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NRW Landtagswahl
Seenlandschaft wird die Region prägen

Thema Braunkohle - Das sagen die Landtagskandidaten
Thema Braunkohle - Das sagen die Landtagskandidaten FOTO: dapd, Markus Hibbeler
Rhein-Kreis Neuss. Bis 2100 werden drei XXL-Seen unweit des Rhein-Kreises Neuss entstehen. In Inden, Hambach und Garzweiler werden die Löcher der Tagebaue mit Wasser gefüllt. Was bedeutet dies für die Region: Chancen für Wirtschaft und Infrastruktur oder gar Risiko? Von Daniela Buschkamp

Nach dem Kumpel kommen Sportler, Ausflügler, Pflanzen und Tiere. Etwa nach Kerpen und Brühl, zu den 40 kleinen Ville-Seen, oder zum Zülpicher See, Ziel für Wassersportler und Biotop für Wasservögel. Vorbilder für den Rhein-Kreis Neuss und die Region.

Drei XXL-Gewässer will der Bergbautreibende RWE unweit des Rhein-Kreises Neuss realisieren – eine Seenlandschaft von insgesamt 73 Quadratkilometern Größe. Beeindruckend, vergleicht man dies mit dem Chiemsee als drittgrößtes Gewässer in Deutschland: Er hat knappe 80 Quadratkilometer Fläche zu bieten. Bis 2100 sollen die Löcher in den Tagebauen Inden, Hambach und Garzweiler mit Wasser gefüllt zu "Restseen" werden. Was bedeutet das für die Anrainerkommunen – Chance oder gar Risiko? Denn unumstritten ist das Projekt nicht: Naturschützer wie der BUND kritisieren den drastischen Eingriff in die Landschaft und etwa den Verlust von Ackerflächen.

Beispiel Garzweiler II Westlich von Grevenbroich und Jüchen wird in Garzweiler II bis 2045 Braunkohle abgebaggert – pro Jahr werden gut 140 Millionen Kubikmeter Löß, Sand und Kies bewegt. Ein Loch mit gigantischen Ausmaßen entsteht. Laut Braunkohleplan soll darin ein 23 Quadratkilometer großer, maximal 185 Meter tiefer See angelegt werden. Zunächst war die Wasserfläche auf Jüchener Gebiet geplant; nun soll sie weiter westlich auf dem Gebiet des Kreises Heinsberg entstehen. Wasser für den neuen See soll ab 2045 der Rhein über eine Pipeline liefern – rund 40 Jahre wird es dauern, bis dieses Loch gefüllt sein wird.

Ein besonderes Augenmerk will RWE auf die Erstellung der Böschungen und die Gestaltung des Uferbereichs legen. Sicherheit habe bei der Gestaltung der Bergbau-Folgelandschaft oberste Priorität, so ein RWE-Sprecher. Dies gelte auch für die Seeböschungen; deren Anlage werde von Behörden geprüft und überwacht. Somit sei eine dauerhafte Standsicherheit gewährleistet.

Die neue Seenlandschaft kann vielfältiges Potenzial für die Region enthalten: etwa als attraktives Freizeitgebiet. Denn das nördliche, westliche und südliche Seeufer sollen – laut Braunkohleplan – Ausflügler und Wassersportler anziehen. Zudem könnte der See auch Anziehungspunkt für Industrie, Gewerbe und Dienstleister werden – eine Chance, wie die wirtschaftliche Entwicklung der Region gestärkt werden kann.

Restseen bieten – wie auch andere rekultivierte Tagebau-Flächen – neue Lebensräume: Mehr als 2200 Tier- und Pflanzenarten haben sich dort angesiedelt – einige wie Eisvogel, Hirschkäfer oder Haselmaus gehören zu den gefährdeten Arten..
 

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