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Lokalsport
Alexander Pietsch kennt keine Müdigkeit

Neuss. Nach seinem Start am Dienstag in Neuss chauffierte der Jockey einen Kleinbus voller Kollegen nach Dresden und feierte dort drei Siege. Beim Neusser Sonntagrenntag hat er sechs Ritte und will die Führung im Championatskampf ausbauen. Von Klaus Göntzsche

Der Jockey Alexander Pietsch hat über seine berufliche Tätigkeit schon vor einigen Jahren gesagt: "Ich habe einen verrücken Beruf." Er sorgt allerdings auch dafür, dass sich daran nichts ändert.

Zum Renntag am Mittwoch ab 11.15 Uhr in seiner Heimatstadt Dresden sind acht Jockeys mit einem am Kölner Flughafen gemieteten Kleinbus der Marke Fiat vom Treffpunkt am Direktoriumsgebäude in Köln nach Dresden gefahren. Bereits um kurz nach 10 Uhr trafen sie auf der Bahn in Seidnitz ein, mit einer "Pinkelpause". Das Verrückte daran war, dass Alexander Pietsch die komplette Strecke am Steuer saß, bei der Rückfahrt bis 21.30 Uhr nur einmal kurz abgelöst von Andre Best. "Natürlich haben einige geschlafen, das war doch normal," sagt Pietsch.

Er hat dort drei Rennen gewonnen, übernahm damit die Führung im Jockey-Championat mit 76 Siegen vor dem in Japan weilenden Andrasch Starke mit 74 Erfolgen. Bei den sieben Rennen am Sonntag in Neuss hat Pietsch sechs Ritte, nur im zweiten Rennen hat er Pause. Es sind etliche aussichtsreiche Ritte dabei, doch Pietsch bleibt gelassen: "Ich wäre schon mit einem Sieg zufrieden."

Das sollte gelingen. Alexander Pietsch ist auf dem besten Wege zu seiner Rekordsaison. Das ist bislang das Jahr 2011 mit 78 Siegen. Es fehlen zum neuen Rekord also drei Siege bei den noch ausstehenden neun Renntagen bis zum Finale am 29. Dezember in Neuss. Ein wichtiger Faktor ist dabei Andrasch Starke. Dazu Alexander Pietsch: "Es könnte auch sein, dass seine Lizenz in Japan über den November hinaus verlängert wird. Aber auch wenn er ab dem 6. Dezember in Bremen wieder hier sein sollte, rechne ich mir gute Chancen aus. Mein Netzwerk für Ritte ist sehr gut."

Die tägliche Trainingsarbeit findet am großen Stall von Waldemar Hickst in Köln statt und als das Telefonat für diesen Text stattfand, saß Pietsch im Sattel des Hengstes Mister Mowgli. Natürlich im Schritt und nicht im Galopp. Auch ständige Stallwechsel sind Vergangenheit, haben ihn aber immerhin viel Erfahrung sammeln lassen.

In der Jockeyszene genießt Pietsch einen hohen Stellenwert. Er ist der gewählte Sprecher der Rennreiterzunft mit den entsprechenden Verantwortungen: "Ich nehme an den Sitzungen des Direktoriums teil und wenn es Probleme gibt, kann ich auch mit der Rennleitung sprechen. Mein Verhältnis zu den Damen und Herren ist gut." Das war nicht immer so, doch aus einigen durchaus dämlichen Sperren der Vergangenheit hat er Lehren gezogen: "Man wird erwachsener." Alexander Pietsch ist auch für die Medien ein angenehmer Partner, jegliche Allüren sind ihm fremd. Als in Köln vor etlichen Jahren nach den Interviews auch noch eine kurze Analyse von den Jockeys erbeten wurde, war Alexander Pietsch ganz wild darauf, mitzumachen und rannte nicht hektisch weg.

Der Auftritt am Buß-und Bettag in Dresden war nicht nur durch die drei Siege und die Busfahrt etwas Besonderes, sondern auch durch seinen Vater Peter Pietsch. Er war viele Jahre lang Trainer in Dresden und mit jedem Sieg seines Sohnes wurde er stolzer. Dabei waren Vater und Sohn in früheren Zeiten nicht immer der gleichen Meinung. Erfolge schweißen eben oft zusammen.

Am Sonntag in Neuss reitet er im siebten Rennen gegen 20.25 Uhr den Fuchswallach Tableforten. Mitbesitzerin des Pferdes ist Caroline Fuchs. Sie hat von 2008 bis 2010 selbst Rennen geritten, 32 gewonnen und ist seine Freundin. Die Ansprüche sind also hoch und es ist allerhöchste Konzentration angesagt. Für diesen Sieg gibt es keinen Ersatz.

Quelle: NGZ
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