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Rhein-Kreis Neuss
Petrauschke ist ab morgen ein "Sechziger"

Rhein-Kreis Neuss: Petrauschke ist ab morgen ein "Sechziger"
Landrat Hans-Jürgen Petrauschke wird 60. Er ist sportlich geblieben. FOTO: Tinter Anja
Rhein-Kreis Neuss. Der Landrat des Rhein-Kreises Neuss feiert morgen Geburtstag: viele Gratulationen und ein Blick auf das "System Petrauschke". Von Frank Kirschstein

Das Zusammenspiel im Team, besonderes Feingefühl und die Sensibilität für die Koordination von Rechts und Links - das, so sagen Musikexperten, zeichnet Akkordeonspieler aus. Hans-Jürgen Petrauschke ist dabei, seit 1968 im Akkordeonorchester Müllekoven. Politische Interpretationen? Möglich, aber sicher Ansichtssache - je nach politischem Lager.

Landrat Hans-Jürgen Petrauschke wird morgen 60 Jahre alt, mehr als die Hälfte davon - 31 Jahre - arbeitet er für den Rhein-Kreis. 1984 begann der Jurist dort zunächst als Leiter des Rechtsamtes, wurde Jugend- und Sozialdezernent, dann 1996 Kreisdirektor. 2009 wählten die Menschen im Rhein-Kreis den Christdemokraten (CDU-Mitglied seit 1990) als Nachfolger von Dieter Patt zum Landrat. Petrauschke kam auf 57,4 Prozent, ein Top-Ergebnis, das er im September 2015 noch einmal toppen konnte: Mit 60,4 Prozent verteidigte der gebürtige Troisdorfer, der mit seiner Familie in Elfgen lebt, sein Amt. Damit hatte und hat die CDU auf kommunaler Ebene im Kreis ihren neuen - und derzeit einzigen - Superstar.

Petrauschke mit Bart - 1991 als Dezernent in der Kreisverwaltung. FOTO: Reuter Michael

Mit Neuss, Grevenbroich und Dormagen haben die Christdemokraten die Bürgermeisterposten in den drei größten Städten des Kreises verloren. Rommerskirchen war ohnehin bereits in SPD-Hand. 2012 hatte sich die CDU schon die Landtagsmandate in den beiden Wahlkreisen Grevenbroich/Dormagen/Rommerskirchen und Neuss abjagen lassen. Petrauschke ist das nicht passiert. Dabei war er vor seiner ersten Wahl zum Landrat auch CDU-intern nicht unumstritten. Petrauschke galt zwar über den Kreis hinaus als exzellenter Jurist und Verwaltungsfachmann - genau das ließ manche jedoch zweifeln: Ist Petrauschke auch Politiker genug? Und wie kommt so einer bei den Menschen an? Spätestens seit dem Triumph bei seiner Wiederwahl sind die Fragesteller verstummt.

Petrauschke ist unumstritten, wenn auch von der Opposition wegen seiner Amtsführung und Sitzungsleitung in den Gremien des Kreistages mitunter heftig attackiert. Petrauschke ist bodenständig, interessiert, humorvoll, kümmert sich, sucht den Kontakt zu den Menschen - auch bei fast unzähligen Terminen im Kreis - in Politik und Gesellschaft, im Sport, in der Kirche, etwa als Förderer des Klosters Langwaden, oder im Brauchtum. Seine Themen im Wahlkampf: Arbeitsplätze, soziale und wirtschaftliche Sicherheit. Die große Mehrheit der Wähler traut's ihm zu.

"Teufel" Petrauschke - seine Karnevalskostümierungen sind Kult. FOTO: Woitschützke Andreas

In der politischen Auseinandersetzung kann Petrauschke aber auch anders: Beißende Ironie -manche würden sicher eher von Zynismus sprechen - und Ungeduld angesichts mehr (macht-)politisch als inhaltlich getriebener Dauer-Debatten. Auch das ist ein Markenzeichen des Landrats, der zwar Politik längst gelernt hat, der aber mit Dingen, die ihm nicht mehr rational vorkommen, wenig anfangen kann. Petrauschke selbst formuliert sein Ziel so: "Politik für die Menschen mit dem Kopf und nicht mit dem Kehlkopf machen. Damit alle eine noch bessere Zukunft haben." Der Mann, der im Akkordeonorchester "nur" die dritte Stimme spielt, will im Rhein-Kreis deutlich den Takt angeben. Vielleicht auch über die Wahlperiode, die noch bis 2020 läuft, hinaus? Eine dritte Landratskandidatur hat er nie ausgeschlossen.

Quelle: NGZ
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