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Rhein-Kreis Neuss
Pharma-Firmen suchen digitale Wunderpille

Rhein-Kreis Neuss: Pharma-Firmen suchen digitale Wunderpille
Führende Köpfe der Pharma-Branche legten gestern die Zahlen für das vergangene Jahr vor: Birgit Fischer, Hauptgeschäftsführerin des Verbandes VFA, und Iris Zemzoum, Geschäftsführerin der Janssen Cilag GmbH. FOTO: Andreas Woitschützke
Rhein-Kreis Neuss. Die Pharma-Branche in NRW fordert bessere Voraussetzungen für die Digitalisierung im Gesundheitswesen. Von Andreas Gruhn

Der Pharma-Branche in Nordrhein-Westfalen geht es gut. Trotzdem warnt der Verband der forschenden Arzneimittelhersteller (VFA): "Deutschland ist in der Erforschung von Medikamenten und neuen Wirkstoffen weltweit die Nummer zwei. Aber wir sind dabei, das zu verspielen", sagt VFA-Hauptgeschäftsführerin Birigt Fischer. Der Verband wünscht sich mehr Investitionen in die digitale Infrastruktur und weniger strenge Datenschutz-Vorschriften, um digitale Innovationen im Gesundheitsmarkt durchzusetzen. Die Digitalisierung im Gesundheitswesen ist der große Trend im Markt. "Der Westen kann davon besonders profitieren. Aber Deutschland hat einen gewaltigen Rückstand", sagte Fischer. "Die Frage ist doch, welches Wissen ich generiere, wenn ich Daten zusammenführen kann. Das Zusammenspiel von Ärzten, Arzneimittelherstellern und Krankenhäusern muss vernetzter sein. Das würde zu einem großen Qualitätsgewinn führen."

Solche Netzwerke, solche Dienstleistungen in der elektronischen Gesundheitsversorgung wünscht sich der Branchenverband. Ein Beispiel dafür ist die Janssen Cilag GmbH mit Sitz in Neuss. Die Pharma-Sparte des Konzerns Johnson & Johnson beschäftigt 800 Mitarbeiter in Deutschland, die Hälfte davon in der Neusser Zentrale. Im vergangenen Jahr lag der Umsatz bei 1,04 Milliarden Euro in Deutschland - das sind 43 Prozent des Inlandsumsatzes der gesamten Branche in NRW. Geld verdient Janssen vor allem mit Medikamenten, aber auch mit Medizintechnik wie Kontaktlinsen, Prothesen und Operations-Zubehör; und immer wichtiger wird die Versorgung des Patienten über die Arznei-Vergabe hinaus - zum Beispiel mit elektronischen Helfern wie Smartphone-Apps. Dazu geht das Unternehmen Kooperationen ein, etwa mit kleineren Biotech-Unternehmen. Solche Spezialfirmen sind begehrt für Partnerschaften und auch für Übernahmen. Für Janssen stellt sich Geschäftsführerin Iris Zemzoum den Ausbau eines ganzen Gesundheits-Campus in Rosellerheide vor. "50 Prozent unserer Innovationen entstammen Kooperationen. Geplant ist, ein deutschlandweites Netzwerk aufzubauen und hier am Standort Neuss zu implementieren", sagte Zemzoum.

Die Pharma-Unternehmen müssen wachsen, um mit dem rapide wachsenden Gesamtmarkt Schritt halten zu können. Die Pharma-Branche in Nordrhein-Westfalen wächst rasant. Die Zahlen, die das Institut für Wirtschaftsforschung (IW) in Köln und der Verband forschender Arzneimittelhersteller VFA gestern in Neuss vorlegten, sind beeindruckend: Die Pharma-Unternehmen in NRW machten im vergangenen Jahr einen Umsatz von gut 5,6 Milliarden Euro, das ist ein Wachstum gegenüber 2013 von satten 11,7 Prozent. Allein der Auslandsumsatz der NRW-Unternehmen wuchs um 12,6 Prozent auf 3,3 Milliarden Euro. Das schlug sich auch in der Beschäftigung nieder. Gut 12.100 Menschen arbeiteten im vergangenen Jahr in der Branche in NRW, fast 200 mehr als noch im Jahr zuvor. "Das ist ein sehr guter Wert wenn man bedenkt, dass die Beschäftigung im verarbeitenden Gewerbe insgesamt nur um 0,3 Prozent gewachsen ist", sagte Jasmina Kirchhoff vom IW Köln.

Vor allem der Ausbau der Produktionskapazitäten in NRW erwies sich für die Branche als Wachstumspille, die auch Wirkung zeigt. Die Produktion wuchs um 12,2 Prozent auf 4,6 Milliarden Euro. Und das geht in diesem Jahr vorerst so weiter. Die Beschäftigung sei im ersten Halbjahr 2015 erneut um 2,4 Prozent gewachsen, der Umsatz sei bei leichtem Wachstum stabil, lediglich der Absatz im Ausland habe sich bisher um 1,6 Prozent verschlechtert, sagte Kirchhoff.

Quelle: NGZ
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