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Lokalsport
Abschied nach 40 Jahren

Neuss. Der morgige Renntag in Neuss könnte der letzte "Arbeitstag" von Peter Tasch nach 40 Jahren in der Rennleitung sein. Von Klaus Göntzsche

Am Freitag-Renntag des 18. April 1976 ab 18 Uhr tauchte der Name von Peter Tasch zum ersten Mal als Rennleiter auf der Galopprennbahn in Neuss auf. Gemeinsam mit den Herren Lothar Grabe und Helmut von der Groeben.

Das erste Rennen gewann damals der Hengst Sankt Albert (204:10) aus dem Hamburger Gestüt Falkenstein, den Hein Bollow trainierte - er wird am 5. Dezember 95 Jahre alt und zählt in Neuss unverändert zu den Stammgästen. Der Name Sankt Albert stammte von Idee-Kaffeekaufmann Albert Darboven aus Hamburg, dem Freund und Partner von Zement-Unternehmer Horst-Herbert Alsen, der das Gestüt Falkenstein betrieb. Es gab auch einen Hengst namens Horst-Herbert, der etwas schneller war als Sankt Albert. Auch Horst-Herbert wurde von Bollow trainiert.

Fast 40 Jahre lang war Peter Tasch in der Neusser Rennleitung tätig. Seit etlichen Jahrzehnten als Chef, Taktgeber und weit über diese Tätigkeit hinaus im Galopprennsport hoch geachtet. Ob Peter Tasch am Sonntag bei den acht Rennen ab 16.40 Uhr noch einmal antritt oder nicht, das weiß nur er selbst. Eigentlich wäre für ihn am 29. Dezember der letzte Renntag, am 16. Dezember wird der in Berlin-Charlottenburg geborene Wirtschaftsprüfer 80 Jahre alt. Peter Tasch hat allerdings auch in Iffezheim nicht bis zum letzten Renntag ausgehalten, sondern ging früher und deshalb rechnet man auch in Neuss damit, dass er morgen nicht mehr kommt. Eine sehr gut gemeinte, aber quälende öffentliche Verabschiedung wie in Iffezheim möchte er sich in Neuss ersparen. Zumal er schon in der Nummer eins des bis heute erscheinenden Info-Dienstes "Galopp Intern" am 20. Januar 1982 auf die Frage nach den Lieblings-und weniger geliebten Rennbahnen zu Neuss den Satz kam: "Weniger Spaß macht mir die Fahrt nach Krefeld, manchmal auch die nach Neuss."

Das allerdings hinderte ihn auch in Neuss nicht an Leidenschaft und Hingabe für seine sehr intensive Freizeit-Tätigkeit. Man konnte es aus dem Presseraum gut vernehmen, wenn im benachbarten Kabuff der Rennleitung die Stimme von Peter Tasch ertönte. Er war die Stimme und der Bestimmer dieses Gremiums, dass sich zumindest im männlichen Bereich durch Hans Römers und Dietmar Plautz auch kleidungs-und haartechnisch dem Häuptling anpasste.

Es war immer ein besonderes Bild, wenn dieses Trio über die Rennbahnen schritt. Auch das wird fehlen. Peter Tasch war für den deutschen Galopprennsport ein Glücksfall. Aber der Galopprennsport auch für Peter Tasch, der sein Leben in Düsseldorf (wo er in der Jugend bei der DEG spielte, die 100 Meter in 11,1 Sekunden lief und jetzt den Golfschläger schwingt) entscheidend beeinflusste. Tasch war allerdings auch ein Mensch mit vielen Gesichtern. Nach Strenge und sicher oftmals unausbleiblicher Distanz (böse Zungen nannten es Arroganz) im "Amt" zeigte er sich privat charmant, weltgewandt und erdverbunden.

So darf man also gespannt sein, ob morgen Nachmittag der Porsche mit dem Kennzeichen D-PT anrauscht oder nicht. In Person von Frank Becker steht sein Nachfolger fest, er wird in den Bezahldiensten des Dachverbandes arbeiten.

Auf der Rennbahn lockt am morgigen Sonntag der Killepitsch-Preis der Likörfabrik Peter Busch und für alle Besucher gibt es eine Kostprobe des bekömmlichen Kultgetränks. Toni Zimmermann aus Jüchen ist mit seiner Jockeyversicherung ein verlässlicher Partner des Rennvereins. Dieses vierte Rennen ist sogar die Wettchance des Tages mit einer Garantieauszahlung von 10.000 Euro.

Alexander Pietsch (76 Siege) kämpft in sechs von acht Rennen unverdrossen um das Jockey-Championat gegen das "Phantom" Andrasch Starke (74 Erfolge). Aber Vorsicht: Pietsch sagte am Donnerstag einen Medientermin in Berlin-Hoppegarten ab, weil er im Training in Köln gestürzt war. Rekordreiter ist Robin Weber, der 16-jährige Neusser hat sieben Ritte in acht Rennen. Schon erstaunlich und hoffentlich kein Anlass für Höhenflüge.

Quelle: NGZ
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