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Rhein-Kreis Neuss
Notfallpraxen fordern mehr Sicherheit

Rhein-Kreis Neuss: Notfallpraxen fordern mehr Sicherheit
Polizeibeamte während eines Einsatzes im Oktober 2014 im Lukaskrankenhaus. FOTO: Andreas Woitschützke
Rhein-Kreis Neuss. Nicht immer geht die Arbeit für Ärzte im Notdienst friedlich vonstatten. Die Kreisstelle der Kassenärztlichen Vereinigung fordert spezielle Notfallknöpfe - und will aus Sicherheitsgründen einen neuen Praxis-Standort in Neuss. Von Simon Janssen

Es war ein Arbeitstag, den Dr. Gerhard Steiner nicht vergessen wird. "Einem betrunkenen Patienten ging die Behandlung einer Platzwunde wohl nicht schnell genug, da ist er handgreiflich geworden", erinnert sich der Allgemeinmediziner und Kreisvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein. Es kam zur körperlichen Auseinandersetzung. Nur durch die Mithilfe mehrerer Personen konnte der alkoholisierte Mann der Notfallpraxis am Neusser Lukaskrankenhaus verwiesen werden.

Vorfälle wie dieser gehören laut Steiner zwar nicht zum Alltag des medizinischen Personals, kämen aber immer wieder vor: "Das Thema wird immer stärker in den Vordergrund gestellt." Trotz aller Professionalität ließe sich ein mulmiges Gefühl während des Dienstes oft nicht abschütteln. Darum sieht sich Dr. Steiner gezwungen zu handeln. Insbesondere mit der Notfallpraxis am Neusser Lukaskrankenhaus, die neben den Standorten an den Kreiskrankenhäusern in Grevenbroich und Dormagen von der Kreisstelle der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein betrieben wird, seien er und seine Kollegen alles andere als glücklich.

"Das Gebäude und die Lage sind suboptimal. Dort sind wir noch in einem alten Schwesternwohnheim untergebracht", sagt der Allgemeinmediziner. In absehbarer Zeit werde man aber eine Lösung finden und umziehen - aus Sicherheitsgründen. Schließlich seien die Ärzte mit ihrem Personal in dem Gebäude, das nicht in das Krankenhaus integriert ist, bei Notfällen quasi auf sich allein gestellt. Am neuen Standort, der noch nicht feststeht, soll der Wunsch nach einem Notfallknopf berücksichtigt werden, den das Personal im Ernstfall drücken kann, um Hilfe zu holen.

Manche Patienten nutzen erst gar nicht die Notfallpraxis, sondern gehen in die Zentralambulanz des Lukaskrankenhauses. "Natürlich kommt es dort zu verbalen Angriffen, insbesondere wenn viel los ist und die Wartezeiten dementsprechend lange sind", sagt Krankenhaussprecher Andreas Kremer. Von einer zunehmenden Zahl körperlicher Angriffe auf das medizinische Personal könne man laut Kremer jedoch nicht sprechen. Vorkommnisse wie am Abend des 30. Oktober 2014, als ein Patient eine Ärztin und Pflegepersonal angegriffen hatte und von Polizisten mit einem Beinschuss gestoppt werden musste, seien somit die absolute Ausnahme.

Im Johanna-Etienne-Krankenhaus ist die Lage ähnlich. Verbale Übergriffe seien laut Unternehmens-Sprecherin Katharina Märkle aber in erster Linie gegenüber dem Pflegepersonal oft nicht auszuschließen. Zu körperlichen Übergriffen komme es im Johanna-Etienne-Krankenhaus aber nur in seltenen Einzelfällen: "Sicherheit für Personal und Patienten gewährleistet in solchen Fällen ein Sicherheitsdienst, der im Falle einer Eskalation eingreifen kann."

Auch in den Kreiskrankenhäusern in Dormagen und Grevenbroich gab es nur vereinzelte verbale Attacken auf das Personal, wie Krankenhaussprecherin Elisabeth Roderhoff erklärt: "Es kommt sehr selten vor, dass Patienten ungeduldig werden, wenn sie vermeintlich zu lange in der Notfallambulanz warten müssen."

Das liege vor allem daran, dass Notfälle wie Herzinfarkte vorgezogen würden, was von Patienten mit Prellungen, die starke Schmerzen verursachen, nicht immer verstanden werde. Auch durch alkoholisierte Patienten komme es schon mal zu verbalen Ausrutschern. In Dormagen wird im April die Notfallpraxis der niedergelassenen Ärzte einige hundert Meter von der Elsa-Brändström-Straße ins Kreiskrankenhaus umziehen, so dass sie gemeinsam mit der Notfallambulanz als eine Anlaufstelle genutzt werden kann.

Quelle: NGZ
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