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Rhein-Kreis Neuss
RWE: Frimmersdorf soll Industriestandort bleiben

Rhein-Kreis Neuss: RWE: Frimmersdorf soll Industriestandort bleiben
Frimmersdorf mit dem Kraftwerk Neurath im Hintergrund. FOTO: NGZ-Foto LBER
Rhein-Kreis Neuss. Im Oktober 2021 ist Schluss mit der Braunkohleverstromung in Frimmersdorf. Dann fallen die 300-Megawatt-Blöcke Paula und Quelle aus der sogenannten Sicherheitsreserve und werden endgültig abgeschaltet. Bis dahin, beginnend ab Oktober 2017, werden sie noch im Fall von Strom-Engpässen in Betrieb genommen. RWE plant aber auch schon für die Zeit danach.

"Wir wollen gemeinsam mit der Region für die Zeit nach dem Rückbau unserer Anlagen eine vernünftige Nutzung für diesen hochwertigen Industriestandort entwickeln", sagte jetzt Michael Eyll-Vetter, Leiter Bergbauplanung bei RWE Power, zu Gast im Kreisausschuss.

Grundsätzlich, so der Bergbau-planer, habe die Braunkohle noch für Jahrzehnte Zukunft. Für eine sichere Stromversorgung unabhängig von Ausfällen bei erneuerbaren Energien, würden konventionelle Kraftwerke benötigt. RWE werde zudem den CO2-Ausstoß bis 2030 um 40 bis 50 Prozent reduzieren. Dazu trage verbesserte Kraftwerkstechnik bei, ebenso wie die Reduzierung der Kapazitäten. Das, so Eyll-Vetter, nütze der Umwelt, sei aber auch mit einem Verlust an Wertschöpfung verbunden.

Gemeinsam mit der Region bemühe sich RWE deshalb, frühzeitig wirtschaftliche Alternativen zu entwickeln. Reinhold Elsen, Leiter Forschung und Entwicklung bei RWE Generation, berichtete von Braunkohle als Kohlenstofflieferant für die chemische und petrochemische Industrie. Vom Kerosin für Flugzeuge über Essigsäure bis zum Grundstoff für Kosmetika reiche die Palette möglicher Nutzungen. Gleichzeitig arbeite RWE an besserer Rauchgasentschwefelung und auch der Verringerung des Quecksilberausstoßes. Diesen hatten jüngst die Grünen kritisiert.

In den USA gebe es neue Verfahren, die den Quecksilberausstoß deutlich reduzierten. Elsen verwies darauf, dass RWE heute schon die in der EU erst ab 2019 geplanten Grenzwerte deutlich unterschreite und auch den US-Vergleich nicht scheuen müsse. RWE habe zudem ein eigenes Verfahren entwickelt, um den Quecksilberausstoß noch weiter zu senken. Dabei wird Herdofenkoks in den Rauchgasstrom geblasen, womit Quecksilber gebunden, dann separiert und mit der Asche sicher deponiert werden könne.

Dieter Welsink und Wolfgang Wappenschmidt (CDU) sahen sich durch den Vortrag im Streit um die Gefahren durch Quecksilber bestätigt: "Es besteht keine Gefahr für die Bevölkerung." Auch Rainer Thiel (SPD) zollte RWE Anerkennung: "Sie haben gezeigt, dass in der Braunkohle Hightech steckt. Das ist gut für die Region, ebenso wie das Bemühen, Frimmersdorf als Industriestandort zu erhalten." Hans Christian Markert (Grüne) fand ebenfalls lobende Worte für neue Braunkohle-Nutzungen. In Sachen Quecksilber-Ausstoß blieb er jedoch skeptisch: "Giftige Schwermetalle verschwinden nicht und reichern sich im Köper an." Im Umweltausschuss soll demnächst erneut über die Gefahren und deren Einschätzung durch unterschiedliche Experten diskutiert werden.

(ki-)
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