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Rhein-Kreis Neuss
Neue Ansätze für Wirtschaftspolitik

Rhein-Kreis Neuss. Arbeitsgruppe "Alternative Wirtschafts- und Finanzsysteme" im Kreis geplant. Von Jascha Huschauer

So langsam verschwindet die europäische Finanz- und Schuldenkrise aus den Schlagzeilen. Doch nachhaltig gelöst ist sie noch nicht. Und wenn man Markus Heuser fragt, sind die Ursachen der Krise andere, als weitgehend behauptet. "Meiner Meinung nach wird nicht gründlich genug aufgeklärt", sagt der 45-jährige Kaarster. Deshalb will er nun eine Arbeitsgruppe "Alternative Wirtschafts- und Finanzsysteme" im Rhein-Kreis Neuss gründen. Er will über das aufklären, was seines Erachtens bislang zu kurz kommt - und neue wirtschaftswissenschaftliche Ansätze und politische Handlungsempfehlungen entwickeln.

Die Ursache der Euro-Krise sieht der Kaarster beispielsweise nicht nur in den Fehlern Griechenlands, sondern einer Sparpolitik Deutschlands. Dadurch gebe es hierzulande einen wachsenden Niedriglohnsektor, was zu mehr Ungleichheit und zur Spaltung der Gesellschaft führe. Gleichzeitig sinke die Wettbewerbsfähigkeit anderer europäischer Länder, was deren Verschuldung steigere. Als Beweis führt er eine Statistik der Deutschen Bundesbank an, die diese Entwicklung anhand von Finanzierungssalden von 1950 bis heute zeige.

Heuser dürfte damit auf einer Linie mit dem amerikanischen Wirtschafts-Nobelpreisträger Joseph E. Stiglitz liegen. Dessen Ansätze sind in der deutschen Ökonomie kaum verbreitet und spielen auch an Universitäten nur eine vergleichsweise geringe Rolle. Teilweise ändert sich das gerade. Junge Ökonomen entwickeln alternative Ansätze, Studenten fordern Veränderungen der Lehrpläne. Daran will Heuser mit seiner Arbeitsgruppe mitwirken. Er sucht nun Mitstreiter und ist per E-Mail an markus.heuser@cnemail.de zu erreichen. "Am liebsten würde ich auch interdisziplinär arbeiten. Also nicht nur mit Wirtschaftswissenschaftlern, sondern zum Beispiel auch mit Politikwissenschaftlern oder Juristen."

Heuser ist Physik-Ingenieur und arbeitet als Berufsschullehrer für Mathematik und Physik sowie als Lehrbeauftragter für Wirtschafts- und Finanzmathematik an der Hochschule Niederrhein. Auch dabei stört ihn eine einseitige Ausrichtung wirtschaftlicher Betrachtungen. "Wirtschaftsethik gehört einfach auf den Lehrplan", sagt Heuser. Bei ihm würden Studenten lernen, wie man einen maximalen Gewinn errechnet. "Aber niemand stellt die Frage, was es heißt, wenn ich ein T-Shirt für 1,99 Euro kaufen kann." Wenn Zeit bleibt, versuche er, seine Studenten und Schüler für solche Themen zu sensibilisieren. "Wenn ich das mache, finden die das auch immer sehr interessant." Nur von alleine stelle sich niemand solche Fragen. Diese Aufgabe könnte bald seine Arbeitsgruppe übernehmen.

Quelle: NGZ
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