote für Schwangere, in Kindergärten und Jugendhilfeeinrichtungen zur Gesundheitsförderung. Das Modellprojekt wird nun auch auf Erfttal ausgeweitet.

Während der Rhein-Kreis die aktuellen Zahlen auswertet, läuft bereits die Schulneulings-Untersuchung 2017 an. Nach der Anmeldung an der Grundschule werden die Eltern aufgefordert, bis zu Beginn der Sommerferien daran teilzunehmen. Die Bürgermeister der Städte im Rhein-Kreis erhalten demnächst die Zahlen für ihre Stadt. Darauf lässt sich bis in den Stadtteil viel über die Gesundheit der heimischen Bevölkerung ablesen. Daher wurden diese Zahlen gestern jedoch noch nicht öffentlich gemacht.

Quelle: NGZ
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