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Rhein-Kreis Neuss
Rote Rathäuser im Rhein-Kreis

Rhein-Kreis Neuss. Mehr als die Hälfte der Bürger im Kreis werden künftig von SPD-Verwaltungschefs regiert. Die machtpolitische Statik im Kreis verschiebt sich zwei Jahre vor den Wahlen in Bund und Land - mit Folgen für die Kreispolitik. Von Andreas Buchbauer und Andreas Gruhn

Der 21. Oktober wird ein historischer Tag im Rhein-Kreis Neuss. An diesem Tag wird die CDU ihre beinahe per Erbpachtrecht vermachte "Mehrheit" im Kreis verlieren. Wenn Reiner Breuer an diesem Tag auf dem Chefsessel im Neusser Rathaus Platz nimmt, werden erstmals mehr Menschen im Rhein-Kreis von einem SPD-Bürgermeister regiert als von einem Unions-Stadtoberhaupt. In den Städten Neuss und Dormagen regieren Sozialdemokraten, ebenso in Rommerskirchen. Die CDU hat noch in Kaarst, Meerbusch und Jüchen das Sagen. Sollten die Stichwahlen in Grevenbroich und - entgegen der Erwartungen - in Korschenbroich in zwei Wochen ebenfalls an die SPD gehen, dann würden drei von vier Bürgern im Rhein-Kreis ihren Personalausweis künftig in einem roten Rathaus abholen. Das wäre ein Tiefschlag für die Union - eineinhalb Jahre vor der Landtagswahl und zwei Jahre vor der Bundestagswahl.

Unabhängig vom Ausgang der Stichwahlen wird der mit überwältigender Mehrheit wiedergewählte Landrat Hans-Jürgen Petrauschke (CDU) erstmals mindestens drei SPD-Stadtoberhäupter in seiner Bürgermeisterrunde begrüßen. Das verschiebt die machtpolitische Statik im Rhein-Kreis. Die SPD kann dadurch auf Kreisebene selbstbewusster auftreten - auch wenn im Stadt- oder Gemeinderat daheim die eigene Mehrheit fehlt. Die CDU gibt Macht ab und muss zusammenarbeiten - Petrauschke nahm es gestern gelassen. "Natürlich ist die Zusammenarbeit oft einfacher, wenn man in der gleichen Partei ist. Aber man hat bei unterschiedlicher politischer Couleur nicht gleich Streit", sagte der Landrat. "Wir werden in Zukunft noch enger zusammenarbeiten müssen. Reiner Breuer muss dafür sorgen, dass Kirchturmdenken nicht ganz oben steht." Und Lutz Lienenkämper, Vorsitzender der Kreis-CDU, beschwichtigt: "Es waren immer ein bis zwei Bürgermeister im Rhein-Kreis sozialdemokratisch. Jetzt sind es eben mehr. Das wird in der Kreisgemeinschaft Niederschlag finden, die Frage ist nur wie. Ich kann mir nicht vorstellen, dass neue Bürgermeister Parteipolitik voranstellen." Unterschiedliche Auffassungen habe es immer gegeben, aber alle Bürgermeister sollten die Interessen ihrer Stadt im Blick haben, sagte Lienenkämper. "Und dazu gehört auch, die Vorzüge einer Kreisgemeinschaft zu sehen."

Gewinner und Verlierer der Stichwahlen in NRW FOTO: dpa, rwe fpt

Schon bei der Wahlpräsentation im Kreissitzungssaal am Sonntagabend kippte die Stimmung bei den Christdemokraten von einem Extrem ins andere: auf der einen Seite Freude über Petrauschkes Sieg, auf der anderen Seite Ernüchterung über die Schlappe in Neuss. "Da kommt viel Arbeit auf uns zu", sagte ein Christdemokrat. Denn auch in Grevenbroich droht der Verlust des Chefsessels im Rathaus. CDU-Stadtverbandschef Norbert Gand kündigte harte Tage bis zur Wahl an. Man müsse alle Kräfte mobilisieren, um zu verhindern, dass SPD-Mann Klaus Krützen ins Grevenbroicher Rathaus einziehe. Der Neusser Bundestagsabgeordnete Hermann Gröhe versprach Unterstützung für Kwasny. "Ich gebe Grevenbroich keine Sekunde verloren", sagte Gröhe. Wohl auch, weil sonst sein gesamter Wahlkreis (Neuss, Grevenbroich, Rommerskirchen, Dormagen) von SPD-Bürgermeistern regiert würde. Da wird der Bundestagswahlkampf 2017 nicht leichter. "Ich mache gerne Wahlkampf. Und ich erlebe große Zustimmung", sagte Gröhe. "Das anspielbare Gefühl ,Jetzt-sind-mal-die-Anderen-dran' macht uns zu schaffen, aber das ist keine rote Revolution."

Quelle: NGZ
 
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